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StartseiteBücher für junge LeserMit intensiver Recherche zu bewegenden Szenen08.12.2012

Mit intensiver Recherche zu bewegenden Szenen

Die Jugendbuchautorin Anna Kuschnarowa über die Entstehung ihre Bücher

Die Romane von Anna Kuschnarowa gelangen immer wieder auf die Bestenliste des Deutschlandfunks. Sie hat verschiedene Jugendromane geschrieben - und erzeugt dabei durch intensive Recherche authentische Geschichten.

Anna Kuschnarowa im Gespräch mit Ute Wegmann

In "Junkgirl" geht es um die Drogensucht. (AP Archiv)
In "Junkgirl" geht es um die Drogensucht. (AP Archiv)
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Die besten 7 Bücher für junge Leser

Ute Wegmann: In Schriftstellerkreisen ist es durchaus üblich, mehr als nur den einen Beruf auszuüben. Mein heutiger Gast sagt: "Ich habe die drei schönsten Jobs der Welt." Anna Kuschnarowa: Ihr Beruf Nummer eins: Schriftstellerin.Erzählen Sie uns von Beruf zwei und drei.

Anna Kuschnarowa: Beruf zwei, das wäre die Fotografie. Das macht mir großen Spaß, ist aber nicht so ertragreich wie das Schreiben. Und Beruf Nummer drei ist bis vor Kurzem noch das Unterrichten an der Universität gewesen. Das wird jetzt aber ersetzt durch eine eigene Fernschule, die ich betreibe.

Ute Wegmann: Und was unterrichten Sie?

Anna Kuschnarowa: Ich unterrichte die 1. und 2. Semestler in Mittelägyptisch, das ist die klassische Sprache der Pharaonen, und versuche die Studenten fit zu machen für die Prüfung.

Ute Wegmann: Fotografie haben Sie gesagt. Was vermitteln Sie durch das Bild, was Sie nicht durch Text transportieren können?

Anna Kuschnarowa: Ich glaube, es ist ein anderes Sich-Einlassen auf die Welt. Ich interpretiere nicht wie beim Schreiben, sondern ich blicke auf das, was ich sehe und lasse es durch sich selbst sprechen. Und beim Schreiben handelt es sich um eine Interpretation, weil ich ja die Welt mit meinen eigenen Begrifflichkeiten umschreibe.

Ute Wegmann: Wenn Sie jetzt sagen, Sie interpretieren das Fotografierte nicht, würde das bedeuten, keinen Photoshop oder Ähnliches zu benutzen, keine Korrekturen zu machen.

Anna Kuschnarowa: Doch. Die Retouche ist so alt wie die Fotografie. Aber durch die Nachbearbeitung hole ich das Gesehene noch etwas schärfer heraus. Ich glaube, ich lasse die Dinge mehr durch sich selbst sprechen.

Ute Wegmann: Gibt es bevorzugte Motive? Themen, die Ihnen am Herzen liegen.

Anna Kuschnarowa: Die letzten Fotoreihen haben sich mit dem Kapitalismus beschäftigt, von daher waren Schaufensterpuppen für mich sehr interessant. Wie sind die Puppen postiert. Und was lässt sich daraus ablesen.

Ute Wegmann: Nun machen Sie auch Auftragarbeiten. Was machen Sie da?

Anna Kuschnarowa: Nahezu alles, was der Auftraggeber will. Zum Beispiel Aktfotografie für Privatleute. Oder Poträtfotos. Man muss sich dabei den Personen sehr behutsam nähern, damit man die Persönlichkeit herauskitzeln kann. Und da führe ich Gespräche und nehme mir im Vorfeld viel Zeit.

Ute Wegmann: Sie wurden 1975 in Würzburg geboren, studierten Germanistik, Ägyptologie und prähistorische Archäologie. Ist es richtig, dass Sie zur Zeit in Leipzig promovieren ?

