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StartseiteForschung aktuellForscher wollen Malariaausbruch vorhersagen06.02.2015

Mücken unter BeobachtungForscher wollen Malariaausbruch vorhersagen

300 bis 500 Millionen Menschen leiden weltweit an Malaria. Jedes Jahr sterben etwa 1 Million Betroffene - in erster Linie in den armen Länder Afrikas, Asiens und Südamerikas, in denen es oft an Medikamenten, Insektiziden und Prophylaxe fehlt. Amerikanische Forscher entwickeln zurzeit Methoden, um Krankheitsausbrüche vorhersagen zu können.

Von Monika Seynsche

Zwei Frauen warten mit ihren Babys auf ärztliche Behandlung in Ruanda (AFP / Shannon Jensen)
Statt Bettnetze und Insektizide flächendeckend zu verteilen, sei es sinnvoller, sie gezielt dort auszugeben, wo der nächste Malaria-Ausbruch erwartet werde, sagen Forscher. (AFP / Shannon Jensen)
Weiterführende Information

Malaria-Überträger - Wo steckt Anopheles in der Trockenzeit?
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 06.01.2015)

Insektenschutz - Herr der Mücken
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 10.07.2014)

Forschung - Vom Kampf gegen vernachlässigte Krankheiten
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 30.01.2014)

Malaria-Impfung - Medikamente aus Afrika für Afrika
(Deutschlandfunk, Sprechstunde, 24.12.2013)

Der Italiener Pietro Ceccato ist in Belgien aufgewachsen und hat lange für den Deutschen Entwicklungsdienst in Afrika gearbeitet. Heute lebt er in den USA und forscht an der Columbia University in New York. Sein Studienobjekt: Klima und Krankheiten in Afrika.

"Wir untersuchen Umweltbedingungen, die die Entwicklung der Malariamücken begünstigen. Wir schauen uns also den Niederschlag an, die Temperatur, die Verteilung von stehendem Wasser, in dem die Anopheles-Mücken brüten können. Dafür nutzen wir Fernerkundungsdaten. Mithilfe von Satellitenbildern können wir die Bedingungen in Echtzeit verfolgen, wir sehen also, wo es gerade feuchter und wo es trockener als gewöhnlich ist. Beides beeinflusst die Entwicklung der Mücken und damit die Übertragung von Malaria. So können wir dank der Satelliten vorhersagen, wann es zu einem Ausbruch der Krankheit kommen wird."

Begrenzte Hilfe gezielter einsetzen

Die Ausbrüche der nächsten zwei bis drei Monate kann Pietro Ceccato damit vorhersagen. Die Ergebnisse seiner Arbeit sollen den Gesundheitsbehörden der betroffenen Länder helfen. Statt Bettnetze und Insektizide flächendeckend zu verteilen, sei es sinnvoller, sie gezielt dort auszugeben, wo der nächste Malaria-Ausbruch erwartet werde, sagt der Forscher. So ließen sich die begrenzten Mittel der Behörden und Hilfsorganisationen effizienter nutzen.

"Wir interessieren uns auch für andere Krankheiten, wie etwa die Schlafkrankheit. Diese wird durch die Tsetse-Fliege übertragen und trifft sowohl Tiere als auch Menschen. Auch da überwachen wir die Umweltbedingungen, schauen also, wann sich die Fliegen stark vermehren und die Krankheit übertragen. Das ist ein besonderes Problem für die afrikanischen Nomaden mit ihren Viehherden. Ein Großteil unserer Arbeit besteht deshalb darin, die Satellitendaten so aufzubereiten, dass sie auch von Laien interpretiert werden können. Dann stellen wir sie den Gesundheitsbehörden und anderen Entscheidungsträgern zur Verfügung. Bei den Massai etwa haben die Stammesführer Smartphones und können jetzt sehen, wo das Niederschlagsrisiko besonders hoch ist oder wo stehende Gewässer und damit Tsetse-Fliegen sind. Sie können unsere Informationen also nutzen um zu entscheiden, wohin sie ihre Herden führen sollen."

Ausbruchsvorhersage schon sehr zuverlässig

Für Malaria und Schlafkrankheit funktioniert die Ausbruchsvorhersage schon sehr zuverlässig. Bei anderen Krankheiten ist das schwieriger. Pietro Ceccatos Mitarbeiter Andrew Kruczkiewicz arbeitet zurzeit daran, Ausbrüche von Kala-Azar im Südsudan vorhersagen zu können. Diese Form der Leishmaniose gehört zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten und kann unbehandelt zum Tod führen. Übertragen wird sie von Sandmücken, die trockene Risse und Spalten im Erdreich für die Eiablage nutzen. Dementsprechend steigt das Krankheitsrisiko mit zunehmender Trockenheit. Überschwemmungen dagegen senken die Gefahr eines Kala-Azar-Ausbruchs.

"Die Inkubationszeit ist sehr variabel, zwischen sechs und neun Monaten. Das macht es sehr schwer, die Umweltbedingungen zum Zeitpunkt der Infektion mit den Krankheitsfällen später im Jahr in Verbindung zu bringen. Normalerweise treten zwischen September und Dezember besonders viele Kala-Azar-Fälle auf. Wenn wir herausfinden wollen, ob es einen Zusammenhang zwischen den Temperaturen, dem Regenfall und diesen Krankheitsausbrüchen gibt, müssen wir uns also anschauen, wie die Umweltbedingungen zwischen März und Juni waren. Nur dann können wir sehen, ob es da eine Verbindung gibt."

Satellitendaten zum Niederschlag

Andrew Kruczkiewicz nutzt für seine Arbeit Satellitendaten zum Niederschlag und solche, die Überschwemmungen anzeigen. Gerade die sollten seiner Hoffnung nach auf einen Rückgang von Kala Azar Fällen hindeuten. Im nächsten Schritt sollen dann auch seine Daten den lokalen Behörden helfen, sich auf bevorstehende Ausbrüche vorzubereiten.

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