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Seit 04:00 Uhr Nachrichten
StartseiteDas FeatureMord unter Genossen16.02.2010

Mord unter Genossen

Der Krimi in der DDR

Ideologisch war der Fall klar: In einer sozialistischen Gesellschaft ist Kriminalität zum Absterben verurteilt. Schlechte Zeiten also für den Krimi in der DDR – theoretisch. Praktisch gab es kaum ein erfolgreicheres Produkt aus der heimischen Kulturproduktion: Erstauflagen der "Die-Taschenbuch-Reihe" von 100.000 waren bereits am Tag ihrer Auslieferung vergriffen, der "Polizeiruf 110" im DDR-Fernsehen erreichte Traumquoten von weit über 60 Prozent.

Von Ralph Gerstenberg und Carsten Würmann

Der Tatort, nachdem die Spurensicherung schon da war (Stock.XCHNG / Nate Nolting)
Der Tatort, nachdem die Spurensicherung schon da war (Stock.XCHNG / Nate Nolting)

Populär waren diese Krimis vor allem, weil sie bei der Aufklärung der Verbrechen einen realsozialistischen Alltag offenbarten, den das Publikum als seinen eigenen wiedererkannte. Und das schloss gesellschaftliche Unzulänglichkeiten mit ein, die in den offiziellen Selbstdarstellungen des Systems keinen Platz hatten: Wohnungsknappheit, Alkoholismus, soziale Vereinsamung, Mangelwirtschaft im Alltag und der Missbrauch von Amts- und Leitungspositionen.

Die Fahndung nach den Tätern führte in Milieus, die nicht allein durch individuelles Fehlverhalten geprägt waren, die Verbrechen verwiesen auf strukturelle Defizite.

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