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StartseiteLied- und Folkgeschichte(n)Transatlantische Folkforschung 02.06.2017

Musikerin Rhiannon GiddensTransatlantische Folkforschung

Angefangen hat Rhiannon Giddens mit der Gruppe Carolina Chocolate Drops und der Absicht, die Tradition der afro-amerikanischen Stringbands wiederzubeleben. Mittlerweile widmet sich die ausgebildete Opernsängerin verstärkt europäischen Folktraditionen wie der Mouth Music und thematisiert die Perspektiven von Künstlern diesseits und jenseits des Atlantiks.

Von Michael Frank

Die Musikerin Rhiannon Giddens steht auf einer Bühne am Mikrofon und singt (Jörg M. Unger)
Von der Oper zum Folk: Rhiannon Giddens (Jörg M. Unger)

"Ich habe immer schon gesungen: zusammen mit meinem Vater, meiner Schwester, meiner Mutter und meine Tante singt auch. Viele in meiner Familie sind sehr musikalisch. An eine Karriere als Sängerin habe ich eigentlich erst während der Highschool-Zeit gedacht. Ich war auf einer Schule für Mathematik und Naturwissenschaften, und da habe ich dann gemerkt, dass ich mir meinen Lebensunterhalt lieber mit Singen verdienen wollte."

Rhiannon Giddens ist inzwischen weit mehr als nur Sängerin: Sie spielt meisterhaft Geige und Banjo, schreibt ihre eigenen Songs und erforscht mit großer Akribie die Wurzeln ihrer Musik zwischen afro-amerikanischer und keltischer Tradition.

Musik: "Julie"- Rhiannon Giddens

Veröffentlicht wurde der Song "Julie" auf Rhiannon Giddens zweitem Solo-Album "Freedom Highway", das im Februar 2017 erschienen ist.

Rassismus in den USA ist nicht vorbei

"Freedom Highway" ist ein Lied-Zyklus über die fortwirkende Geschichte von Sklaverei, Segregation, Bürgerrechtsbewegung und Rassismus in den USA - von der Unterdrückung im 19. Jahrhundert, über den Anschlag auf eine Baptistenkirche in den 60er Jahren bis hin zu aktueller Polizeigewalt gegen Afro-Amerikaner. Rhiannon Giddens ist alleinige oder Co-Autorin der meisten Lieder. Ihr Song "Julie" basiert auf einer Geschichte aus dem Buch "The Slaves' War", in dem der Historiker Andrew Ward zeitgenössische Berichte aus den Jahren des Bürgerkriegs in den USA zusammengetragen hat. Der Song handelt von einem Gespräch zwischen der Frau eines Plantagenbesitzers und einem versklavten Dienstmädchen kurz bevor die Soldaten der Nordstaaten eintreffen.

"Diese Geschichte hat mich tief berührt. Die Herrin bittet die Sklavin, den Silberschatz zu verstecken. Damals wurden die Wertsachen der Plantagenbesitzer oft in den Hütten der Sklaven versteckt in der Hoffnung, dass die Soldaten der Nordstaaten-Armee sie in Ruhe lassen würden. Manchmal war das auch so, aber nicht immer. Die Herrin bittet also die Sklavin, das Tafelsilber zu verstecken und den Soldaten zu sagen, dass es ihr gehöre. Und die Sklavin antwortet: ‚Das ist noch nicht mal gelogen, Du hast ja drei meiner Kinder dafür verkauft.‘ Das hat mich zutiefst erschüttert.

"Das Riff auf dem Banjo steckte einfach im Instrument"

Der Song flog buchstäblich aus meinem Banjo heraus. Es gibt Songs, die ich erschaffe, und solche, die durch mich hindurchströmen. Dieser Song ‚Julie‘ war der erste der Suite mit Sklavengeschichten, und ich beanspruche wirklich nicht, dass da irgendetwas von mir stammt nicht mal der Titel. Und das Riff auf dem Banjo steckte einfach in dem Instrument."

Rhiannon Giddens wurde 1977 in der Stadt Greensboro in North Carolina geboren. Eigene Songs schreibt sie erst seit 2010. Bis dahin hatte sie sich auf die Interpretation von Liedern aus dem keltischen und amerikanischen Kulturerbe konzentriert: Folk, Country, Blues und Gospel. Die Suche nach den Ursprüngen dieser Musik führte sie über den Atlantik nach Europa und Afrika. Dabei begann Ihre Karriere als Musikerin in der Klassik. Sie studierte am renommierten Oberlin College in Ohio fünf Jahre lang Operngesang.

