• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 01:10 Uhr Hintergrund
StartseiteUmwelt und Verbraucher"Das ist ein Riesenüberwachungsmarkt"27.02.2017

Mobilfunk-Messe Barcelona"Das ist ein Riesenüberwachungsmarkt"

Auf der weltgrößten Mobilfunk-Messe, dem Mobile World Congress in Barcelona, dreht sich vordergründig alles um die neuesten Smartphones und den Mobilfunkstandard 5G. Doch hinter den Kulissen arbeiten einige Manager daran, ihre Konzerne auf ein vollkommen neues Fundament zu stellen, ist der Eindruck von Wissenschaftsjournalist Manfred Kloiber.

Manfred Kloiber im Gespräch mit Stefan Römermann

Die neue Version des Motorola-Smartphones Moto G, aufgenommen am Vortag des Mobile World Congress am 26. Februar 2017 in Barcelona. Foto: Andrej Sokolow//dpa | Verwendung weltweit (picture alliance / Andrej Sokolow//dpa)
Alles ist miteinander vernetzt im smart home: mit dem Smartphone lassen sich von unterwegs zum Beispiel die Rollladen steuren. (picture alliance / Andrej Sokolow//dpa)
Mehr zum Thema

Samsung Galaxy Note 7 Fehlerhafte Akkus lösten Brände aus

Mobile World Congress Barcelona Die fünfte Generation kommt

Stefan Römermann: Der Mobile World Congress ist nicht nur die größte Mobilfunkmesse der Welt, er ist auch ein Riesenmarktplatz für alle, die im sogenannten Internet der Dinge mitmischen wollen. Internet der Dinge, das ist die Idee, dass alles, was so um uns herum ist, mit Sensoren ausgestattet werden könnte und dann irgendwie miteinander vernetzt wird. Beim intelligenten Haus oder, Neudeutsch, Smart Home, da ist das jetzt schon ganz normal, die vernetzte Rollladensteuerung, die schaltbare Steckdose oder die in allen Farben leuchtende Birne, die ich dann mit dem Smartphone steuern kann, das alles gibt es jetzt schon zu kaufen. Allerdings sind es alles bisher oft Einzellösungen. Jeder Hersteller kocht da irgendwie sein eigenes Süppchen, setzt auf seinen eigenen Standard. Manfred Kloiber in Barcelona, wenn ich das richtig verstanden habe, zeigt sich, dass es jetzt dort zu Allianzen kommt, oder, Herr Kloiber?

Manfred Kloiber: Ja, das stimmt. Immer mehr Anbieter von diesen smarten Dingen haben erkannt, dass es zwar gut und schön ist, wenn sie ihr Gerät mit einer App steuern können auf dem Smartphone, aber die Leute wollen eigentlich gar keine App. Das behaupten jedenfalls hier viele Strategen, wenn sie darüber reden. Und sie sagen auch, die Leute wollen schon gar keine 20 verschiedene Apps auf ihren Smartphones von unterschiedlichen Anbietern. Deshalb scharen sich jetzt ganz viele dieser Anbieter von Smart-Home-Dingen um die großen Internetplattformen wie zum Beispiel Google oder Amazon oder Apple und deren Infrastruktur. Die wollen sie nutzen für die Steuerung dieser Dinge per Sprache und vor allem natürlich auch, um neue Geschäftsmodelle zu kreieren.

"Der nächste Schritt ist die Bilderkennung"

Römermann: Und wie sieht das dann ganz konkret aus? Können Sie das an einem Beispiel festmachen?

Kloiber: Gestern konnte ich mir zum Beispiel einen kleinen elektronischen Schlüsselanhänger ansehen. Die kosten so ungefähr das Stück 15 Euro, sind so groß wie ein Zweieurostück, und allein können die eigentlich nur zwei ganz simple Dinge, nämlich piepsen und mit dem Smartphone funken. Das ist wirklich nicht viel, aber über das Smartphone werden dann diese Dinger, diese Piepser mit der Alexa-Plattform von Amazon verbunden, und dann kann ich die Piepser ganz konkret ansprechen. Denn Kernstück dieser Plattform ist ja, dass ein Mikrofon dauernd lauscht, ob ich irgendein Kommando gebe, und wenn ich dann zum Beispiel einen dieser Piepser in meinen Rucksack packe, und den suche ich dann gerade, weil ich den im Schrank irgendwo eingeschlossen habe, dann sage ich der Spracherkennung, pieps mal den Rucksack an. Also, das Steuern und Einrichten geht dann über diese Spracherkennungsplattform. Und mit dieser Plattform wiederum können dann andere Firmen Dienstleistungen auch um meinen Rucksack und diese Piepser anbieten, die dann dazu bringt, dass man mit diesen Dingen eben halt ganz neue Geschäftsmodelle kreieren kann.

Römermann: Da geht es dann darum, dass das Internet der Dinge durch Spracherkennung und maschinelles Lernen noch irgendwie intelligenter wird, richtig?

Kloiber: Genau. Das ist die eigentliche Idee dabei, dass die großen Internetdienste zum einen eben die Plattformen haben, um solche komplexen Aufgaben wie die Spracherkennung dann zu berechnen und den einfachen Dingen zur Verfügung zu stellen. Die könnten das nie selbst machen. Und es geht gleichzeitig darum, möglichst viele Dinge überhaupt miteinander in Verbindung zu bringen, unabhängig davon, von welchem Hersteller sie denn kommen. Und noch ein Wort zur künstlichen Intelligenz: Da ist die Spracherkennung wirklich nur ein Beispiel. Der nächste Schritt ist zum Beispiel die Bilderkennung.

Römermann: Wie sieht das konkret aus?

"Das ist eine typisch deutsche Frage"

Kloiber: Ja, auch dafür ein Beispiel: Eine intelligente Babykamera konnte ich mir gestern ansehen. Die zeigt ein großer Hersteller in diesem Segment. Die überträgt nicht nur einfach das Bild aus dem Kinderzimmer auf mein Handy, damit ich da drauf gucken kann, sondern die hat auch Gesichts- und Mimikerkennung. Die Kamera stellt selbstständig fest, ob das Baby schläft oder ob es schreit, ob es lacht. Und sie kann auch feststellen, ob das Baby normal im Bett liegt. Da könnte dann die Frage an das System lauten, wirklich per Sprache eingegeben: Schläft das Baby? Und die automatisch generierte Antwort lautet dann: Tief und fest. Und die Idee, was man mit diesem Kamerabild noch alles machen kann, ja, die ist wirklich groß, und sie ist auch vielfältig. Automatisch erkennen, ob das Kind aus dem Bett fällt, Sperrbereiche in einem Raum festlegen, in den niemand rein darf, ohne Alarm auszulösen. Oder ob Hunde durch ein Zimmer laufen oder ob es Menschen sind – und, und, und. Das ist ein Riesenüberwachungsmarkt auch.

Römermann: Ja, Überwachung ist da genau das Stichwort. Gibt es denn da nicht auch das Problem, dass sich die Kunden vielleicht tatsächlich auch selbst überwacht fühlen könnten durch die Technik?

Kloiber: Herr Römermann, wenn Sie das hier fragen würden, diese Frage stellen würden, dann würden Ihnen die Produktmanager sagen, okay, Sie sind Deutscher, das ist eine typisch deutsche Frage. Einen Amerikaner würde das überhaupt nicht interessieren. Der sieht eher die persönlichen Vorteile und findet diese Sachen einfach cool.

Römermann: Unser Technikexperte Manfred Kloiber live vom Mobile World Congress in Barcelona. Vielen Dank für das Gespräch!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk