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StartseiteForschung aktuellNachhaltige Energieversorgung bis 205007.07.2008

Nachhaltige Energieversorgung bis 2050

Deutsches Klimaziel scheint nur unter großen Anstrengungen noch erreichbar

<strong>Umwelt. - Eine neue Studie des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt untersuchte im Auftrag von Greenpeace und dem Europäischen Rat für Erneuerbare Energien, ob die ehrgeizigen Ziele von Europäischer Kommission und Bundesrepublik bei der Energieversorgung noch realistisch sind.</strong>

Von Carl-Josef Kutzbach

Energie sparen und erneuerbare Energien ausbauen, fordert die neue Studie. (AP)
Energie sparen und erneuerbare Energien ausbauen, fordert die neue Studie. (AP)

Die möglichen Folgen des Klimawandels werden fast mit jeder Studie bedrohlicher. Insofern hat sich die Politik vernünftige Ziele gesetzt, meint Diplom-Ingenieur Dr. Wolfram Krewitt, Leiter der Abteilung "Systemanalyse und Technikbewertung" am DLR in Stuttgart:

"Die Bundesregierung, die Europäische Kommission, hat sich ja inzwischen zu dem Ziel verpflichtet: Wir wollen die Temperaturerhöhung auf zwei Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit begrenzen. Sie haben auch gesagt: Wir müssen die Kohlendioxid-Konzentration auf 450 ppm stabilisieren. Was allerdings dafür notwendig ist, das haben sie noch nicht ausbuchstabiert."

Da am Institut für Technische Thermodynamik der DLR seit Jahrzehnten an Energietechnik geforscht wird, haben die Forscher ihr Wissen genutzt und einmal rückwärts gerechnet, was muss geschehen, damit das Ziel erreicht wird. Dabei wurde sowohl auf die noch nicht ausgereifte unterirdische Kohlendioxidlagerung verzichtet, wie auf die Kernenergie. Biomasse wurde nur behutsam genutzt. Trotzdem sollte der jährliche Kohlendioxid-Ausstoß je Mensch 2050 nicht mehr als eine Tonne betragen, also eine Verringerung in den Industriestaaten um rund 60 Prozent. Das zwingt zum Energiesparen. Wolfram Krewitt:

"Das ist die allerwichtigste Stufe und da haben wir ein sehr großes Potential, uns noch zu verbessern. Wir müssen einfach sparsamer, effizienter mit Energie umgehen, ohne notwendigerweise unseren Lebensstandard einzuschränken, können wir sehr viel Energie sparen. Und das ist die Grundlage. Wenn wir da nicht jetzt anfangen, dann schaffen wir auch das Ziel nicht."

Der Einzelne kann mit Energiesparlampen, mit Ausschalten statt Standby, besserer Isolierung der Wohnung oder beim Austausch der Warmwasserpumpe an der Heizung etwas tun. Wären all diese Pumpen so geregelt, dass sie nur die nötige Leistung bringen, ließen sich schon zwei Großkraftwerke sparen.

"Wenn sie von den Pumpen reden, dann gehen wir in die Industrie. Da haben sie auch ein großes Potential an vielen kleinen Schräubchen. Im Einzelfall sind das sehr kleine Beiträge, aber wenn sie die aufsummieren, können sie wirklich einige Kraftwerke einsparen."

Kraftwerke, die einen großen Teil der Energie über Kühltürme ableiten, müssten durch dezentrale Blockheizkraftwerke ersetzt werden, damit auch die Wärme genutzt wird. Das und die Nutzung aller möglichen Erneuerbaren Energien erfordern andere Leitungsnetze, die sich über ganz Europa erstrecken, so dass Sonnenenergie aus dem Süden mit Wind- und Wasser-Energie aus dem Norden sich ergänzen. In so einem großen Netz, das als Gleichstrom-Hochspannungsnetz angelegt sein muss, um Verluste zu verringern, würden sich durch Regeltechnik auch schwankende Stromangebote besser ausgleichen lassen.

"Wichtige Voraussetzung ist aber, diese neue Infrastruktur zu schaffen. Das ist weniger ein technisches Problem, das ist eher auch ein politisches Problem. Wir müssen auf europäischer Ebene mit verschiedenen Regierungen, mit verschiedenen Akteuren, mit verschiedenen Industriepartnern eben drangehen, so eine neue Infrastruktur aufzubauen."

Ein derartiges intelligentes Netz, das Energie so verteilt, dass weniger Speicherung nötig ist, lässt den Bedarf an Wasserstofftechnik in diesem Bereich sinken. Während in Deutschland in wenigen Jahren Solarstrom vom Dach billiger sein wird als aus dem Netz, sollen in Nordafrikas menschenleeren Weiten solare Großkraftwerke stehen. Wolfram Krewitt:

"Die Technologie für Nordafrika, wo wir eine hohe direkte Solareinstrahlung haben, ist aber eher bei den konzentrierenden solarthermischen Kraftwerken. Da konzentriere ich die einfallende Solarstrahlung, mache Wasserdampf draus und betreibe dann im Prinzip einen konventionellen Kraftwerksblock. Das heißt, ich ersetze den Kohlekessel im Prinzip durch Solarspiegel und betreibe dann den gleichen Generator, wie auch in einem konventionellen Kraftwerk. In diesen Kraftwerken kann ich Wärme speichern - Wärmespeicher ist einfacher als Strom zu speichern - das heißt, ich habe wirklich regelbare Großkraftwerke, mit denen ich Solarstrom erzeugen kann."

Die nötigen Milliarden-Investitionen würden sich bei Umwelt und Gesundheit sofort lohnen. Bliebe Deutschland Exportweltmeister für Umweltschutz- und Energietechnik, dann ergäbe das sogar in etwa 20 Jahren satte Gewinne: Aber, mahnt Wolfram Krewitt:

"Wir müssen also wirklich heute ganz drastisch was machen. Es ist noch erreichbar nach unseren Berechnungen. Aber wir müssen dann wirklich heute den ganzen Köcher ausschöpfen von den Möglichkeiten, die wir haben."

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