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StartseiteHintergrundFrankreich pusht das Elektroauto13.09.2017

Mobile ZukunftFrankreich pusht das Elektroauto

Vor zwei Jahren platzte Diesel-Gate mitten in die Internationale Automobilausstellung. Inzwischen ziehen Politiker und Hersteller weltweit Konsequenzen. Frankreich hat für 2040 den Abschied von Benzin- und Diesel-Autos angekündigt und setzt auf Elektromobilität.

Von Silke Hahne und Suzanne Krause

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Ein Areal des Aksdal Einkaufcenters im südwestlichen Norwegen, in dem sich Tankstellen mit herkömmlichen Treibstoffen befinden und Elektro-Ladestationen.  (imago/Ludwig Heimrath)
Betanken von Elektrofahrzeugen einfach gemacht: In Frankreich kostet einmal aufladen 50 Cent. Bis 2030 soll es dort sieben Milllionen Ladepunkte geben. (imago/Ludwig Heimrath)
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Der Volkswagen-Konzernabend auf der Internationalen Automobil-Ausstellung 2015. Es war der 14. September. Nur vier Tage, bevor die US-Umweltbehörde EPA den Abgasskandal öffentlich machte, feierte VW sich selbst auf großer Bühne. Das Motto des Abends: "On the Move". Wie sehr der Konzern in Bewegung geraten und dass VW zwei Jahre später eine große Elektroauto-Offensive ankündigen würde, allein um den Ruf und künftige Absätze zu sichern – das ahnte der damalige Volkswagen-Chef Winterkorn damals wohl kaum. Nur wenige Tage nach seinem IAA-Auftritt musste er sich in einer Video-Nachricht des Konzerns bei Kunden und Behörden entschuldigen:

"Meine Damen und Herren, die Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren unseres Konzerns widersprechen allem, für was Volkswagen steht."

Vollmundige Beteuerungen, schamlose Betrügereien

VW-Chef Martin Winterkorn übernimmt die Verantwortung für die Abgasaffäre und tritt zurück. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschukte)VW-Chef Martin Winterkorn übernimmt die Verantwortung für die Abgasaffäre und tritt zurück. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschukte)

Einen Rücktritt lehnte Winterkorn da noch ab. Doch schon am nächsten Tag rief der damalige, kommissarische Chef des VW-Aufsichtsrates, der Gewerkschafter Berthold Huber, den Neuanfang bei VW aus.

"Zu diesem Neuanfang, meine Damen und Herren, gehört auch die Nachricht, dass Herr Professor Doktor Martin Winterkorn angeboten hat, von seinem Amt als Vorstandsvorsitzender zurückzutreten."

Das war am 23. September, siebter Messetag auf der IAA. Die Glitzer-Auto-Show in Frankfurt am Main kollidierte mit voller Wucht mit dem Anfang eines der größten Wirtschaftsskandale in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik.

"Ja, ich meine, die Nachricht aus den USA war natürlich auch für mich ein Schock. Und es hat für mich die zweite Woche der IAA 2015 schon ein Stück überschattet."

…erinnert sich Matthias Wissmann, seit 2007 Präsident des VDA, des mächtigen Lobbyverbands der Auto-Industrie, und zugleich Veranstalter der IAA. Wie stark die Betrügereien bei Volkswagen die gesamte Debatte über Automobile prägen würde, darüber sei er sich damals nicht im Klaren gewesen, sagt Wissmann heute.

"Dass Fehler gemacht worden sind, bestreite ich zu keinem Zeitpunkt. Und dass wir sie aufarbeiten, ist der Wille aller in der deutschen Automobilindustrie. Aber dass die Diskussion diese Dimension angenommen hat, hätte man damals nicht erwarten können."

Der wichtigste deutsche Industriezweig in Gefahr

Die IAA 2017 wird unter dem Eindruck eines Bundestagswahlkampfes stehen, der nicht nur, aber doch stark vom Thema Auto geprägt ist. In jedem Interview und TV-Duell hat die Zukunft der Autoindustrie einen Platz sicher. Das fordert den Wahlkämpfern viel Feingefühl ab: Sie wollen dem Eindruck von zu viel Nähe zwischen Politik und Industrie entgegen treten. Gleichzeitig gilt es, einen der wichtigsten deutschen Industriezweige zu schützen – und seine 800.000 Arbeitnehmer nicht zu verunsichern. Dazu kommen die Interessen der Diesel-Fahrer – und die der Stadtbewohner, deren Luft von mehr Stickoxiden belastet wird, als erlaubt.

