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StartseiteCampus & KarriereFrankreich plant Bildungsoffensive 22.01.2015

Nach den Anschlägen Frankreich plant Bildungsoffensive

Mit mehr als 250 Millionen Euro soll Frankreichs Schulen nach der islamistischen Anschlagsserie geholfen werden, Grundwerte wie Freiheit und Toleranz besser zu vermitteln. Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem stellte Pläne vor, wie eine Radikalisierung von Jugendlichen verhindert werden soll.

Von Burkhard Birke

Frankreichs Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem. (AFP / ERIC FEFERBERG)
Frankreichs Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem. (AFP / ERIC FEFERBERG)
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"Il faut redonner à l‘école toute son âme…"

Der Schule ihre Seele wiedergeben: Mithilfe der Lehrer und einer Mobilisierung der Bildungs- und Zivilgesellschaft will Premierminister Manuel Valls das Bild verändern, das die Schule als Spiegel der Gesellschaft zeigt: Das wachsender Ungleichheit, von zunehmendem Rassismus und von Ausgrenzung, gar des Hasses. Dazu braucht es einen langen Atem, die Mithilfe aller und eines Konzeptes, betonte Najat Vallaud-Belkacem. Im Nachgang zu den Anschlägen und im Lichte der an den Schulen herrschenden Malaise, hat die Bildungsministerin, selbst ein Einwandererkind, Akt zwei der Schulreformoffensive eingeläutet.

Denn Sprüche wie: Alle Journalisten gehörten umgelegt, wie sie unter anderem von Verweigerern der Schweigeminute für die Opfer der Anschläge zu hören waren, gelten als Beleg für Versäumnisse. In 200 Fällen hatten laut Bildungsministerium Schüler die Gedenkminute gestört oder sich ihr verweigert. Ungenügendes Staatsverständnis so die Diagnose eines Problems, das jetzt mit einer Null Toleranz Strategie gegen Disziplinverstöße und einer Wissensoffensive kuriert werden soll.

Ethikunterricht und Staatsbürgerkunde

Rassismus und Diskriminierung gelte es energisch zu bekämpfen, die Werte der Republik besser zu vermitteln: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Eingebettet im Rahmen der Laizität, der strikten Trennung von Religion und Staat, hatte Präsident Francois Hollande vorgegeben:

"Laizität bedeutet nicht, dass man den Glauben, die Religionen vergisst. Laizität bedeutet Gewissensfreiheit und dass die Religionen keinen Platz an der Schule haben. Was uns nicht daran hindert, laizistischen Unterricht über Religionen abzuhalten."

Ethikunterricht, er war ohnehin ab Beginn des neuen Schuljahres vorgesehen, und eine durchgängige Staatsbürgerkunde 300 Stunden über die Schulzeit werden eingeführt. Die seit einem Jahr ausgehängten Laizitätschartas mit 15 Punkten, unter anderem Verbot des Tragens religiöser Symbole etc., waren und sind offensichtlich nicht ausreichend. Zuviel Islam, zuviel Shoa oder auf keinen Fall das Wort Palästina: Je nach Viertel und Schule sehen sich Lehrer konstanter, religiös geprägter Kritik ausgesetzt. Jetzt sollen sie in Fragen der Laizität, der Debattenkultur und Vermittlung staatsbürgerlicher Werte besser ausgebildet werden. 1.000 Personen werden eigens als Ausbilder dafür speziell vorbereitet. Gedenktage wie der gegen Rassismus sollen in den Schulen stärker beachtet, der Umgang mit Medien, Nachrichten, dem Internet gezielter vermittelt werden. Unterstützt wird auch die Einrichtung eigener Internetportale, Blogs und Medien an weiterführenden Schulen.  

Eine Staatsbürgerschaftsreserve, Journalisten, Juristen unter anderen sollen die Pädagogen bei der Vermittlung republikanischer Werte unterstützen.

Förderung der Sprachkompetenz

Ins Zentrum der Bemühungen, hat Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem auch die Förderung der Sprachkompetenz gerückt: Sowohl im frühen Kindesalter als auch bei älteren Schülern, denen nach Tests fehlende Kenntnisse vermittelt werden sollen. Ein Element einer sich wie ein Mosaik zusammenfügenden Gesamtstrategie. Die Ministerin:

"Wir stellen die Schule ganz in den Dienst der Vermittlung der Werte der Republik. Über die kommenden drei Jahre stellen wir dafür mehr als 250 Millionen Euro zur Verfügung, die wir aus eingefrorenen Krediten nehmen. Ich will, dass in jeder einzelnen Schule damit begonnen wird, den staatsbürgerlichen Parcours mit dem Unterricht in Moral und Staatsbürgerkunde und anderen Maßnahmen einzuleiten, die unsere Werte betonen."  

Einige Mitstreiter hat die Ministerin schon gefunden: Eine Gruppe von Schülern hat sich von Bordeaux aus auf einen Bildungsmarsch nach Paris zu Charlie Hebdo begeben und beschallt Schulhöfe mit Slogans wie:

"Man kann mit Humor berichten, aber darf nicht zum Hass aufrufen."

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