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StartseiteCampus & KarriereMit dem Fragebogen gegen die Terrorgefahr04.08.2008

Mit dem Fragebogen gegen die Terrorgefahr

Die Rektorin der Uni Münster kritisiert Verhalten gegenüber ausländischen Studierenden

Wer als ausländischer Student in Nordrhein-Westfalen studiert, der muss jährlich bei der Ausländerbüro die Aufenthaltsgenehmigung erneuern. Studierende aus arabischen Ländern erlebten dieses Jahr aber eine böse Überraschung: Sie mussten einen so genannten Sicherheitsfragebogen beantworten. Er soll Klarheit über mögliche terroristische Verwicklungen geben. Die Rektorin der Uni Münster hat dieses Vorgehen scharf kritisiert.

Von Eva Bendix

Hatten Sie Kontakt zu terroristischen Vereinigungen? (intuitivmedia.net)
Hatten Sie Kontakt zu terroristischen Vereinigungen? (intuitivmedia.net)

Der Marokkaner Mourad Qortas lebt seit zehn Jahren hier in Münster. In seiner zweiten Heimat wie er sagt. Der 30-Jährige studiert an der Uni Islamwissenschaften und Geschichte . Im Frühjahr ging er zur Ausländerbehörde um seine Aufenthaltserlaubnis um ein Jahr zu verlängern. Alles lief ganz normal, bis ihm ein Fragebogen vorgelegt wurde, den er ausfüllen sollte. Wozu soll das gut sein, fragte Mourrad die Sachbearbeiterin. "Das ist ein Terrorfragebogen" antwortete sie ihm, halb im Spaß. Mit Blick auf die 27 Fragen fühlte sich Mourad Qortas fast wie bei einem polizeilichem Verhör.

"Ob er jemals Papiere gefälscht hätte, in Afghanistan war oder beim Militärdienst. Ob er Kontakt zu terroristischen Organisationen habe, eine Kampf,- oder Flugausbildung gemacht habe und geschult sei im Umgang mit Sprengstoff und Chemikalien? "

Mourad Qotas konnte keinen juristischen Beistand dazuholen, musste den Fragebogen vor Ort ausfüllen, durfte ihn weder kopieren noch mitnehmen.

Diese Sicherheitsfragebögen seien geheim und sollten nicht veröffentlicht werden, sonst könnten sich Studierende darauf vorbereiten, hieß es aus dem Innenministerium.

Die Antworten, die Mourad Qoutas darin gegeben hat, würden mit anderen Angaben über ihn in Sicherheitsbehörden verglichen.

Man wolle rechtzeitig diejenigen herausfiltern, die eine Gefahr bilden könnten. Und nach wie vor herrsche in Deutschland große Terrorgefahr, wurde dem Marokkaner erklärt

"Ich bin seit 10 Jahren in Deutschland ich habe nie damit gerechnet, dass so etwas passiert. Mit solchen Vorurteilen in Behörden konfrontiert zu fühlen .

So ein Fragebogen ist für bestimmte Personen aus bestimmten Ländern konzipiert. Diese Länder sind meist arabische islamische Länder und dann gilt man schon als Staatsangehöriger die vorurteile des Extremismus oder Terrorismus.

Nur weil man aus bestimmten Staaten kommt ist man schon ein Sicherheitsrisiko. Es wird schon unterstellt, dass man als Mitglied so eines Staates Verbindung zum Terrorismus hat."

Der marokkanische Student fühlte sich wie viele seiner Kommilitonen kriminalisiert und unter Generalverdacht. Er war beunruhigt und verärgert über dieses neue Vorgehen der Ausländerbehörde hat nun vor dem Verwaltungsgericht Münster Klage eingereicht.

Unterstützung bekam er von der Rektorin seiner Universität. Ursula Nelles hat gegenüber dem Innenministerium und der Ausländerbehörde Münster diese Fragebögen deutlich kritisiert und abgelehnt. Sie schrieb einen Brief ans Innenministerium. In der Antwort hieß es, dass man zukünftig für "besonders vertrauenswürdige Personen" bei der Befragung eine Ausnahme machen könnte.

"Ich bin beeindruckt wie die Uni dazu Stellung genommen hat, dass die Uni das ablehnt und das nicht akzeptiert. Das hat uns bestärkt.

Wir sind ja nicht dagegen, dass der Staat Terrorismus bekämpft und aktiv dagegen ist. Wir haben nur gegen den Punkt etwas, dass generell Verdächtigungen an die ganze muslimische Gemeinde gerichtet sind. "

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