Screenshot des TV-Duells zwischen der Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzenden Angela Merkel und dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz. (dpa-Bildfunk / MG RTL D)Heikle Mission Verbrennungsmotor: Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz verweisen beide auf die über 800.000 Beschäftigen in der deutschen Automobilindustrie. (dpa-Bildfunk / MG RTL D)

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die an diesem Donnerstag die IAA eröffnen wird, hat sich lange zurückgehalten – in der heißen Wahlkampfphase nun aber zumindest verbal aus der Deckung gewagt. In einer Video-Botschaft am vergangenen Wochenende sagte sie:

"Wir haben erlebt, dass ein großer Vertrauensverlust im Blick auf die Automobilindustrie eingetreten ist. Und gleichzeitig wissen wir natürlich, dass die Automobilindustrie eine wichtige Säule unseres wirtschaftlichen Erfolgs ist. Und deshalb werde ich deutlich machen, dass Fehler, die passiert sind, natürlich wieder gut gemacht werden müssen. Da haben wir noch erheblich zu tun. Aber, dass wir auf der anderen Seite auch im Blick auf die über 800.000 Beschäftigten in der Automobilindustrie eine gute Zukunft für diese Branche wollen."

Automobilität - eine politische Gratwanderung

Ein Punkt, in dem sich die derzeitigen Koalitionspartner Union und SPD kaum unterscheiden. Auch Martin Schulz ärgert sich, so wie hier im TV-Duell, öffentlich über die Auto-Bosse…

"Was wir erlebt haben, da sind wir ja einer Meinung, ist: Da sind hoch bezahlte Manager, die haben betrogen, geschummelt, gefährden die ganzen Belegschaften."

Doch mit ernsthaften Konsequenzen drohen weder er noch Merkel. Diesel-Fahrverbote wollen sie um jeden Preis verhindern. Lediglich die Elektro-Mobilität soll vorangebracht werden. Die Union verspricht in ihrem Wahlprogramm 50.000 Ladesäulen, auch die SPD will den Ausbau fördern, genau wie die Grünen. Die fordern zusätzlich, dass ab 2030 keine Diesel und Benziner mehr neu zugelassen werden. Doch längst nicht alle Grünen stehen hinter dem Ausstiegsdatum. Prominentester Gegner ist Winfried Kretschmann, Ministerpräsident im Autoland Baden-Württemberg. Auch für die Grünen ist der Umwelt-Skandal also eine Gratwanderung. So musste Kretschmann beim zweiten Diesel-Gipfel – einem Treffen von Bund, Ländern und Kommunen – hervorheben, was für eine Öko-Partei eigentlich zum Selbstverständnis gehört:

"Und ich will einfach nochmal betonen, dass wir natürlich zügig in die Elektromobilität wollen, wir begrüßen, dass die Bundesregierung jetzt den Fond aufstockt."

…den Fonds für saubere Luft in den Städten. Eine Milliarde Euro sollen dafür fließen – auch in den Ausbau der Lade-Infrastruktur für E-Autos. Außerdem gibt es ein Förderprogramm auf Bundesebene im Wert von 300 Millionen Euro. Bis Ende Oktober können Investoren, Städte und Gemeinden wieder Fördergeld für E-Tankstellen beantragen. Am Ende sollen deutschlandweit 15.000 Ladesäulen zusätzlich stehen und das bisher dürftige Netz in Deutschland aufbessern: Aktuell zählt die Bundesnetzagentur rund 7.400 öffentliche Ladepunkte, vor allem in den Städten.

Frankreichs Erfolge beim Ausbau der Elektroauto-Struktur

Manch deutscher E-Autofahrer dürfte da mit Neid nach Frankreich blicken: Mit 15.880 Ladepunkten, so die Zahlen vom Jahresbeginn, verfügt das Nachbarland über mehr als doppelt so viele öffentlich zugängliche Stationen für E-Autos. Ausgerüstet ist auch das Örtchen Bellot, 800 Einwohner, eine gute Autostunde östlich von Paris gelegen, im hier sehr ländlichen Département Seine et Marne. Vor zwei für Elektroautos reservierten Parkplätzen steht hier eine ein Meter fünfzig hohe schmale Plastikbox in Hellgrau. Das klassische Modell mit zwei Ladepunkten, sagt Bürgermeister François Housseau.

