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StartseiteCampus & KarriereMit Köpfchen in die Selbständigkeit05.04.2006

Mit Köpfchen in die Selbständigkeit

An der FU Berlin können Hochschüler studienbegleitend an ihrer Unternehmensidee feilen

Viele Studenten mit Gründerambitionen und einer guten Geschäftsidee haben nach dem Studium zwar den Abschluss in der Tasche, aber noch längst kein Unternehmen am Markt. Anders im Arbeitsbereich Entrepreneurship der Freien Universität Berlin. Hier können Hochschüler studienbegleitend an ihrer Unternehmensidee feilen. Ein besonders ausgefeiltes Entrepreneurship-Konzept ist ein Versand für Rapskernöl.

Von Wulf-Peter Gallasch

Rapskernöl per Internet verkaufen - ein ungewöhnliches Unternehmenskonzept. (AP)
Rapskernöl per Internet verkaufen - ein ungewöhnliches Unternehmenskonzept. (AP)

Rafael Kugel: " Der Zeitaufwand liegt zwischen gar nichts am Tag und zwei, drei Stunden am Tag. Ich würde sagen, wenn man das zusammen zählt und das auf Tagesgröße verteilt, dann kommt man wahrscheinlich auf eine Zeit, die bei etwa so knapp unter einer Stunde liegt, pro Tag. "

Diese knappe Stunde Zeitaufwand, findet Rafael Kugel, ist noch viel zu viel. Der wissenschaftliche Mitarbeiter im Arbeitsbereich Entrepreneurship der FU Berlin wird noch weiter an seinem Unternehmenskonzept feilen. Als guter Entrepreneur arbeitet er ohnehin nicht in, sondern an seinem Unternehmen, einem Internet-Rapskernöl-Versand. Vor allem die noch junge Geschäftsidee ist dem 30-Jährigen wichtig, denn die soll sich im Markt behaupten. Das Betriebswirtschaftliche daran übernehmen andere, soweit es geht. Eine der Leitideen im Entrepreneurship. Will ein Gründer Erfolg, muss er Aufgaben delegieren. Außerdem wichtig ist die Zweieinhalb Regel: Doppelt so gut und halb so teuer wie eventuelle Mitbewerber.

" Ich habe lange nach etwas gesucht, was wirklich ganz klar einen Marktvorteil bietet. Und dort wollte ich hinkommen. Ich habe systematisch gesucht, was gibt es für Produkte, was gibt es für Möglichkeiten, wo könnte man so etwas machen, und bin im Rahmen dieser Recherchen über dieses Rapskernöl gestolpert."

Ein mehrfach prämiertes Naturprodukt. Hersteller ist die Teuteburger Ölmühle. Ebenfalls ein junges Unternehmen. Rafael Kugels Business-Modell gefiel den Münsterländern. Und so verkaufen sie seit rund acht Monaten dem Berliner Entrepreneur ihr Öl.

" Dann war die Überlegung, wie kann ich das jetzt radikal vereinfachen und halb so teuer machen. Und ich habe einen Weg gefunden durch Direktversand, durch weglassen von Zwischenhandelsstufen, durch weglassen von großen Marketingkosten, durch weglassen von Ladenmiete. "

Die rund 4.000 Euro Grundkapital hat Rafael Kugel unter anderem in eine möglichst einfache Verpackung investiert. Ein Karton mit Zapfhahn und jeweils drei Litern Rapskernöl. Nach zehn Tagen und 700 Bestellungen hatte er die Gewinnzone erreicht und seither nicht wieder verlassen. Rund 7.000 Euro monatlich setzt Rafael Kugel zurzeit mit seinem Öl und folgt immer der Entrepreneurship-Regel : Den Kopf frei halten für neue Ideen.

" Das Konzept beruht darauf, dass ich von Anfang an sehr viele Aufgaben versucht habe an professionelle Unternehmen abzugeben. Das heißt, ich habe mir jemanden gesucht, der entsprechend für mich den Transport machen kann, der die Abfüllung machen kann, der den Versand machen kann."

Buchhaltung und Internetauftritt überlässt Rafael Kugel ebenfalls anderen. Dadurch hat er mehr Zeit für die Arbeit an seinem Unternehmen oder seiner Doktorarbeit. Die schreibt er bei Günter Faltin, Inhaber des Lehrstuhls für Entrepreneurship, Gründer der Teekampagne und mittlerweile weltgrößter Darjeeling-Importeur. Für seine Studenten ist Günter Faltin der lehrende und lebende Beweis dafür, dass eine Geschäftsidee mit geringem Kapital- und Werbeaufwand funktioniert:

" Ich würde sagen, jeder kann Unternehmer sein. Das Entscheidende ist, dass er sich etwas ausdenkt, was die Menschen wirklich brauchen und dass es etwas ist, was es bisher noch nicht gibt. Dann ist er auf einer guten Grundlage. "

Bis zur Marktreife dieser Grundlage können aber mitunter Jahre vergehen. Um so besser wäre es daher, nach Ansicht Günter Faltins, wenn die Universitäten lehren würden, was den Spürsinn für eine gute Geschäftsidee ausmacht und wie man Kunst des Delegierens betriebswirtschaftlicher Aufgaben praktiziert. In den Augen Günter Faltins wäre das die Universität der Zukunft.

" Und am Ende des Studiums halte ich nicht nur mein Diplom hoch, sondern ich halte auch mein Konzept hoch und sage, wenn Sie mich einstellen, in ihre Firma, dann bringe ich ihnen einen neuen Geschäftszweig. Wenn sie mich nicht einstellen, dann gehe ich damit zur Konkurrenz oder mache es auch selber."

Für Rafael Kugel war von vornherein klar, er macht es selber und entwickelt sein Geschäftsmodell immer weiter. Damit er bald höchstens 15 Minuten täglich in und den Rest seiner Zeit an seinem Unternehmen arbeiten kann:

" Erfahrungsberichte von so genannten Serial-Entrepreneurs ist, dass die erste Unternehmensgründung die schwierigste ist und man dann langsam raus hat, wie es funktioniert und man es dann auch einfacher hat."

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