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Mögliche Rekorde

Britischer Physiker sieht größten Spielraum beim 100-Meter-Sprint

Von Volker Mrasek

Beim 100-Meter-Sprint der Männer ist noch am meisten Steigerungspotential drin.
Beim 100-Meter-Sprint der Männer ist noch am meisten Steigerungspotential drin. (AP)

Physik. - 14 Tage lang wird die Welt nach London zu den Olympischen Spielen schauen und auf Rekorde warten. Doch in welcher Sportart ist die Chance für bislang nicht gesehene Leistungen am höchsten? Ein britischer Sportingenieur hat es ausgerechnet.

"I would have to put money on the 100 meters sprint."

Er würde sein Geld auf den 100-Meter-Sprint setzen. Das antwortet Steve Haake auf die Frage, in welchen Disziplinen bei den Olympischen Spielen am ehesten mit neuen Rekorden zu rechnen sei. Haake ist Professor für Sportingenieurwesen an der Hallam University im englischen Sheffield.

"Usain Bolt!"

"Der 100-Meter-Lauf der Männer ist das spannendste Ereignis bei Olympia. Ich habe mir Rekorde und Statistiken dazu angeschaut und festgestellt: Seit 2008, als der Jamaikaner Usain Bolt auf der Bildfläche erschien, gab es eine schlagartige Leistungssteigerung in dieser Disziplin. Die 25 derzeit schnellsten Sprinter der Welt laufen alle unter zehn Sekunden."

Aber ist in dieser Disziplin wirklich noch Spielraum nach oben? 9,58 Sekunden lief Bolt 2009 in Berlin – eine Fabelzeit und aktueller Weltrekord. Geht es tatsächlich noch schneller? Der Laie kann sich das kaum vorstellen, der Hochschullehrer schon:

"Ich möchte wirklich nur ungern eine Vorhersage abgeben. Aber man kann sagen, daß wahrscheinlich noch Zeiten unter 9,4 Sekunden im 100-Meter-Sprint der Männer drin sind. Ob es 9,23 oder 9,33 sein werden – das ist sehr schwer zu sagen. Wird es mit neuen Rekordzeiten in den nächsten zehn Jahren vorbei sein? Sicher nicht! In den nächsten 20? Sicher auch noch nicht! Vielleicht wird die Leistungsgrenze in 50 Jahren erreicht sein."

Steve Haake stützt seine Aussagen auf eigene Untersuchungen und eine Formel, die der Physiker entwickelt hat. Er nennt sie Leistungssteigerungs-Index. Damit ist es möglich, den Fortschritt in den unterschiedlichsten Sportarten miteinander zu vergleichen, was gar nicht so einfach ist. Denn gemessen wird in Zeiten, Weiten und Höhen, also in unterschiedlichen Größen.

"Kommen wir noch einmal zum 100-Meter-Sprint der Männer. 1890 liefen Spitzenathleten im Schnitt elf Sekunden, heute sind es unter zehn. Das ist eine Steigerung von etwa zehn Prozent. Die Weiten von Speerwerfern dagegen sind um über 100 Prozent gestiegen. Aber können wir daraus wirklich schließen: Speerwerfer sind heute 100 Prozent besser als damals und Sprinter nur zehn Prozent? Natürlich nicht!"

Steve Haakes Leistungssteigerungs-Index überwindet dieses Problem. In seine Formel fließen nicht nur individuell Zeiten, Höhen oder Weiten ein, sondern auch andere Größen wie das Gewicht des Athleten oder der Luftwiderstand, und am Ende ergibt sich ein Maß für die Energie, die in eine sportliche Höchstleistung gesteckt worden ist – angegeben in Joule und damit vergleichbar.

So kommt der britische Forscher auch zu seiner Wette auf den 100-Meter-Sprint der Männer. Denn in dieser Disziplin betrug die Leistungssteigerung seit 1948 laut dem neuen Index lediglich zehn Prozent. Beim Stabhochsprung waren es über 20, beim Speerwurf 35 und beim 100-Meter-Freistilschwimmen der Frauen sogar mehr als 50 Prozent. Mit anderen Worten: Beim 100-Meter-Sprint der Leichtathleten sind die Rekorde noch am wenigsten ausgereizt.

"Another milestone for Bolt, who is the man for the Olympic title again."

Ein weiterer Meilenstein für Usain Bolt! So könnten die Schlagzeilen auch diesmal in London lauten. Nach dem 100-Meter-Finale werden wir wissen, ob Sportingenieur Steve Haake richtig lag – oder ob das englische Wetter dem Ausnahmesprinter vielleicht einen neuen Weltrekord verhagelt hat ...

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