"Unsere Ladestation wurde schon 2010 installiert, im Rahmen des regionalen Aufbau-Programms für Stromtankstellen. Darum kümmert sich die Elektrizitäts-Gewerkschaft unseres Départements. Nun ist das Versorgungsnetz eng geknüpft. Die nächste Ladestation steht in Villeneuve-sur-Bellot, drei Kilometer entfernt. Auch Rebais, fünf Kilometer in die andere Richtung, hat aufgerüstet."

Die Installationskosten liegen bei zehntausend Euro. Die Gemeinde muss tausend Euro aufbringen, der Staat zahlt einen Zuschuss von vierzig Prozent, das Département bis zu dreißig Prozent. Die Restkosten obliegen dem Betreiber, der Elektrizitäts-Gewerkschaft des Départements. Wer bei ihr eine Abokarte für fünf Euro erwirbt, kann damit an allen regionalen Ladestationen andocken. Und sein Fahrzeug für 50 Cents komplett laden.
In Bellot zieht Bürgermeister François Housseau eine Zwischenbilanz.

"Sechs Monate nach der Installation wurden die Nutzungszahlen erhoben. Damals hatte die Anlage noch keinen einzigen Kunden. Mittlerweile aber haben sich einige im Dorf ein Elektroauto zugelegt. Und nun sieht man hier von Zeit zu Zeit Autos beim Laden."

Franzosen und Briten wollen Ende des Verbrenners bis 2040

Frankreichs Präsident Macron bei seiner Redea nlässlich des jährlichen Treffens des französischen Diplomatischen Korps im Elysée-Palast in Paris am 29.08.2017. (AFP / POOL / YOAN VALAT)Frankreichs Präsident Macron startete die Kampagne 'Make the planet great again' - und lässt Elektromobilität vorantreiben. (AFP / POOL / YOAN VALAT)

An die 110.000 E-Autos wurden landesweit zwischen 2010 und Mitte 2017 insgesamt zugelassen. Damit liegt Frankreich, neben Norwegen, europaweit an der Spitze. Am politischen Willen, den Verkehr schadstoffärmer, umweltfreundlicher zu gestalten, will Nicolas Hulot keinen Zweifel lassen. Seit Mai dieses Jahres ist er "Minister für die ökologische und solidarische Wende" – so der offizielle Titel. Bei der Vorstellung seines 'Klimaplans', Anfang Juli, gab er klare Ziele vor.

"Wir kündigen das Ende des Verkaufs von Benziner- und Dieselautos bis 2040 an.  Unser Ziel ist ehrgeizig. Aber ich bin davon überzeugt, dass dies machbar ist und dass unsere einheimischen Autobauer genügend Entwürfe in der Schublade haben, um unser Versprechen einzulösen. Schließlich geht es auch um die öffentliche Gesundheit."

Aber Hulot hat nicht nur Frankreich im Blick. Der Minister wolle sich europaweit für das Aus von Benzin- und Dieselautos einsetzen, erklärt Laurent Michel, Generaldirektor im Bereich 'Klima und Energie' im Pariser Umweltministerium.

"Wir wollen unseren europäischen Nachbarn und der EU-Kommission vorschlagen, die aktuellen Schadstoffnormen ab 2021 zu verschärfen, eventuell zum Stichdatum 2030. Die nächste Frist sollte dann 2040  sein - bis dahin sollten alle EU-Länder das Ziel 'Null-Schadstoff-Ausstoß' teilen. Damit in ganz Europa dieselben Regeln gelten."

Entschlossene Schritte und Incentives im europäischen Ausland

In London rennt Paris damit offene Türen ein, die britische Regierung hat das Ende des Verbrenners für 2040 angekündigt. Norwegen will bereits ab 2025 nur noch emissionsfreie Fahrzeuge zulassen und auch Holland und Österreich haben sich Fristen für den Abschied vom Verbrenner gesetzt.

In Frankreich versuchte schon Hulots Amtsvorgängerin, die Sozialistin Ségolène Royal, den Umstieg auf E-Autos anzukurbeln. Ihr Modell wurde im Energiewendegesetz vom Sommer 2015 festgeschrieben: Wer ein Elektroauto erwirbt, erhält vom Staat bis zu 6.000 Euro 'Öko-Bonus'. Plus weitere 4.000, wenn der Käufer dafür sein altes Dieselfahrzeug verschrotten lässt. Bis zu zehntausend Euro Zuschuss also - in Deutschland sind es maximal 4.000 Euro.  Und auch die französische Verwaltung rüstet um, sagt Laurent Michel vom Umweltministerium.

