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StartseiteInformationen am MittagWas bleibt vom Olympia-Hype im Eishockey?28.02.2018

Nach Silber in PyeongchangWas bleibt vom Olympia-Hype im Eishockey?

Nach dem Erfolg der Eishockey-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen ist der Sport derzeit stark im Bewusstsein der Öffentlichkeit - diese Aufmerksamkeit auch in die Liga mitzunehmen, werde schwer, glaubt Dlf-Sportredakteurin Marina Schweizer. Dabei sei das Timing eigentlich gut: Am 7. März beginnen in der Liga die Playoffs.

Marina Schweizer im Gespräch mit Jörg Münchenberg

Patrick Hager und Brooks Macek aus Deutschland jubeln nach dem Tor zum 1:1 im olympischen Eishockey-Finale in Pyeongchang gegen das Team OAR. (Joel Marklund/Bildbyran via ZUMA Press/dpa)
Patrick Hager und Brooks Macek aus Deutschland jubeln nach dem Tor zum 1:1 im olympischen Eishockey-Finale in Pyeongchang gegen das Team OAR. (Joel Marklund/Bildbyran via ZUMA Press/dpa)
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Jörg Münchenberg: Es war die Überraschung der Olympischen Spiele aus deutscher Sicht: Die deutsche Männer-Nationalmannschaft im Eishockey kämpfte sich gegen große Eishockey-Nationen bis ins Finale, holte Silber – ein nie da gewesener Erfolg für diese Sportart in Deutschland. Wenn man die Frage stellt: Was bleibt dem Eishockey von diesem Olympia-Hype, dann gibt es vielleicht heute schon erste Antworten. Schon heute Abend geht es in der Liga auch für die Olympiateilnehmer wieder los. Marina Schweizer aus der Sportredaktion: Erst einmal die Frage: Warum gibt es keine Verschnaufpause für die Olympia-Stars?

Marina Schweizer: Es gab eine Absprache zwischen dem Deutschen Eishockeybund und der Deutschen Eishockey Liga, wie man die Spieler freistellen kann. Da wurde vereinbart: Es gibt genügend Vorbereitungszeit für die Nationalmannschaft, aber danach muss es dann zügig weitergehen.

Marc Hindelang Vize-Präsident des Deutschen Eishockey Bundes bei uns im Programm: "Dafür muss man der Liga dankbar sein. Aber die Vereine haben jetzt zweieinhalb Wochen nicht gespielt, haben keine Zuschauereinnahmen in der Zeit gehabt, das sind auch Unternehmen. Also, da muss man auch Rücksicht drauf nehmen."

Wir reden zwar nicht über das gleiche Liga-Niveau, aber: Die nordamerikanische Profiliga NHL hat das ja zum Beispiel nicht gemacht.

Und es hat wohl niemand damit gerechnet, dass es so lange geht für das Team. Jetzt sind sie erst am Montagabend zurückgekommen, nachdem sie ja am Sonntag noch das Finale gespielt haben und müssen so schon heute ran.

Übrigens für Christian Ehrhoff von den Kölner Haien auch deshalb komisch, weil man jetzt wieder auf Konkurrenz umschalten muss: "Es wird auf jeden Fall ein komisches Gefühl sein – Freitag spielen wir in Mannheim, da sind natürlich einige Jungs dabei. Man ist natürlich gerade mit den Jungs durch dick und dünn gegangen und jetzt steht man sich da in einem wichtigen Spiel gegenüber."

"Durchwachsene Hoffnung"

Münchenberg: Gibt es denn Anzeichen, dass die Sportart die Aufmerksamkeit in die Liga mitnehmen kann?

Schweizer: Klar ist Eishockey jetzt gerade im Bewusstsein. Es wird schwer die Aufmerksamkeit mitzunehmen. Es wird jetzt auf jeden fall vieles versucht: Der Rechteinhaber zeigt zum Beispiel heute Abend alle Spiele kostenlos im Livestream, weil man sich erhofft, mehr Zuschauer für die Liga zu gewinnen. 

Das Timing ist vielleicht ganz gut, weil jetzt in der Liga eine spannende Phase beginnt – am 7. März starten die Playoffs. Da spielen dann ja in einem Turniermodus die besten Teams der Liga weiter. Und für neugewonnene Eishockeyfans: Mehr Spannung in einer Art Turniermodus, in dem auch ein höheres spielerisches Niveau herrscht.

Die Hoffnung haben alle Sportarten nach der großen Bühne Olympia und die Erfolgsquote ist, sage ich mal, durchwachsen.

Münchenberg: Wenn wir mal allein von der Vermarktung weggehen: Es heißt immer: Olympia schafft Idole, auch für kleine Kinder. Ist denn jetzt ein Eishockey-Boom im Sport zu erwarten?

Schweizer: Man muss als erstes mal sagen: Eishockey ist keine Massensportart. In Deutschland hat der Verband nur knapp 26.000 Mitglieder, aber immerhin Tendenz steigend. Man muss ja nicht immer gleich mit König Fußball kommen, aber der Deutsche Tennisbund im Vergleich hat 1,4 Millionen Mitglieder.

Das liegt natürlich zum Teil auch daran, dass man eben nur dort spielen kann, wo es auch Eishallen gibt. Der deutsche Eishockeybund kämpft um Nachwuchs – dazu noch mal Marc Hindelang:

"Es ist nicht alles gut. Wir haben eine gesunde Basis. Aber wir müssen jetzt diesen Schwung nutzen, auch diese Öffentlichkeit. Es geht sicherlich auch um Sponsorengelder, die man bekommt, wichtig ist aber eben auch: Dass wir dem DOSB und dem Bundesinnenministerium auch zeigen können, Eishockey ist nicht nur konkurrenzfähig, sondern auch medaillenträchtig, also dass die Förderung auch gerechtfertigt ist – all diese Dinge sind wichtig."

Und dazu will man jetzt den Fokus auf den Nachwuchses legen. Mal schauen, ob das klappt.

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