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StartseiteVerbrauchertippSchlafen neu erlernen27.04.2018

Mittel gegen SchlafstörungenSchlafen neu erlernen

Rund 30 Prozent aller Deutschen haben Schlafstörungen. Die Ursachen sind nicht allein organischer Natur. Auch privater und beruflicher Stress können Menschen um ihre Nachtruhe bringen. Die Mittel gegen Schlaflosigkeit sind vielfältig - und reichen von alten Hausrezepten bis hin zur Schlafschule.

Von Margret Bielenberg

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Eine Frau liegt auf einer Matraze - Foto in Aufsicht und mit beabsichtigtem Unschärfeeffekt. (imago / imagebroker)
Schlaflosigkeit ist quälend - und erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen (imago / imagebroker)
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Eine Frau aus Schleswig-Holstein, kann schon seit längerer Zeit nicht mehr durchschlafen. Von sieben Nächten ist meist nur eine erholsam, erzählt die Mittfünfzigerin. Morgens sei sie dann völlig erschöpft und muss zur Arbeit.

"Fünf bis sechs Mal aufwachen, das ist normal und in der Regel ist es so, dass ich dann eine halbe Stunde brauche und dann schlafe ich wieder eine dreiviertel Stunde und dann geht das wieder von vorne los."

Schlafmittel nur kurzfristig einsetzen

Schlafprobleme sind nicht nur quälend, sie erhöhen auch das Risiko für körperliche und seelische Folgeerkrankungen wie beispielsweise Herzkreislauf-Leiden oder Depressionen. Von freiverkäuflichen Schlafmitteln rät Nicola Muth ab. Sie ist Fachärztin für innere Medizin und Schlafmedizin im Asklepius Westklinikum in Hamburg.

"Weil diese Mittel häufig nicht wirksam sind. Dann besteht die Tendenz zu wirklich medizinisch verschreibungspflichtigen Schlafmitteln zu greifen und die haben in der Regel ein sehr hohes Abhängigkeitspotenzial."

Schwere Speisen und Alkohol am Abend meiden

Solche Schlafmittel sollten deshalb nur kurzfristig eingesetzt werden. An erster Stelle stehen die sogenannten schlafhygienischen Maßnahmen: Zum Beispiel das Schlafzimmer gut abdunkeln. Die richtige Temperatur von 18 bis 20 Grad Celsius einstellen. Keine schwer verdaulichen Lebensmittel am Abend zu sich nehmen wie beispielsweise fettes Fleisch, Kohl oder Rohkost. Auf Koffein am Abend verzichten und Alkohol vermeiden.

"Alkoholische Getränke fördern zunächst die Einschlafphase, aber man sieht dann, dass die Patienten deutlich weniger als 20 Prozent Tiefschlaf erreichen."

Anstrengender Sport am Abend ist auch nicht förderlich. Dagegen können beispielsweise sanftes Yoga oder Entspannungsübungen wie autogenes Training hilfreich sein, um in den Schlaf zu kommen. Wichtig ist, auch am Wochenende seinen Wach-Schlaf-Rhythmus einzuhalten. Man unterscheidet die Frühaufsteher, die sogenannten Lerchen von den spätaufstehenden Eulen, sagt die Schlafmedizinerin.

"Das ist genetisch festgelegt. Und ändert sich im Laufe des Lebens wenig. Das bedeutet, dass man wirklich nur ins Bett gehen sollte, wenn man auch müde ist."

Schlafschulen - oder warme Milch mit Honig

Wer länger als zwei Monate an Schlafstörungen leidet, sollte sich schlafmedizinisch untersuchen lassen, rät Nicola Muht und gegebenenfalls seinen Schlaf im Schlaflabor überwachen und auswerten lassen. Denn je hartnäckiger sich die Schlaflosigkeit festsetzt, desto schwieriger ist sie wieder zu vertreiben. Informationen zu den deutschlandweiten Schlaflaboren gibt es zum Beispiel bei der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Manche Menschen müssen mit dem Schlaf neu umgehen lernen, sagt Nicola Muht.

"Es gibt auch sogenannte Schlafschulen im ambulanten Bereich, die sich sehr damit beschäftigen, Rituale und Methoden beizubringen wie man mit Schlaflosigkeit umgeht. Die sind sehr erfolgreich und werden zum Teil auch von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet."

Wer nur hin und wieder mal nicht schlafen kann, dem empfiehlt die Schlafmedizinerin ein altes Hausrezept: warme Milch mit Honig.

"Weil Milch die Aminosäure Tryptophan enthält, die zur Serotoninbildung da ist und letztendlich zu Melatonin verarbeitet wird. Und Melatonin ist ja unser Schlafhormon."

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