Eine Opernausbildung lehrt Geduld beim Üben

"Ich hatte oft Alpträume, dass ich meinen Text vergesse. Ich habe mich dann mental intensiv auf die Rollen vorbereitet, habe mir vieles visuell vorgestellt, bin z. B. den ersten Akt einer Oper durchgegangen in Gedanken, damit ich meine Stimme nicht zu sehr beanspruchte. Das hat mir bei all dem, was dann noch kam, sehr geholfen. Als ich später Geige oder Banjo spielen lernte, hatte ich einfach genug Geduld beim Üben, weil ich schon wusste, wie lange es dauert, etwas Neues zu lernen.

Diese Opernausbildung hat mir ganz viel gebracht: Wenn man sowas hinkriegt, kann man alles schaffen. Es ist wirklich ganz große Kunst, einfach wunderbar, und ich vermisse das sehr. Aber ich müsste viel zu viel aufgeben, um wieder eine Oper singen zu können. Aber ich kann ja einen klassischen Liederabend geben, und ich habe auch schon mit Symphonie-Orchestern gesungen. Damit muss ich mich halt zufrieden geben."

Musik: "Mouth Music” - Rhiannon Giddens

"In meinem Stück ‚Mouth Music‘ gibt es keine Pausen, um richtig tief einzuatmen. Man kann zwischen den Zeilen immer nur kurz Luft schnappen, und die Leute fragen mich: Wie machst Du das bloß? Na, ich hab' halt richtig atmen gelernt, und, wie ich den Luftstrom kontrollieren kann. Ich weiß, wie weit ich mit meiner Stimme gehen kann.

"Es gibt Dinge, die lasse ich einfach"

Ich merke, wann ich müde werde, und dann weiß ich auch, wie ich mich zurücknehmen kann. Man braucht diese Erfahrung, um in der Lage zu sein, jeden Abend Jazz zu singen, dann Blues, dann einen Field Holler und dann ein keltisches Lied. Man muss seine Grenzen kennen. Und es gibt Dinge, die lasse ich einfach. Die wären nicht gesund für mich. Ich will die anderen Klangfarben meiner Stimme durch so etwas nicht aufs Spiel setzen."

Aber trotzdem hört man bei Konzerten auch raue und kratzige Töne aus ihrer Kehle.

"Ich suche mir solche Momente ganz bewusst aus. Manchmal singe ich z.B. mit so einem Knurren in der Stimme wie Bessie Smith, aber ich versuche das nur an den Stellen einzusetzen, wo es am wirkungsvollsten ist. Wenn ich das zu oft mache, bin ich danach total erschöpft. Wenn Du eine Oper singt, bist Du zu 80 Prozent mit Deinem Körper in der Rolle drin und zu zwanzig Prozent stehst Du daneben und kontrollierst das Ganze. Du kannst Dich nicht ganz dem Augenblick hingeben, weil so viele handwerkliche Dinge zu beachten sind. Ich nutze diese Methode auch ein bisschen, wenn ich Folk, Blues und sowas singe, das hilft mir sehr."

Musik:”‘Siomadh rud tha dhìthorm /Ciamar a ni mi´n dannsa direach” - Rhiannon Giddens

Die Mouth Music ist eine schottisch-gälische Musiktradition. In den Texten werden vor allem Wörter mit perkussivem Klang untergebracht, damit sich gut dazu tanzen lässt. Wie immer, wenn Rhiannon Giddens sich für etwas begeistert, studierte sie auch die gälische Musik ganz genau. Sie überquerte dafür sogar den Atlantik, um in Schottland von den traditionellen Sängerinnen und Sängern zu lernen. Ähnlich enthusiastisch und wissbegierig war sie auch, als sie nach fünfjährigem Studium desOperngesangs eine ganz andere Musik für sich entdeckte: Old-Time Music, die Vorläuferin der Country-Musik.

