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StartseiteKultur heuteMusikalischer Glanz mit Stars10.06.2013

Musikalischer Glanz mit Stars

Paul Abrahams Operette "Ball im Savoy" an der Komischen Oper in Berlin

Große Unterhaltungskultur und Spaß am Leben - auch das gehörte zum jüdischen Berlin der Weimarer Republik. Die Operette "Ball im Savoy" des Ungarn Paul Abraham war ein Beispiel dafür und wurde 1932 uraufgeführt. An der Komischen Oper hat Intendant Barrie Kosky das Stück jetzt neu inszeniert.

Von Jan Brachmann

"Ball im Savoy" - Kosky lässt zur wirklich großartigen Musik von Paul Abraham eine gut getimte Komödie spielen (picture alliance / dpa / Nicolas Armer)
"Ball im Savoy" - Kosky lässt zur wirklich großartigen Musik von Paul Abraham eine gut getimte Komödie spielen (picture alliance / dpa / Nicolas Armer)

Der Boulevard als Paradestraße erotischer Verabredungen, Flanieren im Marschtakt mit Jazz-Synkopen – das ist Berlin um 1930. Mögen Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda im Libretto zu "Ball im Savoy" auch Nizza als Spielort angegeben haben, so ist das ganze Stück doch mit seinen Bigband-Klängen und der Figur der Jazz-Komponistin Daisy Darlington eine Huldigung an jene Stadt, die bereits zur Kaiserzeit als Europas Chicago galt. Paul Abraham, ein Ungar jüdischer Herkunft, feierte hier zum Ende der Weimarer Republik mit seiner Musik Triumphe. "Ball im Savoy" war sein letzter. Die Operette hatte am 23. Dezember 1932 Premiere im Großen Schauspielhaus am Schiffbauerdamm. Einen Monat später übernahmen die Nationalsozialisten die Macht. Paul Abraham verließ das Land. Seine Musik auch.

Barrie Kosky hat das Stück jetzt an der Komischen Oper Berlin inszeniert, wo er seit einem Jahr als Intendant arbeitet. Bevor er sein Amt übernahm, hatte er erklärt, dass die Komische Oper für ihn nicht nur das Haus des realistischen Musiktheaters von Walter Felsenstein sei, sondern auch das glanzvoller Unterhaltungskünstler wie Fritzi Massary und Richard Tauber. Vor dem Zweiten Weltkrieg nämlich brachte das Metropoltheater an gleicher Stelle Operetten und Revuen heraus. "Die jüdische Geschichte von Berlin", so formulierte Kosky es vor zwei Jahren, "ist nicht nur die von toten Juden im Konzentrationslager, sondern auch die von großer Unterhaltungskultur und Spaß am Leben". Auch wenn man einwenden muss, dass diese Unterhaltungskultur so spezifisch jüdisch gar nicht war und auch auf nicht-jüdischer Seite ihre Könner hervorbrachte, so sind der Schwung und die Großzügigkeit doch sympathisch, mit denen Kosky jetzt an der Komischen Oper vermehrt in der Unterhaltung die Kunst sucht. Für ein großstädtisches Publikum und für internationale Gäste macht er sein Haus damit auf spektakuläre Weise attraktiv.

Nach einigen konzertanten Produktionen ist "Ball im Savoy", mit über hundert Mitwirkenden, nun das erste Beispiel einer szenischen Umsetzung. Sie geizt nicht an musikalischem Glanz mit den Stars des Genres wie Dagmar Manzel, Katharine Mehrling und Helmut Baumann. Das Orchester unter der Leitung des Jazz-Experten Adam Benzwi spielt dazu mit luxuriöser Eleganz. Klaus Grünbergs Bühne und die Kostüme von Esther Bialas sind allerdings eher grell. Es gibt viel Seidentüll-Vorhänge, blinkende Revuetreppen und einen Hotel-Lift im Dauerbetrieb. Dazwischen springen oft Ballett-Tänzer umher in fleischfarbenen Anzügen, auf denen die Geschlechtsmerkmale mit glitzernden Pailletten betont werden. Aber Kosky lässt zur wirklich großartigen Musik von Paul Abraham gut getimte Komödie spielen: nicht muffig, nicht behäbig, auf familienverträgliche Weise lustig. Selbst wenn am Ende dabei nicht mehr als eine opulente Harmlosigkeit herauskommt, darf auch dies als Kunst eigenen Ranges gelten. Und auf das quirlige Treiben streut Dagmar Manzel, begleitet von Adam Benzwi am Klavier, dann und wann noch etwas Melancholie wie Puderzucker auf den Gugelhupf.

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