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StartseiteVerbrauchertippDie Grenzen sind fließend28.08.2017

Nachbarschaftshilfe oder Schwarzarbeit?Die Grenzen sind fließend

Die meisten Menschen wissen die zupackende Hilfe von Freunden zu schätzen, sei es beim Umzug oder beim Rasenmähen während des eigenen Urlaubs. Das fällt unter Hilfe auf Gegenseitigkeit. Wenn aber ein befreundeter Handwerker am Wochenende das Badezimmer neu fließt und man selbst dabei hilft, grenzt das schon an Schwarzarbeit.

Von Klaus Deuse

Zwei Dachdecker reparieren ein beschädigtes Hausdach.  (picture alliance / dpa / Marius Becker)
Wer sein Haus selbst bauen will, dem können auch Nachbarn als Helfer zur Hand gehen. (picture alliance / dpa / Marius Becker)
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Wenn der Computer von Michael Stollmann einmal streikt, dann ist er froh, dass der Sohn eines Freundes in der Nachbarschaft wohnt.

"Ich selbst habe da eigentlich relativ wenig Ahnung von diesen Dingen. Vor allen Dingen, wenn irgendwo im Softwarebereich was passiert. Ich habe da einen Studenten, der uns hilft. Sowohl meiner Frau als auch mir. Den rufen wir an und er erklärt sich immer gerne bereit, uns dann die Programme wieder auf die Reihe zu bringen oder was Besonderes zu installieren."

Als Dankeschön gibt es meist einen kleinen finanziellen Zuschuss für das Studentenleben. Oder eine Einladung in die Pizzeria. In dem Fall handelt es sich eindeutig um eine Gefälligkeit unter Nachbarn, sagt die Bochumer Fachanwältin für Arbeitsrecht Dr. Katja Mihm.

"Unter Nachbarschaftshilfe versteht man Hilfeleistungen von Personen, die zueinander in persönlichen Beziehungen stehen und auch in einer gewissen räumlichen Nähe wohnen. Und die Leistungen müssen dann grundsätzlich unentgeltlich oder wirklich gegen ein geringes Entgelt geleistet werden. Und was auch wichtig ist: grundsätzlich gegenseitig. Also Gegenseitigkeit ist da auch ein wichtiges Kriterium."

Auf die Regelmäßikeit kommt es an

Wie viel einem die Hilfe eines Nachbarn wert sein kann, dafür gibt es keine genaue Grenze.

"Die ist auch bewusst nicht gesetzt, weil das auch immer auf den Einzelfall ankommt."

Das entscheidende Kriterium ist, dass der Helfer nicht beabsichtigt, einen Gewinn zu erzielen, betont Fachanwältin Mihm.

"Also das es so viel ist, dass man es auch halt schon wegen dem Geld macht. Und wenn es auf eine regelmäßige Wiederholung ausgerichtet ist, dann ist es auch grundsätzlich keine Nachbarschaftshilfe mehr."

Wenn etwa ein Jugendlicher bei einer Nachbarin gelegentlich mal den Rasen mäht und dafür zehn Euro bekommt, dann handelt es sich um Nachbarschaftshilfe. Sollte der Nachbarsjunge aber regelmäßig für 20 Euro oder mehr den Rasen mähen, dann wäre das schon ein Grenzfall zur Schwarzarbeit. Und zwar wegen der Regelmäßigkeit und der Erwartung auf Bezahlung. Sprich: einer Gewinnerzielungsabsicht.

Grundsätzlich ausgeschlossen als Gefälligkeitsleistungen sind gewerbliche Tätigkeiten. Wenn etwa ein Fliesenleger das Badezimmer renoviert oder ein Elektriker neue Leitungen verlegt. Also seinen Beruf ausübt. Selbst wenn man mit diesen Fachleuten befreundet oder sogar verwandt sein sollte. Denn:

"Dann ist das auch ein Indiz dafür, dass er es halt auch gerade gewerblich tut. Also wenn er dann parallel noch einen Gewerbeschein hat oder ein Handwerk angemeldet hat zu dem Thema, dann ist das auch ein klares Indiz dafür, dass er auch in Gewinnerzielung tätig ist."

Schwarzarbeit wird mit Bußgeld oder Freiheitsstrafe geahndet

Beim Bau eines Hauses gilt übrigens folgende Regelung: Wer das Haus selbst nutzen will, dem können auch Nachbarn als Helfer zur Hand gehen. Dann kann beispielsweise auch ein Bruder des Bauherrn in seinem erlernten Beruf als Dachdecker mithelfen. Anders sieht es aus, wenn man nicht selbst in den Neubau einziehen will, erläutert Rechtsanwältin Mihm.

"Wenn eine spätere gewerbliche Nutzung wie Vermietung, Verpachtung oder auch Verkauf ansteht, dann ist das damit gewerblich und fällt nicht mehr unter die Selbsthilfe."

Je nach Umfang wird Schwarzarbeit entweder mit einem Bußgeld oder sogar mit einer Freiheitsstrafe geahndet. Die zuständigen Zollämter kontrollieren übrigens nicht nur Großbaustellen, warnt Katja Mihm.

"Die werten zum Beispiel auch Kleinanzeigen aus. Insbesondere Chiffreanzeigen. Und haben dann auch den Anspruch gegenüber der Zeitschrift, dann auch die Adresse zu bekommen." 

Handwerker schwarz zu beschäftigen ist aber auch unter einem anderen Aspekt ein Risiko. In dem Fall besteht nämlich kein Anspruch auf Beseitigung von Mängeln.

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