Dom Flemons, Rhiannon Giddens und Justin Robinson alias "Carolina Chocolate" bekommen einen Grammy für das beste traditionelle Folk-Album; Aufnahme vom Februar 2011 (picture alliance / dpa)Dom Flemons, Rhiannon Giddens und Justin Robinson alias “Carolina Chocolate” bekommen einen Grammy für das beste traditionelle Folk-Album; Aufnahme vom Februar 2011 (picture alliance / dpa)

Zusammen mit anderen Old-Time Music Fans gründete Rhiannon Giddens 2005 die Carolina Chocolate Drops. Rhiannon Giddens sang in der Band und spielte Geige und Banjo. Mit wechselnden Mitgliedern machte die Band die Tradition der afro-amerikanischen Stringbands des 19. und 20 Jahrhunderts wieder lebendig. 2010 gewannen die Carolina Chocolate Drops sogar einen Grammy für das beste traditionelle Folk-Album. Harte Arbeit lag da hinter Rhiannon Giddens. Sie hatte sich neben Geige und dem modernen Banjo mit Bünden auch das bundlose "Minstrel Banjo" aus der afro-amerikanischen Musiktradition beigebracht.

"Mein Instrument ist der Nachbau eines Banjos aus dem Jahr 1858. Die Saiten waren ursprünglich aus Naturdarm, was bedeutet, dass die Saitenspannung viel geringer ist. Und deshalb spielt man darauf auch ganz anders. Ich habe mir also ein paar Lehrbücher aus dem Jahr 1855 besorgt und jahrelang die Spieltechniken geübt. Die rechte Hand schlägt die Saiten anders an, und die Länge des Griffbretts ist auch ganz anders als bei den modernen Banjos. Du musst einfach üben, und erstmal die Stücke ganz langsam spielen. Mein Motto war immer: Wenn Du es nicht richtig hinbekommst, spiel es langsamer, und dann schaffst Du es auch schneller."

Musik: "Following the North Star” - Rhiannon Giddens

Das bundlose Banjo repräsentiere viel von der Geschichte der afro-amerikanischen Musik in den USA: Sie wurde in Afrika geboren, in Amerika gespielt und dann vom weißen Amerika verändert, meint Rhiannon Giddens. Sie wollte die Wurzeln kennenlernen und reiste deshalb nach Gambia. Dort lernte sie, auf einem Vorläufer des Banjos zu spielen. Akonting heißt das Instrument dort, sein Korpus wird aus einem Kürbis hergestellt. Nach all den Jahren, in denen Rhiannon Giddens neues Wissen in ganz unterschiedlichen Musikstilen aufgesogen hatte, kam dann aber der Moment, an dem eine Pause nötig wurde.

"Mein Gehirn braucht einfach eine Pause"

"Die Leute fragen mich immer, welche Musik ich mir anhöre, und ich sage dann: gar keine. Im Moment höre ich mir gar nichts an. Mein Gehirn braucht einfach eine Pause. Ab und zu, bei einer langen Fahrt mit dem Auto oder so, leg ich etwas aus meiner Jugend auf, etwas, worüber ich nicht nachdenken muss, das mir sehr vertraut ist, die Band They Might Be Giants z.B., und dann sing' ich mit.

Neulich habe ich mir mal wieder Die Prinzen angehört. Ich hatte an der Highschool Deutsch-Unterricht und fuhr total auf Die Prinzen ab. Ihr Album ‚Küssen verboten‘kenne ich in- und auswendig. Ich hab' das Album bei einer Autofahrt in den Player gelegt, so um drei Uhr morgens, und es war unglaublich. Ich kannte noch die ganzen Texte. Das war total witzig...vergammelte Speisen zu überhöhten Preisen sind zurückzuweisen... So etwas wiederzuentdecken macht schon Spaß. Aber ansonsten höre ich mir nur wenig an. Ein guter Freund hat mir zum Geburtstag eine CD-Sammlung der Sopranistin Leontyne Price geschenkt. Davon höre ich dann etwas, aber ich finde die Jahre, in denen ich Musik in mich aufgesogen habe, waren ziemlich intensiv, dauernd ging es um Musik oder um Bücher. Und meine Songs sind das Resultat davon. Und jetzt muss ich auch irgendwie mal Platz für Neues schaffen."

