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StartseiteKommentare und Themen der WocheBayer schluckt einen umstrittenen Player07.06.2018

Monsanto-ÜbernahmeBayer schluckt einen umstrittenen Player

Mit der Übernahme von Monsanto könnte sich Bayer einen Klotz ans Bein gebunden haben, kommentiert Georg Ehring. Denn die Kritik, die es jahrzehntelang an dem Geschäftsmodell des amerikanischen Agrarriesen gab, werde nicht allein durch das Weglassen des umstrittenen Namens aufhören.

Von Georg Ehring

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Bayer Logo, Feature, allgemein, Randmotiv, Bilanzpressekonferenz der Bayer AG in Leverkusen am 28.02.2018.  (imago stock&people)
Ein weiter so nach dem aus der Schokoriegel-Werbung abgeleiteten Motto "Monsanto wird Bayer – sonst ändert sich nichts" dürfe es nicht geben, findet Georg Ehring (imago stock&people)
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Für Kritiker der industrialisierten Landwirtschaft, für Bio-Bauern und Umweltschützer könnte es ein Feiertag sein: Der Feind ist weg – Monsanto verschwindet und geht auf im Bayer-Konzern. Monsanto bot jahrzehntelang die perfekte Zielscheibe für seine Kritiker: Gentechnik in der Landwirtschaft, Umweltvergiftung mit Pestiziden, Patente auf Leben, rüde Geschäftsmethoden und Auspressen von Kleinbauern – die Liste der Kritikpunkte ist lang und viele davon sind auch berechtigt.

Doch es gibt auch die andere Seite: Monsanto stand auch für eine Landwirtschaft, die seit Jahrzehnten immer höhere Erträge ermöglichte. In einer Welt, in der immer noch mehr als 800 Millionen Menschen hungern, ist das keine Kleinigkeit. Die "grüne Revolution" hat in den vergangenen 50 Jahren dazu beigetragen, dass auf den Äckern immer mehr Weizen, Reis und Mais wachsen.

Eine Voraussetzung dafür, dass Menschen die Armut überwinden und eine Entwicklung hin zum Wohlstand beginnt. Für berechtigte Kritik an den Schattenseiten ihres Geschäftsmodells hatten die Manager des US-Agrarmultis aus St. Louis deshalb auch wenig Verständnis.

Der belastete Name Monsanto wird nicht weitergeführt

Doch ein weiter so nach dem aus der Schokoriegel-Werbung abgeleiteten Motto "Monsanto wird Bayer – sonst ändert sich nichts" darf es nicht geben. In der Leverkusener Konzernzentrale scheint man der Kritik die Spitze nehmen zu wollen, denn den belasteten Namen führen die Aufkäufer nicht fort. Und Bayer-Chef Werner Baumann verspricht sogar einen offenen Dialog und ein Zugehen auf die Kritiker. Er weiß also, welches schwere Erbe er antritt.

Doch Skepsis ist angebracht: Bayer gibt sich zwar konzilianter, aber auch seine Agrarsparte setzt mit ihren Produkten wie schon Monsanto bisher auf den massiven Einsatz von Pestiziden und Düngern, um dem Boden das letzte abzupressen. Die Versuchung ist groß, diesen Weg künftig mit noch mehr Marktmacht weiter zu gehen. Für computergesteuerte Präzisions-Landwirtschaft, die mit weniger Wirkstoffen auskommt, mag der vergrößerte Bayer-Konzern Rezepte haben.

Doch die immer intensivere Landwirtschaft insgesamt ist an ihre Grenzen gestoßen. Der Versuch, gegen die Natur zu wirtschaften, kann auf Dauer nicht gut gehen. Der seit Jahrzehnten anhaltende Rückgang der Zahl der Insekten zeigt dies, auch bei Vögeln, bei vielen Säugetieren und bei Wildpflanzen sind die Trends besorgniserregend.

Ein vielfältiges Angebot an Sorten, Züchtungen für den Bio-Anbau, Ideen für den Schutz von Umwelt und Natur und nicht zuletzt der offene Dialog mit der Gesellschaft wären erforderlich, wenn ein Agrarmulti wie der vergrößerte Bayer-Konzern nach der bloßen Produktionssteigerung auch die Herausforderung einer Landwirtschaft im Einklang mit der Natur annehmen will. Monsanto wird weiterleben im Verbund des neuen Eigentümers  – und es könnte eher ein Klotz am Bein von Bayer werden als eine echte Hilfe.

Georg Ehring  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring, Jahrgang 1959, hat in Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert, später an der Fernuniversität Hagen Volkswirtschaft. Er arbeitet beim Deutschlandfunk als Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt. Berufliche Stationen zuvor waren die zentrale Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und zuvor in den 1980er Jahren freiberufliche Tätigkeit überwiegend für den WDR in Dortmund.

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