Anna Kuschnarowa: Wahrscheinlich bald nicht mehr. Ich bin an einem Punkt, dass ich überlegen muss, was perspektivisch sinnvoll ist, wohin mich mein Herz treibt. Und das ist die Schriftstellerei.

Ute Wegmann: Mit Lyrik begann Ihre Autorenlaufbahn. Die Gedichte sind politisch und gesellschaftskritisch und nie gereimt. Titel: embryo/Ballett der Fischstäbchen
/alles,was recht ist/egolyse...

Worum geht es in den Gedichten?

Anna Kuschnarowa: Ich muss meine Lyrik in zwei Gruppen teilen, abhängig von der Entstehungszeit. Die ältere Lyrik ist so eine Art Befindlichkeitslyrik, davon habe ich mich wegbewegt. Und die neuere Lyrik ist dann politisch geworden. Aber auch davon hab ich mich wegbewegt, das war mir zu sehr in der Nähe des Agitprop. Und dann habe ich mich auf die Prosa gestürzt.

Ute Wegmann: Bei der Lyrik sind Sie nicht geblieben, eingeladen sind Sie, weil zwei Ihrer Romane auf den "Besten 7" standen, der Bestenliste des Deutschlandfunk. Ich bin aber noch auf eine andere Sache gestoßen. Sie haben als Integrationshelferin für jüdische Emmigranten aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion gearbeitet. Was verbindet Sie mit dem Judentum?

Anna Kuschnarowa: Mit dem Judentum gar nicht so viel, muss ich sagen. Das war eine Nachwirkung einer skandalisierten Fotoausstellung. Der Veranstalter sagte: Die Fotos müssen weg, aber können Sie für uns arbeiten? Ich war verblüfft, aber zwei, drei Vodka später war ich für ein Jahr eingestellt. Ich habe da in der Presse– und Fotografieabteilung gearbeitet und hatte das Vergnügen, viele Kontingentflüchtlinge kennen zu lernen. Der Grund für die Einstellung war sicherlich mein eigener familiärer Hintergrund: Mein Großvater war Kosake und kam aus der Ukraine. Von daher auch mein Name. Und in Verbindung mit der Fotografie habe ich da ganz gut in das Team gepasst.

Ute Wegmann: Ihre Karriere als Autorin für Jugendliche begann mit Kurzgeschichten und Gedichten in verschiedenen Gothic-Ausgaben. Wenn wir an Gothic denken, dann denken wir an Tod und Vergänglichkeit. Gothic ist das Synonym für düster, schwarz, schaurig. Wovon handelten Ihre Geschichten?

Anna Kuschnarowa: Die Geschichte, die mir am besten gefällt heißt "Nasty Sirens" und da geht es mehr ins Mythologische. Eine Geschichte, angesiedelt in Griechenland, auf einer Insel. Ein Junge hört die Sirenen singen, fällt ins Wasser und leidet an einer Amnesie. Die Mutter und der Junge ziehen nach New York, dort hört der jugne Mann eine Band mit dem Namen "Nasty Sirens". Und mehr möchte ich nicht verraten.

Ute Wegmann: Das klingt ja nun weniger düster. Ist das Vorurteil, das wir zu Gothic pflegen ein falsches?

Anna Kuschnarowa: Da werde ich mir jetzt keine Freunde machen: Also Gothic ist mittlerweile sehr viel. Der Ausgangspunkt ist schon eine Abwendung von der Welt, das begann in den 80er-Jahren. Es war eine sehr kleine Szene, aber mittlerweile ist die Szene stark kommerzialisiert. Und hat auch Platz für viele Ausläufer, auch für braunes Gedankengut. Das ist nur eine kleine Splittergruppe, aber die gibt es auch. Gothic wird aber normalerweise nicht politisch gesehen, von daher passt da ganz viel rein, auch Mythologisches. So erklärt sich auch die Geschichte in dem Buch, die aber nicht so munter endet.

