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StartseiteVerbrauchertippGroße Packung, wenig Inhalt27.04.2017

MogelpackungenGroße Packung, wenig Inhalt

Ob Parfüm, Pralinen oder Cappuccino-Pulver: In vielen Produktverpackungen ist oft weniger drin, als es auf den ersten Blick scheint. Von aufwendig gestalteten Verpackungen sollten sich Käufer also nicht blenden lassen. Aber das ist nur eine Möglichkeit, Mogelpackungen zu erkennen.

Von Maike Strietholt

Blick auf ein Supermarktregal. (imago / Waldmüller)
Nicht bei jeder Verpackung kann der Käufer sofort erkennen, wie viel lnhalt sie hat. (imago / Waldmüller)
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"Wir haben beispielsweise Katzenfutter beanstandet, Backfisch, Kekse, Schokolade, Kaugummi, Würstchen, Pralinen, Babynahrung, Nudelsoßen, Herren- genauso wie Damenkosmetik."

Dr. Birgit Rehlender von der Stiftung Warentest zählt einige der "Mogelpackungen des Monats" auf, die in jedem Heft gekürt werden. Bei diesen Produkten handelt es sich um sogenannte Luftpackungen:

"Jede Mogelpackung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Verpackung einen größeren Inhalt vortäuscht. Da sind Verhältnisse festgelegt, bei Pralinen darf die Faltschachtel das Sechsfache des Pralinengewichts betragen."

Marketing versus Müllvermeidung

Solche Vorgaben macht das deutsche Eichrecht, denn eigentlich soll die Verpackung das Produkt lediglich vor Beschädigungen schützen. Für die Hersteller ist eine andere Funktion aber viel wichtiger, weiß Armin Valet von der Hamburger Verbraucherzentrale, wo jährlich mehr als 1.000 Beschwerden über Mogelpackungen eingehen:

"Ein Produkt, das sehr klein ist und voll befüllt ist, fällt natürlich im Supermarkt nicht so auf wie ein Produkt, das eine bestimmte Größe hat. Eigentlich im Gegensatz zur Verpackungsverordnung, die besagt, man sollte Müll vermeiden. Und das sind ja oft bekannte Hersteller, die Nachhaltigkeitsberichte schreiben."

Die Ressourcenverschwendung bei unnötig großen Verpackungen ist jedoch ebenso wenig nachhaltig wie der dadurch entstehende höhere Transportaufwand. Markenhersteller fallen auch im Bereich der "versteckten Preiserhöhungen" besonders negativ auf. Und das aus einem einfachen Grund – noch einmal Armin Valet:

"Gerade bei Markenprodukten, die von vielen Verbrauchern über Jahre gekauft werden, fällt es gar nicht auf – es geht nach dem Motto 'weniger drin – Preis gleich'. Hier ein Beispiel: Schokocrossies von Nestlé; Da waren mal vor fünf, sechs Jahren 200 Gramm drin. Und dann hat man das sukzessive reduziert – 180 Gramm, 160 Gramm und dann 150 Gramm. Sie sehen – von außen sieht es quasi immer gleich aus."

Augen auf bei Sondereditionen

Da Nestlé in diesem Zeitraum zusätzlich den Preis erhöhte, konnte die Firma so letztlich das Produkt mehr als 50 Prozent teurer verkaufen. Keine Seltenheit, sagt Valet – und teils arbeiteten die Firmen dabei gar mit "Ablenkungsmanövern" auf der Verpackung:

"Wenn etwas draufsteht wie 'neu' oder 'veränderte Rezeptur', das geht meistens einher mit Füllmengenreduzierungen."

Vorsicht geboten ist auch bei limitierten Sondereditionen oder Produkten für bestimmte Käufergruppen – so wie:

"Besondere Sorten, die zum Beispiel weniger Zucker beinhalten oder weniger Fett oder Vollkornvariante et cetera – dass die wohl zum gleichen Preis angeboten werden, aber dass da weniger drin ist."

Wenn wie hier die betreffenden Produkte nebeneinander im Regal stehen, hilft ein vergleichender Blick auf den Grundpreis – das ist der Preis pro 100 Gramm oder ein Kilo des Produkts, den der Handel stets ausweisen muss.

Verbraucherschutzorganisationen sammeln Beschwerden und leiten sie an die Hersteller weiter, die rechtfertigen sich teils mit gestiegenen Einkaufs- beziehungsweise Rohstoffpreisen, teils mit einer aufwendigeren Herstellung. In vielen Fällen ließen sich die genannten Gründe aber nicht nachvollziehen, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale.

Frustrierte Käufer können sich natürlich auch direkt selbst an die Markenfirmen wenden – oder an die örtlichen Eichämter, die den Beschwerden dann nachgehen.

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