Der Song "Angel City" war der innere Durchbruch

2015 erschien Rhiannon Giddens erstes Solo-Album "Tomorrow Is My Turn". Bis auf einen Song enthält es nur Cover-Versionen, wenn auch sehr inspirierte. So wurden aus Liedern von Dolly Parton, Charles Aznavour oder Sister Rosetta Tharpe Songs, die auch ganz viel mit Rhiannon Giddens zu tun haben. Das einzige von ihr selbst komponierte Stück heißt "Angel City". Es entstand im Rahmen eines Projekts von T-Bone Burnett, das als "The New Basement Tapes" bekannt wurde. Musiker wie Elvis Costello oder Marcus Mumford kreierten im März 2014 in gut zwei Wochen neue Songs auf der Basis von Bob Dylan Texten aus dem Jahr 1967. Mit dabei war Rhiannon Giddens.

"Der Song ‚Angel City‘ hat einen ganz konkreten Hintergrund. Ich war bei dem Projekt ‚The New Basement Tapes‘ dabei und fühlte mich da sehr isoliert: Ich war die einzige Frau, die einzige Farbige, hatte bisher immer nur Volkslieder gesungen, hatte nie einen eigenen Song geschrieben. Das hatte mit den anderen gar nichts zu tun, die waren alle sehr nett zu mir. Ich musste einfach die Dämonen in mir besiegen, um das zu überstehen. Das war eine ganz intensive Erfahrung.

In der letzten Nacht des Projekts habe ich dann den Song geschrieben, die ganze Nacht durch. Die Akkorde zu dem Song waren mir schon ein paar Tage vorher eingefallen, als ich mir T-Bone's Gitarre ausgeliehen hatte. Ich fand, da könnte eigentlich ein toller Song draus werden und habe ihn am nächsten Morgen den Jungs vorgespielt. Der Song heißt ‚Angel City‘; weil ich damals in Los Angeles war. "

Musik: "Angel City” - Rhiannon Giddens

"Der Song ‚Angel City‘ war der erste, der direkt mit meinen eigenen Erfahrungen zu tun hatte. Ich hatte vorher schon ein paar Songs für die Carolina Chocolate Drops geschrieben und ein paar von denen, die Geschichten aus der Sklavenzeit erzählten. Aber so persönlich schreibe ich nicht oft. Das tat richtig gut, einen Song über so eine wichtige Veränderung in meinem Leben als Künstlerin zu schreiben."

Fruchtbare Zusammenarbeit mit Dirk Powell

In der Zwischenzeit hat sich Rhiannon Giddens als Komponistin weiterentwickelt und widmet sich auf ihrem neuen Album dem Leben und der Kultur der Afro-Amerikaner im 19. Jahrhundert. Von einigen Songs waren schon Demos angefertigt, als sie begann mit Dirk Powell an ihrem zweiten Solo-Album zu arbeiten. Der Multi-Instrumentalist ist schon seit vielen Jahren in der Band von Joan Baez und koproduzierte nun "Freedom Highway". Powell und Giddens nahmen nicht nur die Songs auf, die schon fertig waren. Die beiden komponierten auch zusammen. Am Ende der Aufnahme-Sessions, als die Band schon weg war, meinte Dirk Powell, dass sie noch einen weiteren Song bräuchten, einen mit einer positiven, aufbauenden Botschaft.

"Ich dachte damals oft an eine Geschichte aus einem Buch, mit dem ich aufgewachsen bin: ‚Afro-amerikanische Volkssagen neu erzählt von Virgina Hamilton‘. Die Geschichte heißt ‚The People Could Fly‘. Das ist eine alte Sage über Menschen in Afrika, die fliegen konnten. Sie wurden gefangen genommen, in Boote verfrachtet und über den Atlantik gebracht. Sie verloren ihre Flügel und wussten nicht mehr, wie man fliegt.

Irgendwann während der Zeit der Sklaverei erinnert sich ein alter Mann an die Zauberworte, und als er sie ausspricht, erheben sich die Menschen, die fliegen konnten, in die Lüfte, und fliegen davon. Ich bekomme allein vom Erzählen schon eine Gänsehaut. Und die Menschen, die nicht fliegen konnten, baten die anderen sie mitzunehmen. ‚Das können wir nicht‘, sagten die Menschen mit den Flügeln, ‚aber erzählt Euren Kindern von uns.‘ Der Gedanke, fähig zu sein in Richtung Freiheit zu fliegen, ist in der afro-amerikanischen Folklore ein sehr starkes Bild."

Wenn Rhiannon Giddens über die gemeinsame Arbeit an dem Song mit Produzent Dirk Powell spricht, spürt sie immer noch die Magie dieses Moments.

