• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 15:00 Uhr Nachrichten
StartseiteForschung aktuellNach langem Anlauf zu kurz gesprungen19.02.2007

Nach langem Anlauf zu kurz gesprungen

7. Forschungsrahmenprogramm kann Europa nicht in Weltspitze katapultieren

Forschungspolitik. – 54 Milliarden Euro will die EU-Kommission in den kommenden fünf Jahren in Forschungsprojekte investieren. Das ist 40 Prozent mehr als in der vorhergehenden 5-Jahres-Periode, doch viel zu wenig, um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, Europas Platz an der Weltspitze dauerhaft zu sichern.

Von Ralf Krauter

Janez Potocnik, EU-Forschungskommissar in der Barroso-Kommission. (EU-Kommission)
Janez Potocnik, EU-Forschungskommissar in der Barroso-Kommission. (EU-Kommission)

Wenn EU-Kommissare eine Meisterprüfung ablegen müssten, dann hätte der oberste europäische Forschungsbeauftragte seine nun wohl bestanden.

"”Today represents the end of a long road. But it’s also the beginning of an even longer one.”"

Wir befinden uns heute am Ende eines langen Weges, aber wir stehen zugleich am Anfang eines viel längeren. Mit diesen Worten gab Forschungskommissar Janez Potocnik im Januar in Bonn den Startschuss für das 7. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union. Und er zog dabei erfreulich selbstkritisch Bilanz, wie nah Europa seinem erklärten Ziel gekommen ist, zu einem einheitlichen Forschungsraum zusammen zu wachsen. Potocnik:

"”Wir müssen die Zusammenarbeit intensivieren. Wir sollten immer im Hinterkopf behalten, dass wir bei der Forschung in Europa alle im selben Team spielen. Das Letzte was wir brauchen, sind Spieler, die sich gegenseitig im Weg stehen. Entweder wir gewinnen alle gemeinsam, oder wir verlieren zusammen.""

Für Janez Potocnik ist der neue Fahrplan für die europäische Forschungsförderung ein wichtiges Etappenziel. Gut eineinhalb Jahre vergingen zwischen den ersten Entwürfen des 7. Forschungsrahmenprogramms und seiner Absegnung in Brüssel und Straßburg. Eineinhalb Jahre, in denen 1600 Ergänzungsvorschläge eingingen und hinter den Kulissen erbittert ums Geld gefeilscht wurde. Mit seiner Forderung, den EU-Forschungsetat zu verdoppeln – nach dem Motto: Innovationen statt Subventionen - gab Potocnik im Vorfeld der langfristigen Brüsseler Finanzplanung im Frühjahr 2005 ein ehrgeiziges Ziel vor:

"”Bei den bevorstehenden Haushaltsverhandlungen schlägt die Stunde der Wahrheit. Werden wir es schaffen, die Finanzen so umzuschichten, dass wir den Lissabon-Zielen endlich näher kommen? Die Verdopplung der Forschungsausgaben wäre ein wichtiger Schritt auf diesem Weg. Es wäre ein Signal, dass alle Mitgliedstaaten an einem Strang ziehen.""

Am Ende reichte es nur für eine Steigerung um 40 Prozent: Insgesamt 54 Milliarden Euro für den Zeitraum von 2007 bis 2013. Doch schon diese Summe ist bemerkenswert. Und das 7. Forschungsrahmenprogramm ist noch in einer weiteren Hinsicht wegweisend. Im neu eingerichteten europäischen Forschungsrat ERC entscheiden erstmals nicht mehr Bürokraten, welche Projekte gefördert werden, sondern die Wissenschaftler selbst. Die Folge: Eine ungeahnte Autonomie. Und die, erklärt der ERC-Vorsitzende Fotis Kafatos, wolle man nun vor allem nutzen, um kluge Köpfe in Europa zu halten. Kafatos:

"”Wir müssen jungen Forschern attraktive Karrierepfade aufzeigen und eine Champions League für Wissenschaftler schaffen, die weltweit Standards setzt. Im Fußball machen wir das bereits. In der Forschung wird es höchste Zeit dafür.""

Fazit: Das 7. Forschungsrahmenprogramm ist ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunft. Ob er groß genug ist, um Europa auf Ballhöhe mit den USA, Japan und den aufstrebenden Wirtschaftsregionen in Asien zu bringen, ist fraglich. Denn dass das Lissabon-Ziel, bis 2010 3 Prozent des Bruttosozialproduktes in Forschung und Entwicklung zu investieren, noch irgendwie zu erreichen ist, glaubt eigentlich niemand mehr. In Deutschland liegt die Quote derzeit bei knapp 2,5 Prozent – die zusätzlichen 6 Milliarden für die Innovationsoffensive der Bundesregierung sind da bereits eingerechnet. Forschungsministerin Annette Schavan spielt den Ball deshalb ins Feld der Industrie:

"Die Differenz der Investitionen in F&E in Europa und in den USA beträgt rund 480 Milliarden Euro. Deshalb ist unsere Aufgabe der nächsten Jahre Sorge dafür zu tragen, dass Innovationsstrategien vorliegen, die ein deutlich höheres Investitionsvolumen seitens der Unternehmen ermöglichen. Damit steht und fällt das 3-Prozent-Ziel."

Das 7. Forschungsrahmenprogramm schafft deshalb zusätzliche Anreize für kleine und mittelständische Unternehmen, ihre Forschungsausgaben zu steigern. Inwieweit sie angenommen werden, könnte mit ausschlaggebend sein, ob Europas Aufstieg in die erste Liga der Forschung gelingt.

Mehr über Europas Bemühungen um die eigene Zukunft finden Sie in der Werkstatt Europa.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk