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StartseiteCorsoMusikalische Artenvielfalt07.09.2013

Musikalische Artenvielfalt

Das neue Album "Smilewound" von Mum

Mum aus Island sind eine Band, die sich so leicht kein Klischee überstülpen lassen. Seit gut 15 Jahren gibt es die Gruppe, sieben Alben sind in dieser Zeit erschienen - und keines gleicht dem anderen.

Von Luigi Lauer

Island scheint der ideale Ort zu sein für eine Band wie Mum. (picture alliance / dpa / Christine König)
Island scheint der ideale Ort zu sein für eine Band wie Mum. (picture alliance / dpa / Christine König)

Wie man diese Band auch wendet und dreht, das Gegenteil wird immer gleich mitgeliefert. Elektronische Spielereien treffen auf akustische Instrumente, hittaugliche Refrains werden von rumpelnder Perkussion niedergemacht, engelsgleicher Gesang wird mit Klängen unterlegt, die auch die Apokalypse treffend beschallen könnten.

Feuer und Eis, ewiger Tag und nicht endende Nacht, uralte Traditionen und modernste Technik - Island scheint der ideale Ort zu sein für eine Band wie Mum. Oder ist ein Land wie Island gar die Voraussetzung für solch musikalische Artenvielfalt?

"Ich würde uns und unsere Musik nicht als isländisch definieren, auch nicht auf die Gefahr hin, dass ich mich irre."

Sagt Gunnar Tynes, einer der zwei Köpfe von Mum. Und weiter:

"Wer nicht weiß, dass wir aus Island stammen, würde der uns dort einsortieren? Vor einem halben Jahr trafen wir Brian Eno auf einem Festival in Norwegen und er hielt uns für eine brasilianische Band. Er hatte mal in Brasilien einen Stapel CDs bekommen, darunter waren wohl welche von uns, warum auch immer. Und über Jahre hielt er uns für Brasilianer."

Bei Brasilien funktionieren meistens noch die Klischees. Aus jedem Samba schallen sie uns entgegen. Da muss es doch eigentlich auch irgendetwas mit Island geben, das eine Identifizierung ermöglicht? Gunnar Örn Tynes:

"Es ist schwierig für mich, die Verbindung herzustellen. Es geht mir wie einer Ameise auf dem Rücken eines Elefanten, sie weiß nicht, wo sie ist, weil sie zu nahe dran ist, sie sieht es nicht. An Island liebe ich den Kontrast zwischen den dunklen Wintern und den hellen Sommern. Das beeinflusst mich auch. Im Sommer bin ich nach fünf Stunden Schlaf erfrischend ausgeruht, während die Winter sehr gemütlich sind, man bleibt zu Hause. Wenn man sich fragt, was Musik beeinflusst, dann akkumulieren so viele Dinge. Natur gehört ganz sicher dazu, aber das wird auch gerne romantisiert."

Wo die Musik von Mum schon nicht sicher einzunorden ist, kann man wohl auch nicht erwarten, dass die Band einzuordnen ist. Jetzt mal überhaupt - also stilistisch. Gunnar Örn Tynes:

"Wir definieren unsere Musik nicht nach einer bestimmten Richtung, und vielleicht wechseln wir sie schon deshalb. Schon von einem Lied zum nächsten findet man bei uns ein anderes Genre oder einen anderen Stil. Genau das finden wir gut, nicht in Schubladen zu passen."

Wer nach all dem noch eine erhellende Antwort auf die Frage erwartet, was denn der Bandname Mum bedeutet, nämlich gar nichts, was die an Fäden hängenden Zähne auf dem Cover uns sagen wollen, während das erste Lied übersetzt Zahnräder heißt, oder auch nur der Albumtitel Smilewound, Lachwunde, wer also jetzt noch Klarheit erwartet ... Ach, Sie wissen schon. Gunnar Örn Tynes:

"Es gibt keine konkrete Bedeutung für Smilewound. Die Vorstellung, die sich bei mir einstellt, ist die: Man trifft alte Freunde, die man lange nicht gesehen hat, man verbringt eine Nacht zusammen, trinkt vielleicht etwas, und man lacht derart, dass einem am nächsten Tag alles wehtut. Das ist für mich Smilewound. Aber es kann auch einfach alles Mögliche sein."

Überhaupt scheint bei Mum immer alles möglich zu sein. Das gilt, man ahnt es ohnehin, auch für die Texte. Die schreibt der zweite Kopf von Mum, Örvar Smarason, der die Menschen gerne verwirrt, in dem er Gewalt und Zuckersüßes nebeneinanderstellt.

Als wäre die Ungreifbarkeit von Mum nicht schon kompliziert genug, taucht auf dem letzten Lied des Albums auch noch Kylie Minogue auf, die Popikone aus Melbourne. Island, Australien - auch wieder so ein Ding. Die Zusammenarbeit entstand zufällig bei den Arbeiten an dem Soundtrack für den Film "Jack & Diane": eine Mischung aus einem romantischen Liebesdrama zwischen zwei jungen lesbischen Frauen und einem Horrorfilm. Und da kann man nun inzwischen wirklich sagen: Passt schon.


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