Samstag, 16.12.2017
StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Abdankung ist ein Geschenk21.11.2017

Mugabes RücktrittDie Abdankung ist ein Geschenk

Die Menschen hätten nach der Abdankung des Langzeitdespoten Robert Mugabe zu Recht in Simbabwe auf den Straßen getanzt, kommentiert Oliver Ramme im Dlf. Doch vom Machtzirkel in Harare sei nicht zu erwarten, dass er sich plötzlich auf demokratische Werte einlasse. Deshalb müssten die Simbabwer nun ihre Forderungen einbringen.

Von Oliver Ramme

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Demonstranten in Simbabwes Hauptstadt Harare halten Plakate hoch, auf denen sie den Rücktritt von Präsident Mugabe fordern. (AFP )
Die einstigen Demonstranten in Simbabwes Hauptstadt Harare haben jetzt allen Grund zu feiern (AFP )
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Robert Mugabe ist also Geschichte in Simbabwe. Das Ende verlief kurz und schmerzlos. Es gab keine Toten und Verletzen. Die Menschen tanzen zu Recht auf den Straßen Harares, weil sie froh sind, ihren senilen Langzeitdespoten endlich los zu sein. Das alles sind gute Nachrichten!

Vor zwei Wochen tanzte noch niemand. Zu groß war die Angst vor Mugabe und seinem Machtapparat. Dass der längst nicht mehr intakt war, das zeigt nun das schnelle Ende des alten Mannes.

Der 93-Jährige war schon seit Jahren weltfremd, fast ein Clown, dazu gibt es unzählige Belege. Schauen wir uns einfach seine Interviews und Reden an. Die Beweislast ist erdrückend! Dass Mugabe sein Land nicht mehr voranbrachte, dazu genügt ein Blick auf die Inflationsrate Simbabwes. Höher ist nur der Himmel. Mugabe hat auch - und das ist das schlimmste Vermächtnis - die politische Gesellschaft Simbabwes nachhaltig verdorben. Wenn der oberste Chef eines Landes Diktator, Lügner, Ignorant und Mörder in Personalunion ist - und sich damit fast vier Jahrzehnte an der Macht halten kann - heißt dass, das aus dem Machtzirkel nun Engelchen hergehen?

Von den Nachfolgern ist wenig zu erwarten

Mugabe war einst Lehrer. Gelehrt hat er in den letzten Jahrzehnten aber nur eines: Machtmissbrauch. Mugabe war ein grausamer Lehrmeister. Was ist also von seinen Nachfolgern zu erwarten? Wahrscheinlich nicht viel. Und das ist die schlechte Nachricht.

Emmerson Mnangagwa, sein Spitzname ist Krokodil, wird Mugabe wahrscheinlich beerben. Mnangagwa ist sein langjähriger Weggefährte, zuletzt Vizepräsident Simbabwes. Von Mugabe wurde er kürzlich noch verscheucht - jetzt ist er wieder da! Ob Mnangagwa im Sinne der verarmten Bevölkerung handelt?  

Demokratie ist ein steiniger, zäher Prozess. Es dauert lange, zu verstehen, welche Vorteile Meinungsfreiheit, Pluralismus und Selbstbestimmung haben. Das Politbüro in Harare wird sich darauf kaum einlassen. Die neuen Herren werden sich vielmehr um sich selber drehen und - wie üblich - tüchtig ihre eigenen Leute versorgen.

Die Simbabwer sind nun aufgerufen, den politischen Wechsel kritisch zu verfolgen. Die Abdankung Mugabes ist ein Geschenk, dass sie nicht blutig erkämpfen mussten.

Die Menschen müssen - gleich nach dem Feiern - ihre Forderungen einbringen. Und zeigen, dass es in Zukunft nur noch um sie gehen soll. Wenn das gelänge - das wäre dann eine phantastische Nachricht.

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