"Wir haben den Staat verpflichtet, bei der Erneuerung seines Fuhrparks zu fünfzig Prozent auf Elektrofahrzeuge zu setzen."

Paris Vorreiter beim Diesel-Ausmustern

Die Hauptstadt, Paris, hat das Dieselfahrzeug indessen schon vor geraumer Zeit abgeschrieben. Christophe Najdovski ist im Pariser Rathaus für den Bereich Verkehr zuständig.

"Das Dieselfahrzeug gehört der Vergangenheit an. Heute muss man die Energiewende planen, die das Kapitel Diesel beendet."

Bis 2020 will Paris sämtliche Dieselfahrzeuge im kommunalen Fuhrpark ausmustern, vom Dienstauto über den Lieferwagen bis zur Müllabfuhr. Bis 2025, verspricht Oberbürgermeisterin Anne Hidalgo von der sozialistischen Partei, soll der Dieselverkehr aus dem Stadtverkehr verbannt sein. In den Straßen der Seine-Kapitale sind Elektroautos inzwischen ganz alltäglich - seit der Carsharing-Dienst Autolib im Februar 2011 den Betrieb aufnahm. Mit einer reinen E-Mobil-Flotte.

Neuerdings verfügt die Seine-Kapitale auch über Umweltzonen. Diesel, die mehr als 20 Jahre alt sind, dürfen beim ersten Smogalarm in und um Paris herum nicht mehr fahren. Wird die Luft noch dicker, haben auch jüngere Diesel Fahrverbot.

Dieselfahren wird in Frankreich kostspielig gemacht

Dazu kommt: Dieselfahrer werden in Frankreich demnächst wohl noch tiefer in die Tasche greifen müssen: Die Regierung in Paris plant, in drei bis vier Jahren die Steuervorteile für Dieselkraftstoff abzuschaffen. Eine politische Maßnahme, die für Deutschland nicht in Frage kommt, wie kürzlich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt verkündete. In Frankreich trägt der neue politische Kurs beim Diesel erste Früchte: Die Zahl der Neuzulassungen von Dieselfahrzeugen sinkt sichtbar. Bei den französischen Umweltverbänden findet der Plan der Regierung entsprechend viel Zustimmung. Lorelei Limousin ist Expertin für den Bereich Mobilität bei der Nichtregierungsorganisation Reseau Action Climat, dem Klima-Aktions-Netzwerk.

"In Frankreich ist der Anteil der Dieselfahrzeuge am gesamten Fuhrpark sehr hoch. Zwar stehen wir, was den CO2-Ausstoß generell angeht, besser da als viele andere Länder, insbesondere Deutschland. Dafür aber sorgt unser Dieselpark für hohe Luftbelastung durch Feinstaub."

Frankreich, sagt Expertin Limousin, ist ein Autofahrerland. Für den Weg zur Arbeit  nutzen 75 Prozent der Bevölkerung den eigenen Wagen. Mehr als in vielen anderen EU-Staaten.

"In den meisten mittelgroßen Städten in Deutschland fahren rund 15 Prozent der Leute mit dem Rad zur Arbeit. In Frankreich sind es kaum fünf Prozent. Um die Energiewende im Personenverkehr einzuleiten, muss man also unbedingt eine Palette an Angeboten entwickeln, von Fahrgemeinschaften über öffentliche Transportmittel bis hin zu aktiver Mobilität, also zu Fuß oder mit dem Rad."

Sieben Millionen Ladepunkte bis 2030

An einer Ladestation im Zentrum von Leipzig am Augustusplatz stehen Elektroautos - ein Tesla und ein Volvo - zum "Auftanken". (picture alliance / dpa / Volkmar Heinz)Elektroautos an einer Ladestation (picture alliance / dpa / Volkmar Heinz)

Wie viel Geld der Staat dafür aufbringen will, könnte sich kommende Woche zeigen. Dann nimmt die Regierung die Verhandlungen zur Mobilitätspolitik auf. Die Basis für Gesetze, die im Januar 2018 erlassen werden sollen. Umweltschützerin Lorelei Limousin wird die Gespräche mit kritischem Blick verfolgen.

