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Freitag, 24.11.2017
StartseiteSpielweisen"Sowas ist sehr heikel"01.11.2017

Mozarts Requiem"Sowas ist sehr heikel"

"Wir Musiker sind alle frustriert mit dem Requiem, weil so viel Musik fehlt", sagt der Dirigent René Jacobs. Die gängige Version von Franz Xaver Süßmayr sei leider ab dem Sanctus uninteressant. Der junge Franzose Pierre Henri Dutron dagegen liege mit seiner neuen Fassung des Requiems näher bei Mozart.

René Jacobs im Gespräch mit Susann El Kassar

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Porträt in Öl des österreichischen Komponisten, der am 27. Januar 1756 in Salzburg geboren wurde und am 5. Dezember 1791 in Wien verstarb. Barbara Kraft malte dieses Bild nach Mozarts Tod im Jahre 1819. Trotzdem gilt dieses Porträt in Fachkreisen als das dem Komponisten am ähnlichsten, auch nach Meinung von Mozarts Schwester "Nannerl" (Maria Anna). Diese Aufnahme ist undatiert. (picture-alliance / dpa)
Ein Porträt von Wolfgang Amadeus Mozart, gemalt nach dessen Tod 1791. (picture-alliance / dpa)

Nur den ersten Satz Introitus hat Wolfgang Amadeus Mozart 1791 komplett fertiggstellt, alle anderen Sätze seines Requiems d-Moll KV 626 sind ein Fragment aus Chorstimmen und einzelnen Takten der Orchesterinstrumente. Nach Mozarts Tod hat der Komponist Franz Xaver Süßmayr die Komposition so gut es ging und in Eile weitergeschrieben. Heute zählt das Requiem trotzdem zu Mozarts beliebtesten Werken.

Schon als Kind im Knabenchor habe er gespürt, dass die Musik ab dem Sanctus uninteressant sei, sagt der Dirigent René Jacobs. Ab diesem Teil musste sich Süßmayr eigenständig überlegen, wie er Mozarts Fragment vervollständigt. Aber Jacobs wollte gerne eine Aufnahme des Requiems machen und durch Zufall sei zu dieser Zeit "ein junger, schüchterner Mann", Pierre Henri Dutron, zu ihm gekommen und habe ihm von seinem Plan erzählt, eine neue Fassung des Mozarts Requiems zu versuchen. Jacobs schaute sich Dutrons erste Bearbeitungen an und ließ sich auf das Experiment ein.

Süßmayr Remade

Im Gegensatz zu Süßmayr habe Dutron Rücksicht auf die dunkle Instrumentierung des Requiems genommen. Und der junge Franzose hat die ursprüngliche Quelle, Mozarts Autografen zum Requiem, gründlich studiert. Dabei sei ihm beispielsweise im Tuba Mirum eine Streicherfigur aufgefallen, die Mozart im letzten Takt des Satzes notiert hat, und die sich als Begleitungsfigur sehr gut eigne.

Pierre Henri Dutron hat zwei Fassungen erstellt. Eine, in der er sich an Süßmayrs Ergänzungen orientiert und eine andere, in der er sich ganz von diesen loslöst. René Jacobs hat sich für die CD-Produktion für "Süßmayr Remade" entschieden, weil Dutron in dieser Version so demütig wie möglich bei Süßmayr bleibe, diesen aber "sehr und stark verbessert". Für Jacobs ist das interessanter als eine Fassung, in der der Ergänzer zu weit gehen und "die Sünde von Hybris begehen" könne. So sei es schon anderen Bearbeitern des Requiems ergangen, erklärt Jacobs.

Mozarts Requiem: Süßmayr / Dutron 2016 completion
Sophie Karthäuser, Sopran
Marie-Claude Chappuis, Alt
Maximilian Schmitt, Tenor
Johannes Weisser, Bass
RIAS Kammerchor
Freiburger Barockorchester
René Jacobs, Leitung

harmonia mundi LC 7045
3149020229125

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