Ute Wegmann: Den Kurzgeschichten, die wir in den Anthologien finden, folgen im Jahr 2008 "Spielverderber" und 2010 "Schattensommer" ein Jugendkrimi, beide Romane beschäftigen sich mit Rechtsextremismus. Auf dem Land und in Berlin. Sie haben gesagt, es gehe in ihren Romanen um Liebe, Einsamkeit und Kapitalismus. Verfolgen Sie mit Ihren Büchern einen politischen Anspruch? Möchten Sie etwas bewegen?

Anna Kuschnarowa: Das wäre natürlich sehr schön, das wage ich kaum zu hoffen. Ich hab den Eindruck, dass mit dem Fall der Sowjetunion und mit dem Ende des Kommunismus als Gegenentwurf zum Kapitalismus die Entwicklung sehr eindimensional in eine ungute Richtung geht. Ich bin kein Kommunist, das möchte ich auch an dieser Stelle sagen, aber ich denke, die krasse Fixierung auf die Ökonomie, das wird langfristig nicht gut gehen und ist auch Wurzel von ganz viel Übel. Und es ist in meinen Bücher das gesellschaftliche Paradigma, das das Ungute beflügelt.

Ute Wegmann: Beide Romane, die wir heute in den Mittelpunkt rücken wollen, waren auf den "Besten 7", der Bestenliste des Deutschlandfunk.
In "Junkgirl" geht es um Einsamkeit und Drogen und um erste Liebe. Alissa, von ihrer streng religiösen Familie in enge Schranken verwiesen, lernt ein Mädchen kennen, die sich über alles hinwegsetzt. Tara, die Grenzüberschreiterin. Alissa verliebt sich und will alles mit der Freundin teilen. Um ihr nah zu sein, steigt sie ebenfalls in die Welt der Drogen ein.
Rückblickend erzählt Alissa ihre Geschichte, springt in der Zeit und führt immer wieder innere Zwiegespräche mit Alice, ihrem Alter Ego, das sie zum Schweigen bringt. Alice, die Verführerin. Am Ende des Romans bleibt offen, ob Alissa jemals ein drogenfreies, normales Leben führen wird, denn sehr eindringlich zeigen Sie, Anna Kuschnarowa, wie stark Sucht und Milieu den Menschen binden. Und dass die Gefahr der Verführbarkeit immer bestehen bleibt.

Wir hören den Anfang des Romans "Junkgirl". Es liest Anna Kuschnarowa

Die Leipziger Schriftstellerin Anna Kuschnarowa ist heute Gast im Büchermarkt. Die Titel der besprochenen Bücher nenne ich zum Schluss der Sendung und im Internet unter www.dradio.de finden Sie eine Seite, wo Sie die Sendung nachlesen oder nachhören können.

"Es war die großartigste Zeit meines Lebens. Und die beschissenste", sagt Alissa. Sie zeigen auch die guten Gefühle, die Alissa auf Drogen hat, bevor der gesellschaftliche und soziale Abstieg rasant Fahrt aufnimmt.
Wie haben Sie recherchiert?

Anna Kuschnarowa: Einerseits im Freundeskreis. Ich habe im weiteren Freundeskreis mehrere Personen, die sich auf einem ähnlichen Weg befunden haben. Da war die Quelle nah. Ich habe mich in Chatrooms herumgetrieben, wo Betroffene über Probleme und die Folgen ihrer Sucht diskutieren. Ich habe mich durch Fachbücher gequält. Ich war auch mal jung und kann durchaus den Glanz, den Drogen auf junge Leute ausüben, nachvollziehen. Ich glaube, das waren die wesentlichen Quellen.

Ute Wegmann: Es sollte kein Problembuch werden. Zumindest nicht zum Thema Homosexualität. Hat es Sie geärgert, dass man den Roman in die Schublade des Coming-Out-Buchs schieben wollte?

