Seit 04:05 Uhr Radionacht Information
 
  • Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 04:05 Uhr Radionacht Information
StartseiteCorso"Die Deutschen haben ein verkrampftes Verhältnis zu sich selbst"16.02.2016

Musiker Heinz-Rudolf-Kunze"Die Deutschen haben ein verkrampftes Verhältnis zu sich selbst"

Mit seinem Song "Dein ist mein ganzes Herz" gelang ihm 1985 der Durchbruch. Seitdem hat Heinz-Rudolf Kunze 25 Studioalbem veröffentlicht. Im Corso-Gespräch spricht er über seine Hassliebe zu Deutschland und warum er findet, dass Religion privatisiert werden müsste.

Heinz-Rudolf Kunze im Gespräch mit Adalbert Siniawski

Heinz Rudolf Kunze im Studiogespräch. (Deutschlandradio / Ellen Wilke)
Heinz Rudolf Kunze im Studiogespräch. (Deutschlandradio / Ellen Wilke)
Mehr zum Thema

Deutsche Popmusik Der Musiker Heinz Rudolf Kunze im Gespräch

Wenn jeder in seinem "stillen Kämmerchen" seine Religion ausüben würde, gäbe es keine Möglichkeit für Fanatismus, meint Kunze. "Damit könnte man mal ein bisschen Druck aus dem Kessel nehmen." Das sei jedoch ein frommer Wunsch, von dem er wüsste, dass er nicht in Erfüllung gehen werde: "Die Religionen wollen nicht auf ihre Schäfchen verzichten."

Zu Deutschland verbindet Kunze eine Hassliebe, aber: "Die Zugeneigtheit überwiegt." Er könne sich nicht vorstellen, am Mittelmeer zu leben: "Ich brauche die deutsche Sprache um mich, das Lebensgefühl, vielleicht auch das schlechte Wetter - ich hänge schon an dem Land." Dass man sich als Künstler aber an seinem Land reibe, sei eine "Berufskrankheit". Er reibe sich vor allem an der deutschen Geschichte, "der Schuld des letzten Jahrhunderts". Die Deutschen hätten ein Problem mit ihrer Identität: "Sie haben ein verkrampftes Verhältnis zu sich selbst." Schon der Titel seines neuen Albums "Deutschland" habe eine provokante Note. 

Das Glück nicht in großen Utopien suchen

Seinem anstehenden 60. Geburtstag sieht er gelassen entgegen: "Das Thema Alter habe ich schon lange abgearbeitet - auch wenn ein Nullergeburtstag ein besonderes Gewicht hat." Wenn man älter werde, mache man sich Gedanken darüber, dass man jeden Tag nutzen sollte und seine Ansprüche runterschrauben müsse. "Man muss das Glück und Gelingen nicht nur in den großen Utopien suchen - da sucht man sich nämlich einen Wolf. Das Glück kann man auch im Kleinen finden." Er versuche sich mit einem Satz seines Gitarristen zu trösten: "Don't worry about getting old - it's better than the alternative."

Das gesamte Gespräch mit Heinz-Rudolf Kunze können Sie mindestens sechs Monate in unserer Mediathek nachhören.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk