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Mit Kreuz oder Kopftuch

Religionsfreiheit am Arbeitsplatz

Von Rocco Thiede

Einige Unternehmen bieten Räume als Rückzugsmöglichkeit für religiöse Menschen an.
Einige Unternehmen bieten Räume als Rückzugsmöglichkeit für religiöse Menschen an. (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

In globalisierten Unternehmen gehört es heute zum Alltag, dass christliche, jüdische, muslimische, hinduistische oder buddhistische Kollegen zusammenarbeiten. Doch wie gehen international tätige Unternehmen mit bekenntnisfreudigen Mitarbeitern um?

Alle Menschen sollen Wertschätzung im Berufsleben erfahren: Unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und von Religion und Weltanschauung. Dafür setzt sich in der Bundesrepublik seit dem Jahr 2006 der Verein "Charta der Vielfalt" ein.

Beim internationalen IBM-Konzern ist Uta Menges für das Thema Diversity-Management in Deutschland zuständig. Sie zeichnet ein harmonisches Bild, wenn es um die praktische Relevanz von Religion am Arbeitsplatz bei IBM geht:

"Das Thema Religion und Weltanschauung ist Bestandteil unserer Diversity-Politik. Wir sind ein offenes und tolerantes Unternehmen, was Jeden und Jede wertschätzend bei uns willkommen heißen möchte und dazu gehört die gesamte Persönlichkeit und somit auch deren Weltanschauung und Religionszugehörigkeit."

Allerdings, so Uta Menges, habe der Konzern den Standpunkt, dass die Religionsausübung der Mitarbeiter nichts mit dem geschäftlichen Alltag zu tun habe:

"Insofern legen wir Wert darauf, dass niemand seine Religionszugehörigkeit am Arbeitsplatz propagiert oder gar versucht andere zu missionieren. Aber wir gestatten jedem seine Religion im Rahmen der Möglichkeiten auszuüben, indem wir zum Beispiel Möglichkeiten schaffen, dass sich jemand für ein Gebet zurückziehen kann."

In globalisierten Unternehmen gehört es heute zum Alltag, dass christliche, jüdische, muslimische, hinduistische oder buddhistische Kollegen zusammenarbeiten. Neben den "Räumen der Stille" als Rückzugsmöglichkeit für religiöse Menschen gebe es auch andere Initiativen, unterstreicht Felix Sonett von der Deutschen Telekom:

"Wir fördern Mitarbeiternetzwerke, zum Beispiel 'Christen@Telekom'. Hier treffen sich Beschäftigte aus ganz unterschiedlichen Konfessionen, tauschen sich aus und heißen auch Menschen, die neu nach Deutschland kommen willkommen und bieten ihnen einen ersten Anlaufpunkt."

Auch bei den Kantinenangeboten nehmen viele Arbeitgeber auf die religiösen Gepflogenheiten Rücksicht. Das sei selbstverständlich, sagt Christiane Wöhrle, die in der Zentrale von McDonalds in München arbeitet:

"Es gibt ja auch vegetarische Gerichte, Fisch, Salat und von daher sind wir für jede Glaubens- und Religionsrichtung gut ausgerüstet. Unsere Restaurants zeichnen sich ja dadurch aus, dass wirklich sehr viele Bevölkerungsgruppen und damit auch Religionsgruppen gemeinsam miteinander arbeiten."

Aletta Gräfin von Hardenberg ist Geschäftsführerin des Vereins "Charta der Vielfalt". Seit dessen Gründung vor sieben Jahren haben bereits 1300 Unternehmen und Organisationen mit insgesamt sechs Millionen Angestellten die Charta unterzeichnet. Die großen christlichen Kirchen sind nicht darunter. Von Hardenberg sieht hier Nachholbedarf, immerhin gehörten Caritas und Diakonie zu den größten Arbeitgebern in Deutschland.

"Ich bin mit einer evangelischen Landeskirche zurzeit im Gespräch, weil die sich damit auseinandersetzen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob alle anderen Kirchen sich wohlfühlen würden, die Charta zu unterzeichnen. Denn die Charta ist eine Selbstverpflichtung, die auch eine Vorurteilsfreiheit anderen gegenüber, also sexuellen Orientierung, andere Glaubensrichtungen etc. und ich glaube, da ist es bei der Kirche mit der Toleranz anderen gegenüber manchmal noch etwas schwierig."

Die Politikwissenschaftlerin Anja Hennig, von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder, die über das Thema Moralpolitik und Religion in katholischen Gesellschaften promoviert hat, zeigt dagegen Verständnis, dass die Kirchen der Charta eher distanziert gegenüberstehen:

"Es ist bundesdeutsches Recht, das es den großen Kirchen erlaubt, ihre eigenen Regeln in Fragen der Beschäftigung, der Auswahl und der Kündigung von Mitarbeitenden zu Grunde zu legen. Es verwundert aus meiner Sicht wenig, das die Caritas und die Diakonie, diese Diversity-Charta nicht unterschrieben haben. Insofern es der Kirche sicherlich schwerfällt, eine solche umfassende Selbstverpflichtung, wie es diese Charta der Vielfalt vorsieht zu unterschreiben."

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