Anna Kuschnarowa: Nein, im Gegenteil. Ich fand das schön, dass der Aspekt in der Öffentlichkeit beachtet wurde. Und was mich überaus gefreut hat: Ganz oft kamen junge Leser auf mich zu und haben gesagt, dass sie es gut fanden, dass das Thema Homosexualität nicht im Sinne des klassischen Coming-Out-Romans problematisiert wurde, sondern einfach als Gegebenheit geschildert wurde. Und das war genau das, was ich mit der lesbischen Liebesbeziehung bezwecken wollte. Homosexualität war nicht das Problem.

Ute Wegmann: "Kinshasa Dreams" – Anna Kuschnarowas neuster Roman - steht im Dezember auf den "Besten 7". Der Prolog – ein spannendes Intro – führt in eine fremde Kultur und in eine Familie zum Tag der Geburt des Ich-Erzählers Jengo. Wir sind in Afrika. Auch diese Geschichte ist rückblickend erzählt. Jengo, mittlerweile in Deutschland, steht kurz dem entscheidenden Boxkampf, der ihn aus der Illegalität führen könnte. Ausgelöst durch Journalistenfragen läuft sein Leben vor ihm ab. Es geht um den Traum eines Jungen, der Boxer werden möchte. Es geht um das abrupte Ende einer Kindheit durch den Verlust des geliebten Großvaters. Es geht um die Flucht nach Europa und den beschwerlichen Weg eines illegalen Auswanderers und sein Schattendasein auf einem fremden Kontinent. Das Aufeinanderprallen von neuer Welt und alten Traditionen ist ebenfalls eines der vielen Themen, die Sie hier anschneiden. Was war die erste Idee, der erste Impuls für das Buch?

Anna Kuschnarowa: Der erste Impuls war tatsächlich eine persönliche Begegnung. Ich war mit einem Mann aus der Demokratischen Republik Kongo zusammen, der auch Boxer ist. Es ist aber nicht seine Lebensgeschichte, keine Biografie. Aber er hat mir so viel erzählt über die Schwierigkeiten, die er hatte, über seine Flucht, dass ich gedacht habe, darüber muss ich schreiben, das muss die Welt erfahren. Und er hat mich darin bestärkt.

Ute Wegmann: Waren Sie in Afrika?

Anna Kuschnarowa: In der Demokratischen Republik Kongo nicht.

Ute Wegmann: Und die Idee mit dem Boxkampf als Traum eines Jungen, der Junge hat ja ein großes Vorbild, nämlich Muhammed Ali, kommt tatsächlich aus der Biografie des Bekannten?

Anna Kuschnarowa: Genau.

Ute Wegmann: Der Junge befindet sich in einer sehr schlechten Situation. Der geliebte Großvater ist gestorben, die Mutter nach Frankreich geflohen. Er lebt bei Onkel und Tante, die ihn nicht gut behandeln, ihm das Boxen verbieten. Ist das ein Thema, dass man in einen Traum flüchtet, aus einem Albtraum, und versucht, den Traum zu realisieren?

Anna Kuschnarowa: Ich denke, schwerwiegender als der Traum ist in Jengos Situation die reale Bedrohung, in der er sich befunden hat. Die Möglichkeit, im Ausland eine Boxkarriere anzustreben, war das Rosinchen auf dem Kuchen.

Ute Wegmann: Was war denn die konkrete Bedrohung?

Anna Kuschnarowa: Sein Onkel und seine Tante wollten ihn zwar an Kindesstatt annehmen, der gute Jengo befand sich aber mitten in der Pubertät und war nicht mehr so leicht händelbar. Und Onkel und Tante steigern sich nun zunehmend in den in Kinshasa weit verbreiteten Hexenglauben hinein. Das ist ein großes Problem, vor allem in der Hauptstadt Kinshasa, dass unliebsame Kinder der Hexerei bezichtigt werden und dann entweder Exorzismen ausgesetzt werden oder aus der Familie verstoßen werden. In ganz schlimmen Fällen werden sie sogar getötet. Diese Bedrohung erfährt Jengo. Und er hat nur die Möglichkeit, Straßenkind in Kinshasa zu werden oder zu fliehen. Und was hält ihn noch in seinem Land?