"In unserem Energiewende-Gesetz wird dem Elektroauto der Vorzug gegeben, speziell mit dem Ziel, bis 2030 insgesamt sieben Millionen Ladepunkte einzurichten. Alle bisherigen Regierungen gaben sich beim Thema E-Auto sehr proaktiv. Es ist ja bekannt, dass der Strom in Frankreich zu drei Vierteln aus Atomkraftwerken stammt. Wir wollen, dass der Ausbau der E-Mobilität Hand in Hand geht mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien."

Die nun so rasante Entwicklung beim Elektroauto in Frankreich haben nur wenige vorausgeahnt. Auch Ross Douglas wurde davon überrascht. Im Oktober veranstaltet der Südafrikaner nun zum zweiten Mal eine internationale Messe zur 'urbanen Mobilität der Zukunft'. Der jetzige Boom der E-Autos in Frankreich sei drei Faktoren zu verdanken, sagt Ross Douglas:

"Der erste war Dieselgate. Damals haben die Leute plötzlich begriffen, dass es mit dem Diesel zu Ende geht. Und dass es neue Mobilitätslösungen braucht. Bei dieser Geschichte hat die Autoindustrie ihre Unschuld verloren. Der zweite war die Ankündigung von Donald Trump, aus dem Pariser Klimavertrag auszusteigen. Nun will manche amerikanische Firma nach Europa kommen. Und der dritte Markstein wurde gesetzt, als Macron in Frankreich Staatspräsident wurde, die Kampagne 'Make the planet great again' startete und sein Umweltmister Nicolas Hulot den Diesel-Ausstieg ankündigte."

Keine Radikallösungen in Deutschland in Sicht

Von einem so radikalen Schritt kann in Deutschland keine Rede sein. Und doch sinkt die Zahl der Diesel-Neuzulassungen seit Monaten - weil die Debatte um Fahrverbote die Kunden verunsichert. Batteriebetriebene und teil-elektrische Autos werden hingegen deutlich stärker nachgefragt: Monatlich werden mehrere Tausend Fahrzeuge mehr verkauft. Der Bestand von rund 200.000 E- und Hybridautos im Januar dürfte also im Laufe des Jahres merklich ansteigen. Dem will auch die IAA in diesem Jahr gerecht werden, so VDA-Chef Matthias Wissmann:

"Wir haben eine grundlegende Veränderung vor uns. Der Benziner und der Diesel bleiben, aber die Elektromobilität wird immer stärker. Alternative Antriebe kommen auf breiter Front. Die Digitalisierung dieser Industrie geht mit großen Schritten voran. Und all das sieht man auf der IAA."

Auch Elektroautos können die Besucher der Auto-Show testfahren. Ein Teil des Außengeländes ist frei geworden – weil Audi, als Motorenentwickler für den ganzen VW-Konzern besonders gebeutelt vom Abgasskandal – sich nicht im eigenen Pavillon präsentiert, sondern bei Volkswagen unterschlüpft. Zwölf Marken haben ihren Messeauftritt gleich ganz abgesagt. Darunter auch der Elektro-Pionier Tesla. Die Autobauer müssen anders wirtschaften als früher – viele geben ihre Marketingmittel lieber für eigene Werbetouren mit neuen Modellen statt für Messen aus. Matthias Wissmann versucht es positiv zu sehen:

"Die Messe ist so gut ausgebucht wie selten. Und Gottseidank sind auch viele Start-ups da, also junge Unternehmen mit wenigen Beschäftigten, die auch dort uns herausfordern. Und ich glaube, wir brauchen diese Herausforderung. Weil einfach 'weiter so' wäre für die Lösung der großen Mobilitätsthemen der Zukunft sicher keine gute Parole."

Die deutsche Industrie gibt sich selbstsicher – mit Vollgas raus aus der Krise, rein in die elektrische und selbstfahrende Auto-Zukunft ist das neue nun ausgegebene Motto. Dabei wird die Branche auch durch die Konkurrenz getrieben, andere Länder – in Europa aber auch weltweit – haben bereits die Weichen für alternative Antriebstechniken gestellt. Die Autobauer-Nation Deutschland hingegen scheint noch immer zögerlich, wohl auch aus Sorge: Denn die Umbrüche, nicht zuletzt für den Arbeitsmarkt, könnten gravierend sein. Das weiß auch die Politik. Umfassende Rezepte dafür gibt es noch nicht. Die werden Autobauer, Gewerkschaften und Politiker unterwegs erdenken müssen.

 

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