Donnerstag, 23.11.2017
StartseiteInformationen am MorgenFünf Hochhäuser evakuiert 24.06.2017

Nach Brandkatastrophe in London Fünf Hochhäuser evakuiert

Weil nicht mehr für die Sicherheit der Menschen garantiert werden könne, hat die Verwaltung des Londoner Bezirks Camden vorsorglich fünf Hochhäuser räumen lassen. Die anstehenden Brandschutzarbeiten könnten bis zu vier Wochen dauern.

Von Thomas Spickhofen

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Bewohner der evakuierten Hochhäuser im Londoner Stadtteil Camden (PA)
Mehr als 800 Haushalte in Camden im Norden Londons wurden aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. Rund 4.000 Menschen sollen betroffen sein. (PA)
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Der Aufruf kam ohne Vorwarnung, die Anwohner hatten kaum Zeit, ein paar Sachen zusammenzupacken. Er will nicht gehen, sagt dieser Anwohner, er fühle sich schlecht dabei, einfach so seine Wohnung zu verlassen. Ein anderer meint, es musste eine Reaktion der Verwaltung geben, sie musste zeigen, dass sie etwas tut, aber das schaffe doch nur Chaos und Durcheinander. Das sei doch alles überstürzt, fügt er noch hinzu.

Mehr als 800 Haushalte in Camden im Norden von London wurden aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen, rund 4.000 Menschen sollen davon betroffen sein. Die Bewohner seien dort nicht mehr sicher, sagt die Stadtverwaltung von Camden. An den fünf Hochhäusern sollen ähnliche Fassadenverkleidungen wie am Grenfell-Tower verwendet worden sein, sie sollen auch von der selben Firma vor einigen Jahren renoviert worden sein.

Betroffene sollen auf Hotels und Freizeitzentren verteilt werden

Georgia Gould von der Stadtteilverwaltung sagt, sie habe die Dämmung und die Außenverkleidung überprüfen lassen und sich die Sorgen der Anwohner angehört. Am Ende hätten die Fachleute gesagt, sie könnten die Sicherheit der Menschen in den Wohnblocks nicht garantieren. Sie habe deshalb die schwierige Entscheidung getroffen, die Leute zu evakuieren, während die dringendsten Sicherheitsarbeiten vorgenommen werden.

Durch den Brand im Grenfell-Tower habe sich alles geändert und man wolle kein Risiko eingehen, die Sicherheit der Bewohner stehe an erster Stelle. Die Betroffenen sollen bis auf Weiteres auf umliegende Hotels und ein Freizeitzentrum verteilt werden. Wie lange, kann im Moment niemand sagen, die Sicherheits-Checks und mögliche Verbesserungen sollen nach Angaben der Sprecherin drei bis vier Wochen dauern. Am Wochenende soll den Bewohnern erlaubt werden, unter der Begleitung von Feuerwehrleuten ihre am dringendsten benötigten Habseligkeiten aus dem Gebäude zu bringen.

Prüfung des Bau-Materials

Scotland Yard hat mittlerweile bestätigt, dass der Brand am vergangenen Mittwoch von einer schadhaften Kühl-Gefrier-Kombination ausgegangen ist. Derzeit werde untersucht, warum sich das Feuer so schnell ausbreitete, sagt Polizeisprecherin Fiona McCormack. Bei einem Test habe die Gebäudeverkleidung bereits nach kurzer Zeit zu brennen begonnen. Bei dem Test sei die innen liegende Dämmung brennbarer als die Außenplatten gewesen.

Es werde jetzt geprüft, ob die Verwendung des Materials illegal gewesen sei, außerdem erwäge man Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, sagt McCormack. Die Sprecherin von Scotland Yard geht von mindestens 79 Toten aus, diese Zahl könne aber noch erheblich ansteigen. Die Suche in dem Gebäude werde möglicherweise noch bis zum Jahresende dauern.

Nach Angaben der britischen Regierung wurden inzwischen an 14 Hochhäusern im Land Außenverkleidungen gefunden, die, so wörtlich, besorgniserregend seien.

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