Ute Wegmann: Das Leben der Auswandererszene ist sehr präzise geschildert. Kairo und die Überfahrt mit dem Boot bleibt sehr intensiv in Erinnerung. Liegt das an Ihrer Recherche oder auch daran, dass wir die Bilder kennen, aus Nachrichten, aus Zeitschriften?

Anna Kuschnarowa: Es freut mich natürlich, wenn diese Szene so intensiv wirkt. Ich kann mir schon vorstellen, dass es auch etwas damit zu tun hat, dass wir alle an einem chronisch schlechten Gewissen leiden, dass es uns so gut geht. Unser Wohlstand beruht ja darauf, dass es unter anderem in vielen afrikanischen Ländern den Menschen so schlecht geht. Vielleicht ist es deshalb so ergreifend. Also, ich hab natürlich auch viel recherchiert, das freut mich, wenn es so intensiv rüberkommt.

Ute Wegmann: Haben die Bilder Sie auch sehr geprägt?

Anna Kuschnarowa: Das kann gut sein, ich bin ein stark visueller Typ. Bilder wirken auf mich sehr stark und ich lasse mich gern von Bildern beeinflussen, um diese dann wieder in Worte zu fassen.

Ute Wegmann: Wir hören jetzt eine Szene aus dem Buch "Kinshasa Dreams", gelesen von Anna Kuschnarowa.

Nach der zweiten Flucht, die Jengo bewältigen muss, verdoppelt sich annähernd das Erzähltempo.

Anna Kuschnarowa: Man hätte natürlich auch noch in den sieben anderen Ländern, durch die ihn seine zweite Flucht getrieben hat, ihn mit der Bevölkerung oder mit Gefahren konfrontieren können. Das Fluchterlebnis war aber ja schon geschildert. Und die Erlebnisse – positive wie negative - hätten sich den schon genannten angenähert. Ich habe deshalb Jengo die zweite Flucht nur noch einmal in der Rückschau zusammenfassen lassen. Vielleicht, damit er endlich ankommt und seinen großen Kampf kämpfen kann.

Ute Wegmann: Auch in diesem Buch, genau wie bei "Junkgirl", wissen wir ja nicht, wie es ausgeht.

Anna Kuschnarowa: Es geht mir selber ganz oft so, dass mich Bücher, die ein offenes Ende haben, weitaus länger beschäftigen, als wenn ich weiß, ob es gut oder schlecht ausgeht. Vielleicht neige ich deshalb dazu, das Ende offen zu lassen.

Ute Wegmann: Wir sind leider am Ende unserer Sendung. Gast im Büchermarkt war heute Anna Kuschnarowa. Herzlichen Dank für Gespräch und Lesungen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Bücher zur Sendung:

  • Nasty Sirens, in: "Gothic. Darker Stories", herausgegeben von Boris Koch, Seite 41 - 54, 8,95 Euro, ab 14
  • Spielverderber, 194 Seiten, 8,95 Euro, ab 14
  • Schattensommer, 225 Seiten, 8,95 Euro, ab 13
  • Junkgirl, 224 Seiten, 12,95 Euro, ab 14
  • Kinshasa Dreams, 379 Seiten, 14,95 Euro, ab 13


Alle Bücher sind im Verlag Beltz & Gelberg erschienen.

Gedicht von Anna Kuschnarowas
götterdämmerungsbefund


in unserer schöpfernacht
haben wir unsere formen ineinandergepresst
uns in sie ergossen
wie demiurgen einer neuen welt

am nächsten morgen
artefaktabfolge horizontalstratigraphisch
dein abdruck im laken erfroren
auf der schneckenspur mumifiziert
das kondom starb noch im schoß
meine hülle von allen guten geistern verlassen

zivilisationsmüll und katastrophenrückstände
sind sternstunden der archäologie

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