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StartseiteCorsoHang zur ironischen Melancholie13.03.2015

Musikkabarettist Michael KrebsHang zur ironischen Melancholie

Songs mit Ohrwurmqualitäten, manchmal mit schlüpfrigem Unterton und manchmal auch system- und zeitkritisch: Das bietet das Album "Wellnessalarm" von Musikkabarettist Michael Krebs und seiner Band "Die Pommesgabeln des Teufels". "Da steckt alles drin, was auch im Leben steckt," so der Künstler.

Von Achim Hahn

Weiterführende Information

"Wellnessalarm" heißt die neue CD von Michael Krebs, die in der Deluxe-Version auch noch einige Live-DVD-Aufnahmen seines aktuellen Programms "Zusatzkonzert" enthält.

Livetermine im März:

14.3. Bestwig (mit dem aktuellen Programm "Zusatzkonzert")

18. - 21.3. St. Gallen (mit dem aktuellen Programm "Zusatzkonzert")

26.3. Hannover (mit Marc-Uwe Kling und Julius Fischer & Band)

27.3. Hamburg (mit Marc-Uwe Kling und Julius Fischer & Band)

28.3. Bremen (mit Marc-Uwe Kling und Julius Fischer & Band)

29.3. Essen (mit Marc-Uwe Kling und Julius Fischer & Band)

"Und jetzt liebe Leute, kommt für Euch der Founder of the movement "Flüsterfuchs - nein danke!" Michael Krebs!"

"Ihr wollt

Party - ich bin bereit

Party - jederzeit

Party - das mach ich immer, echt

Nur heut ist mir ausnahmsweise leider grade schlecht."

Dieser Typ rockt die Kleinkunst. Vor allem, wenn er mit seiner Band auftritt. Selbst im Heavy-Metal-Mekka Wacken wurde er schon begeistert empfangen: Michael Krebs, Musikkabarettist und Vorkämpfer gegen den Flüsterfuchs - jener hinterlistigen Adaption der sogenannten Pommesgabel des Teufels, des internationalen Metaller Zeichens, mit der schon den Kleinen im Kindergarten der anarchische Willen ausgetrieben werden soll. Mit absehbaren Folgen:

"Müsst ihr mal überlegen, was da für eine Generation ranwächst. Generation Flüsterfuchs. Das ist das Ende. Mit denen kannst Du nicht mehr demonstrieren. Da kannst' keine lebendige Demokratie mehr formen mit denen."

"Flüsterfuchs - nein Danke!" heißt seine Aktion zur Rettung der "Pommesgabeln des Teufels". Inzwischen auch der Name seiner Zweimannverstärkung, genauer: Boris, The Beast am Bass und an den Drums: der Oheim des Todes. Mit ihnen hat Michael Krebs jetzt erstmals ein Studioalbum mit 12 Songs aus vier Programmen aufgenommen.

"Wenn Schwermetaller weinen fällt Blei und Cadmium,

Auf unserer schlöne Erde und brint die Bäume um.

Doch wie kommen Metaller in' Himmel, was machen die denn da

Hört unser lieber Herrgott, denn auch Metallica"

System- bis zeitkritisch

Das Album "Wellnessalarm" bietet Songs mit Ohrwurmqualitäten, und manchmal durchaus schlüpfrigem Unterton. Es geht um den Fußball, der alle wichtigen Zeitereignisse verdrängt, um Prokrastination oder das Aufwachsen ohne TV-Supernanny. Michael Krebs erzählt von seiner Zeit als Jazzpianist und der Liebe zu einer Grundschullehrerin, fragt aber auch system- bis zeitkritisch:

"Was wirst Du tun?

Wenn sie das Wasser und die Luft privatisieren

Wenn sie die Pflanzen und die Tiere patentieren

Wenn sie in deinem Land wieder die Nazis wählen

Und statt Menschlichkeit nur noch Bilanzen zählen

Wenn das Geld die Welt regiert

Angst die Herzen infiltriert

Man niemand mehr vertrauen kann

Was tust du dann?

Ich pass mich an."

Songs voller rhythmischem Drive

Thematisch und musikalisch ein breites Spektrum - und so ausgewählt, dass man ein Bild hat von dem, was Michael Krebs macht.

"Es soll auch son bisschen Anarchie mit drin sein. Das ist so der Rock'n Roll-Anteil," der aber vor allem live auf der Bühne ausgelebt wird, dokumentiert auf der DVD der Deluxe-Version dieses Albums. Der CD-Teil stellt den Musiker Michael Krebs in den Mittelpunkt, der mal Popstar werden wollte, aber dann doch seine satirische Ader entdeckte.

"Ich hab schon viel Songs geschrieben, aber das waren tieftraurige, melancholische, hintergründige, verzweifelte, existenzialistische Lieder und immer, wenn ich dann irgendwo war und sagte, ich spiel mal nen neuen Song, sagten die Leute, ja, aber spiel mal noch das lustige."

Mit viel Liebe zum Detail, und doch reduziert, sind die Songs um das zentrale Piano arrangiert, dann und wann akzentuiert mit harmonischem Satz- oder Chorgesang. Songs voller rhythmischem Drive und jazzigem Flair, aber auch mit Hang zur ironischen Melancholie, (über die er singt:)

"Wenn ich'n Rapper wär, dann könnt ich's sagen, wie ich's denk,

ohne Ironie und ohne Metaebenen. Wenn ich'n Rapper wär, dann könnt ich's sagen wie ich's denk. Hart und militant, wie mit 'ner Kbarre in der Hand."

Aufgenommen wurde das Album in Berlin, aber gemastert in Nashville und Illinois. Sein Traum - einmal mit Grammy Gewinner Neal Capellino zusammen zu arbeiten. Jedenfalls klinge seine Musik nun zum ersten Mal so, wie er sie sich gedacht habe. Und das heißt:

"Da steckt alles drin, was auch im Leben steckt, auch ganz viel Lebensfreude und Humor, und das auszuleben ist auch ein Grund, auf die Bühne zu gehen."

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