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StartseiteVerbrauchertippInvestieren ohne Atomkraft und Rüstung12.04.2017

Nachhaltige und ethische GeldanlagenInvestieren ohne Atomkraft und Rüstung

Wer nachhaltig und ethisch investieren will, sollte genau ins Anlagespektrum schauen, denn die Begriffe sind nicht einheitlich definiert. Und schließlich sollten auch immer rationale ökonomische Kriterien eine Rolle spielen, damit nicht ein Totalverlust wie bei den Genussscheinen des Windkraftherstellers Prokon droht.

Von Brigitte Scholtes

Arbeiter installieren Solarzellen auf einem Dach, aufgenommen am 06.03.2012 in Igersheim. (dpa picture alliance / Daniel Kalker)
Solaranlage: Ein nachhaltiges Investment wünschen sich immer mehr Anleger. (dpa picture alliance / Daniel Kalker)
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Rendite ja, aber nur mit gutem Gewissen: Das wünschen immer mehr Anleger. Um das zu erreichen, kann man einen ganz grundsätzlichen Schritt gehen und zu einer Bank wechseln, die ihr Geschäft auf Umwelt oder Soziales ausrichtet. Karin Baur, Finanzexpertin von "Finanztest":

"Banken können ja das Geld, das sie vom Kunden bekommen, ausleihen an andere, Kredite vergeben. Oder sie können es auch selber am Kapitalmarkt anlegen. Und dabei beachten sie eben bestimmte Kriterien. Ethische Banken, die würden dann zum Beispiel speziell den Biobauern fördern und dem einen Kredit geben oder soziale Einrichtungen. Sie würden auch bestimmte Sachen gar nicht machen."

Es sind meist kleinere Kreditinstitute, die sich darauf spezialisiert haben, darunter auch einige kirchliche Banken. Sie bieten auch festverzinsliche Sparprodukte an, die allerdings nur eine geringe Rendite abwerfen. Darin unterscheiden sie sich kaum von den konventionellen Banken. Allerdings gibt es unter denen bei einigen Top-Anbietern dann doch etwas höhere Zinsen.

Begriffsdefinition ist schwierig

Wer nicht grundsätzlich die Bank wechseln möchte, der muss sich selbst darüber klar werden, was für ihn ethisch-ökologisch bedeutet. Und das geht am einfachsten über Ausschlusskriterien: Möchte ich nicht, dass mit meinem Geld Atom- oder Rüstungsprodukte finanziert werden, Menschen- oder Arbeitsrechte verletzt werden? Möchte ich auch vermeiden, dass Unternehmen der Öl- und Kohleindustrie gefördert werden?

Da gilt es, genau hinzuschauen, denn bisher gibt es für den Begriff "Nachhaltigkeit" keine klaren, fest definierten Kriterien. Rating-Agenturen wie sustainalytics haben sich auf solche Anlagen spezialisiert. Das Unternehmen legt etwa die Prinzipien des UN Global Compact an, der weltweit größten und wichtigsten Initiative für verantwortungsvolle Unternehmensführung, erklärt Marcel Leistenschneider, der dort für das Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortlich ist:

"In einer Art Vorauswahl werden schon bestimmte Firmen herausgefiltert, die nicht diesen ethischen oder UN-Global-Compact-Kriterien entsprechen, die sind dann schon mal weg. Und darüber hinaus werden auch bestimmte Umwelt-, soziale und wie wir das nennen Unternehmensführungskriterien zugrunde gelegt, sodass nur in Firmen investiert wird, die eine bestimmte Schwelle überschreiten, die als besonders umweltfreundlich, besonders sozialverträglich angesehen werden von uns."

Branchen wie die Ölindustrie aber seien da nicht grundsätzlich ausgenommen. Nach solchen Kriterien legen etwa viele als nachhaltig beworbene Fonds an. Die so ausgesuchten Firmen lieferten auch meist eine bessere Performance oder Rendite, sagt Leistenschneider.

Rationale ökonomische Kriterien walten lassen

Doch grundsätzlich sollte man auch für ethisch-ökologische Geldanlagen rationale ökonomische Kriterien walten lassen, rät Karin Baur von "Finanztest". Denn die hängen vor allem von der Anlageform ab:

"Man sollte zum Beispiel mal darauf schauen, was hat denn diese Geldanlage für Risiken und was hat sie für Renditechancen. Wer nur sicher anlegen will, der kann eben nur Tagesgeld oder Zinsprodukte von Banken abschließen, wer ein gewisses Risiko eingehen möchte, der ist zum Beispiel bei breit streuenden Aktienfonds, die eben weltweit investieren, gut aufgehoben. Und ganz riskant wird es dann, wenn es um die Finanzierung von Einzelprojekten geht."

So haben etwa die Anleger des Windkraftherstellers Prokon schmerzlich erfahren, dass bei Genussscheinen auch der Totalausfall des Vermögens folgen kann.

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