Corso / Archiv /

 

Mit Reimen gewinnen

"Reim gewinnt" als neue Fernsehshow auf ZDF.Kultur

Von Sascha Verlan

Reime als Spiel im Fernsehen
Reime als Spiel im Fernsehen (Stock.XCHNG / Christy Thompson)

Reime sind das Spielfeld einer neuen Spielshow auf ZDF.Kultur. Sie heißt 'Reim gewinnt. Und was sich reimt, das stimmt.' Mehrere Reimprofis kämpfen hier um die Zuschauergunst.

Das Konzept von 'Reim gewinnt' ist denkbar einfach. Es gibt einen Moderator, den selbst ernannten Reimleiter in Gestalt des vielseitigen Humoristen und Nonsens-Dichters Helge Thun. Ihm gegenüber stehen vier Kandidaten, die mit ihren Versen um die Gunst von Publikum und Reimleiter buhlen:

"Die Idee entstand schon 2004. Damals hatte ich gerade zusammen mit Jakob Nacken als Team die deutschen Poetry Slam Meisterschaften gewonnen. Und da hab ich mir damals gedacht: Ne, wie hätte so ein Wettbewerb in den 50er-Jahren so mit Heinz Erhardt ausgesehen."

Als Kandidaten stehen parat: Klavierkabarettist Bodo Wartke,
Christine Prayon, die sich selbst als das Quotengedicht in der Männerrunde bezeichnet. Sie ist die aktuelle Gewinnerin des Prix Pantheon Jurypreises. Außerdem der Quotenholländer Philip Simon, ebenfalls Prix Pantheon-Träger. Und schließlich Udo Zepezauer, Tübinger Theatersportler und Ganzkörperkomödiant sowie langjährige Hälfte von "Helge und das Udo".

"Eine Pendelshow, also das heißt, ein Moderator und ein Kandidatenteam, das gab's auch schon bei 'Was bin ich' mit Robert Lemke oder später bei '7 Tage, 7 Köpfe' oder 'Genial daneben'. Das Besondere bei uns ist halt, dass es um Reime und Gedichte geht. Inhaltlich will ich mir auch gar kein Urteil erlauben, aber zumindest sprachlich ist das sicherlich eine Farbe, die es so im Fernsehen zumindest seit Heinz Erhardt nicht mehr gegeben hat."

Natürlich ist der poetische Wettkampf ebenso inszeniert wie die Punktevergabe. Die Spielshow bildet den Rahmen, in dem sich die Gedichte entfalten können. Denn 'Reim gewinnt' setzt ganz auf die besondere Komik, die entsteht, wenn der sprachliche Gleichklang Dinge zusammenleimt, die so gar nicht zueinander passen wollen. Durch die thematische Vorgabe - das Thema der ersten Folge von 'Reim gewinnt' hieß Gesundheit – entsteht Gebrauchslyrik, die bei allem Spaß immer auch politische und sozial interessante Erkenntnisse bringen soll.

Aber die lyrische Form braucht eben Zeit, sich zu entwickeln. Auf der Bühne funktioniert die "Reim gewinnt"–Show in wechselnden Besetzungen seit fünf Jahren. Aber im Fernsehen?

"Die ursprüngliche Idee war sogar, eine Fernsehsendung ganz in Schwarz-weiß zu machen, bei der man überhaupt nicht realisiert, dass sie von heute ist. Aber das wollte dann doch kein Fernsehsender machen. Also überhaupt wollte es kein Fernsehsender machen."

Jetzt hat sich mit ZDF.Kultur also ein Sender daran gemacht, 'Reim gewinnt' ins Fernsehen zu bringen. Natürlich kann dieses Format vom Tempo her nicht mit anderen Comedy-Sendungen konkurrieren. Nicht mit der politsatirischen "Heute-Show" im ZDF und auch nicht mit dem Comedianquiz "Genial daneben" auf Sat1. Aber anstatt auf Eigenständigkeit zu setzen, wurde in der Nachbearbeitung versucht, die Sendefassung im Vergleich zur Bühnenshow durch Schnitte und Kürzungen zu dynamisieren. Das stört die Rhythmik und den natürlichen Verlauf des Abends stellenweise empfindlich. Da sollte das ZDF noch nachbessern – und vor allem sollte es dieses mutige Format dauerhaft ins Programm nehmen.

Infos zur Sendung:
Am kommenden Sonntag, 6.5.2012, läuft die zweite Folge auf ZDF.Kultur um 20:15 Uhr. Das Thema ist Sport.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Corso

Autor Adam FletcherBrit-Berliner will deutsche Sprache retten

Mehrere Wörterbücher stehen auf einem Tisch in einer Schule. Im Hintergrund ist eine Tafel zu sehen, vor der eine Frau steht.

Zusammen mit seinem Kollegen Paul Hawkins wirbt Adam Fletcher in einem ironischen Buch für die deutsche Sprache. Seiner Meinung nach ist sie ein Genuss und sogar ein Vorbild für das Englische. Unter dem Titel "Denglisch For Better Knowers" möchte er sie auf amüsante Weise vor dem Untergang retten.

Is was!?Der satirische Wochenrückblick

Eine junge Frau tippt auf ihrem Mobiltelefon eine SMS, während sie in einem Cafe sitzt.

Die einen reden in der Öffentlichkeit am Handy lautstark über die privatesten Dinge. Andere wie Bastian Schweinsteiger singen lautstark ein Schmählied gegen Borussia Dortmund - und werden dabei zufällig mit dem Handy gefilmt. Beides kann man sich sparen. Sparsam ist auch die Kanzlerin, wie sie jetzt wieder in Bayreuth bewiesen hat.

Umbria Rock Festival Der Traum eines Investment-Bankers

Die britische Rockgruppe The Kaiser Chiefs bei einem Auftritt im Juni 2014 auf dem Glastonbury Festival of Music and Performing Arts in Somerset im Südwesten Englands.

Die inzwischen kaum noch überschaubare europäische Festivalszene bekommt noch eines dazu: das Umbria Rock-Festival, das vom 1. bis 3. August erstmals stattfindet. Organisiert und finanziert hat es der indisch-stämmige Brite Yashwant Bajaj, ein früherer Investment-Banker.