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"Mit dem Schlussstrich haben wir es in Deutschland schon mal versucht"

26.November 2009: Joachim Gauck im Gespräch mit Rainer Burchardt zum Umgang mit den Stasi-Akten.

Burchardt: Aktuell gibt es die Diskussion, ob man nicht endlich mal den Blick zurück beenden sollte, die Akten schließen und den Blick nach vorne wagen soll. Was ist Ihre persönliche Meinung dazu?

Gauck: Meine persönliche wie politische Meinung ist, dass das Unfug ist. Denn mit dem Schlussstrich haben wir es in Deutschland schon mal versucht, und zwar nach dem Kriege. Das ist gründlich misslungen und spätestens die '68er haben der Nation dann gezeigt, ja, Schlussstrich kannst du lange planen, aber ob das machbar ist, das ist eine andere Geschichte! Nein, wir in Deutschland haben aus Fehlern gelernt und sind deshalb sehr früh mit dieser offenen Form der Aufarbeitung, mit offenen Akten, offenen Augen und bei Einigen auch mit offenen Seelen, gestartet. Und das ist für die Gesundung einer Nation nur gut. Und die Debatten, die dann entstanden sind über Schuld, auch über Versagen und Verantwortung, die schaffen zwar einen gewissen Unfrieden, aber nach diesen Debatten ist ein dann entstehender Friede glaubwürdiger als eine Friedhofsruhe, die über kein Problem von früher spricht.

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