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StartseiteCampus & KarriereMit den Studierenden den Bologna-Prozess optimieren15.07.2009

Mit den Studierenden den Bologna-Prozess optimieren

Die HRK will nach-, aber nicht umsteuern

Der Protest der Studierenden ist angekommen. Die Antwort der Hochschulrektorenkonferenz heißt: Mitmachen. Die Halbzeitbilanz der HRK des Bologna-Prozesses lautet zwar im Großen weiter so. Im Kleinen aber gelte es nachzusteuern, sagt HRK-Präsidentin Margret Wintermantel. Und dabei sollen die Studenten helfen:

Von André Hatting

Margret Wintermantel,  HRK-Präsidentin (HRK)
Margret Wintermantel, HRK-Präsidentin (HRK)

"Das bedeutet, wir würden zu Beginn des Wintersemesters unseren Hochschulen empfehlen - es gab einen großen Konsens darüber -, dass die Hochschulen sogenannte Thementage machen, um die Diskussion mit den Studierenden zu intensivieren und sie an diesen Nachsteuerungen, Nachbesserungen zu beteiligen."

Konkreten Bedarf sieht Wintermantel zum Beispiel bei den Prüfungen. Zu viele, zu schwer und zu schlecht organisiert - Hier steht die HRK-Präsidentin ganz auf der Seite der Studierenden. Und überrascht sogar mit einer Neuinterpretation:

"Prüfungen haben doch den Sinn, dass sie dem Studierenden ein Feedback geben. Also er soll, wenn er bestimmte Sachen gelernt hat, das Feedback kriegen, jawoll, du hast es gelernt. Also mehr als Feedback denn als Prüfung, Wissensprüfung gefragt, sondern Feedback zu kriegen. Und da meine ich, dass wir daran gehen müssen, unterschiedliche Formen einzuführen. Statt immer die gleichen Prüfungen zu machen. Also an dieser Stelle brauchen wir Flexibilisierungen."

An anderer Stelle dagegen nicht. Wo Bildungsministerin Schavan vergangene Woche am Runden Tisch mit Studenten und Rektoren gefordert hatte, den Masterstudiengang zu öffnen, besteht die HRK weiterhin darauf, dass jede Hochschule sich ihre Masterstudenten selber auswählt.

"Ich bin der Meinung, dass es eine Frage von der Eignung und der Neigung ist. Ich bin auch der Meinung, dass es noch eine empirische Frage ist. Wir haben im Augenblick Masterstudienplätze frei und wir werden sehen, wie sich der Markt entwickelt. Das hängt sehr davon ab, wie viele Menschen in Masterprogramme gehen, wie sehr der Bachelor am Arbeitsmarkt akzeptiert wird."

Hier sei Bologna auf dem richtigen Weg. Denn obwohl leider an vielen Hochschulen noch immer keine grundlegende Umgestaltung des Curriculums stattgefunden habe - was früher Vordiplom hieß, wurde einfach in Bachelor umbenannt -, würde die Industrie diese Hochschulabschlüsse akzeptieren.

"Wir haben in der letzten Woche mit dem BDI und mit der BDA eine Konferenz gemacht, wo ein ganz starkes Interesse der Arbeitgeber an Bachelor-Absolventen formuliert wurde. Also wir müssen sehen: Der Bachelor ist ein akademischer Abschluss - ist ein akademischer Abschluss!"

Weniger nachdrücklich ist die "Stimme der Hochschulen", wie sich die HRK nennt, bei einem anderen Bologna-Problem zu vernehmen: Die strenge Vorgabe, das Studium auf maximal zehn Semester zu beschränken. Diese Deckelung durch die Kultusministerkonferenz, also die Politik, sei der Grund für zum Teil unzumutbare Studienbedingungen, so Margret Wintermantel. Eine offizielle Position der HRK gibt es dazu aber nicht. Dafür ein Zwölf-Punkte-Papier. Darin hat sich der Senat der Hochschulrektoren Fragen an die Politiker überlegt. Unmittelbar vor der Bundestagswahl kann man es auch als Handlungsempfehlung verstehen. Wie kann eine höhere Bildungsbeteiligung, gerade auch der unteren Schichten erreicht werden, lautet gleich die erste. Wie wird trotz gesetzlicher Schuldenbremse die Finanzierung des Hochschulbereichs gesichert? Welche Modelle der Hochschulfinanzierung werden favorisiert? Bereits der flüchtige Blick zeigt: Es geht bei den Fragen vor allem um's Geld. Daraus macht die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz auch keinen Hehl. Margret Wintermantel:

"Unsere Position ist die, dass wir für gute Arbeit gutes Geld haben wollen. Wir wollen, wenn wir alle diese Erwartungen erfüllen sollen, die an die Hochschulen gestellt sind, also gute Leute auszubilden, sie zu liberalen, aufgeklärten, gebildeten Bürgern zu bilden, die jungen Leute so auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten, dass nachher auch die notwendigen Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt sind - alles dieses wird von den Hochschulen erwartet, und das muss finanziert werden. Das ist unser Ansatz."

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