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Nach der Griechenland-Wahl nur kurze Entspannung an den Finanzmärkten

DAX und Euro büßen anfängliche Gewinne wieder ein

Von Michael Braun

In die Erleichterung nach der Griechenland-Wahl mischte sich in Frankfurt schon am Morgen Skepsis.
In die Erleichterung nach der Griechenland-Wahl mischte sich in Frankfurt schon am Morgen Skepsis. (picture alliance / dpa - Boris Roessler)

Trotz des Wahlerfolgs der Euro-Befürworter in Griechenland gingen am deutschen Aktienmarkt anfängliche Kursgewinne wieder verloren, auch der Euro gab nach. Zusätzlich trübten schlechte Nachrichten aus Spanien die Stimmung. Im Gespräch sind an den Märkten nach den Eurobonds nun Eurobills.

Natürlich schlägt das Herz der Börsianer rechts. Deshalb waren sie erleichtert, dass nicht die radikale Linke die Wahl in Griechenland gewonnen hat. Doch in die Erleichterung mischte sich schon am Morgen Skepsis. Etwa bei Fidel Helmer vom Bankhaus Hauck & Aufhäuser:

"Dass die Griechen sich für den Euro entschieden haben und für eine konservative Regierung – das ist sicherlich positiv zu werten. Und jetzt müssen wir erst einmal sehen, ob eine stabile Regierung zustande kommt. Und dann gibt es natürlich noch weiterhin die Großbaustellen Spanien und Italien."

In Japan hatte der Nikkei-Index 1,8 Prozent hinzugewonnen. Ähnlich die Börsen in Australien und Südkorea. In Schanghai fiel das Plus mit 0,4 Prozent schon moderater aus. Und der Deutsche Aktienindex startete mit einem Gewinn von bis zu 1,4 Prozent in den Vormittag, von dem im Laufe des Tages aber immer weniger übrig blieb. Vor allem die Bankaktien standen schon anfangs unter Druck. Steffen Scharfetter, Aktienhändler bei der Baader Bank, wusste das zu interpretieren:

"Es brennt ja in Europa nicht an allen Ecken, aber an vielen Ecken. Da ist Griechenland nur ein Teil davon. Und der Druck auf die Eurozone bleibt. Wir sehen es an den Kursen der Banken. Das ist eine kurze Erleichterung. Das hilft ein bisschen dem Markt. Aber alles in allem ist die Stimmung eher schlecht."

Denn die spanische Notenbank meldete, der Anteil fauler Kredite in den
Büchern spanischer Banken sei im April mit 8,73 Prozent auf den höchsten Stand seit 1994 gestiegen. Damit werden nun Kredite mit einer Summe von 153 Milliarden Euro als "notleidend" eingestuft. Die Renditen für lang laufende spanische Staatsanleihen stiegen daraufhin von knapp 6,9 auf rund 7,2 Prozent. Solche und ähnliche Meldungen aus Griechenland waren in Schuldenschnitt und politischen Wirren geendet. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, sagt, der Kapitalmarkt sorge sich um die Schuldenlast in Spanien und Italien,

"von der wir alle wissen, dass sie nur in den nächsten zwei bis drei Jahren erste Anzeichen einer Verbesserung und Bewältigung geben kann. Und das ist den Kapitalmärkten zu langsam."

Doch politische Strukturen lassen sich nun mal nicht so schnell ändern wie eine Staatsanleihe ge- oder verkauft ist. So plädieren Ökonomen gleichwohl dafür, Griechenland mehr Zeit für seine Sparanstrengungen zu geben. Holger Schmieding etwa von der Berenberg Bank:

"Das bisherige Spar- und Reformprogramm in Griechenland ist weitgehend gescheitert. Dem Land wurden Sparauflagen gegeben, die einfach zu hart waren. Nimmt man Zahlen des Internationalen Währungsfonds, so hat Griechenland in den vergangenen beiden Jahren seine Binnennachfrage durch Sparmaßnahmen im Staatshaushalt um zwölf Prozent heruntergeknüppelt. Das ist einfach zu viel."

Schon Anfang Juli rechnen Marktteilnehmer damit, dass Griechenland erneut eine Vielzahl von Reformmaßnahmen des Troika-Programms nicht umgesetzt und die Sparziele weit verfehlt haben wird. Dann drohe eine neuerliche Umschuldung Griechenlands oder ein Kreditausfall. Deshalb kommt die Idee auf, wenn nicht über Eurobonds, also über Gemeinschaftsanleihen der Eurozone mit langer Laufzeit, dann eben über Euro-Bills gemeinschaftliche Hilfe zu organisieren. Das sind Papiere mit kurzer Laufzeit von höchstens einem Jahr. Auch dabei würde die gute Bonität etwa Deutschlands an Spanien und Co sozusagen verliehen. Deka-Volkswirt Kater sieht darin keinen großen Unterschied zu Eurobonds:

"Eurobills sind von einer ähnlichen Mechanik wie Eurobonds. Und ab einer gewissen Größenordnung, wie sie hier im Gespräch ist, gibt es keine wesentlichen Unterschiede. Denn auch eine kurzfristige, eine Jahresfinanzierung, wird wahrscheinlich verlängert werden und verlängert werden müssen. Die Zwänge werden von selbst immer größer werden, sodass aus kurzfristigen Finanzierungen dann auch langfristige werden können."

Die Fieberkurve dieser Debatte malte der Euro auf die Handelsschirme. Er stieg am Vormittag bis auf 1,27 48 und notiert nun unter 1,26 Dollar.

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