Der Song "We could fly" - eine Gemeinschaftsproduktion

"Wir sagen beide gerne, der Song lag in der Luft, und wir haben ihn nur zu uns geholt. Wir haben wahrscheinlich bei keinem anderen Song so eng zusammengearbeitet. Ich weiß nicht, wer was davon komponiert hat - der Text, die Melodie, alles wurde gemeinsam geschrieben oder besser: gefunden. Das war ein wunderbares Erlebnis und ein sehr schöner Abschluss der Aufnahmen. Jedes Mal, wenn wir den Song zusammen spielen, kann ich wieder in diese Sphäre eintauchen, in der wir waren, als wir den Song geschrieben haben. Sowas passiert selten. Der ist etwas Besonderes. "

Musik: "We could fly” - Rhiannon Giddens

Rhiannon Giddens hat als Musikerin immer wieder musikalische Brücken über den Atlantik gebaut, sei es mit ihren Interpretationen gälischer Musik oder mit ihrem Interesse an den afrikanischen Wurzeln des Banjos oder wenn sie ein altes Lied aus England, das als "St. James Infirmary" zu einem US-amerikanischen Jazz-Standard geworden ist, zusammen mit Musikern des multikulturellen Silk Road-Ensembles zelebriert.

Rhiannon Giddens lebt mal in North Carolina, mal in Irland. Ist der Blick aus dem Fenster ihres Hauses in Irland anders als der in den USA?

"Ja und nein. Die Menschen sind überall auf der Welt gleich. Selbst in ihren Unterschieden ähneln sie sich. Sie machen sich in Irland aus denselben Gründen Sorgen wie in North Carolina, sie reden nur etwas anders. Es ist wirklich gut im Ausland unterwegs zu sein und unsere Gemeinsamkeiten zu erleben.

Aus demselben Grund ist es auch sinnvoll, sich mit Geschichte beschäftigen, z. B. Briefe von römischen Soldaten an ihre Familien zu lesen. Sie reden über das, worüber wir heute auch reden. Es ist schon wirklich erstaunlich, wenn man sich das menschliche Dasein ansieht: Wir haben uns schon immer gegenseitig umgebracht und haben uns geliebt, wir haben Dinge erschaffen und wieder zerstört, so sind wir offenbar.

"Wir müssen aufstehen und handeln"

Wegen Trump mache ich mir keine Sorgen. Ich meine, ich bin natürlich wütend auf ihn und mache mir Sorgen um die Menschen, aber letztlich werden wir das Ruder wieder rumreißen. Deshalb gehen wir auch mit den Songs aus dem neuen Album auf Tournee, deshalb heißt es ja ‚Freedom Highway‘. Es handelt davon zusammenzuhalten und für das, was richtig ist, einzustehen. Wenn wir das nicht tun, wer soll es denn dann machen? Also müssen wir aufstehen und handeln."

Der Titelsong des Albums "Freedom Highway" wurde 1965 von Pops Staples für die Staples Singers komponiert. An einer Stelle heißt es: "Die ganze Welt fragt sich, was läuft da bloß falsch in den USA?".

Rhiannon Giddens tourt durch die USA und gerne auch durch Europa.

"Wir sind jedes Mal sehr gerne hier. Aber es ist unglaublich kostspielig hier auf Tournee zu gehen Deshalb touren wir nicht öfter in Europa. Ich bin aber gern bereit, Geld dafür in die Hand zu nehmen, weil die Band und ich jedes Mal etwas hinzulernen. Wir bekommen mit, wie verschiedene Menschen auf unsere Musik reagieren - in den Niederlanden, in Deutschland, in Paris oder in Australien. Wir sehen, wie sich ihre Reaktionen überall ähneln und worin sie sich unterscheiden. Wir lernen eben auch vom Publikum. Wir kommen so oft wie wir können."

Exklusiv für die Zuhörerinnen und Zuhörer des Deutschlandfunks hat Rhiannon Giddens eine Gospel-Hymne aus dem Jahr 1905 gesungen: "His eyes are on the sparrow" von Civilla D. Martin und Charles H. Gabriel. Auf Platte gibt es diesen Song von ihr bisher nicht.

Musik: - "His eye is on the sparrow” - Rhiannon Giddens

Diese Sendung können Sie nach Ausstrahlung ein Woche online nachhören.

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