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StartseiteUmwelt und VerbraucherNachhaltiges Fischen, ja - aber wo?22.02.2010

Nachhaltiges Fischen, ja - aber wo?

Die Fachmesse "fish international" in Bremen

In Bremen findet zurzeit die Fachmesse "fish international" statt. Fisch ist bei Verbrauchern beliebt, aber viele Fischarten sind in ihrem Bestand bedroht. Die Branche weiß mittlerweile, dass sie ein Imageproblem hat - und steuert dagegen.

Von Christina Selzer

Eine Schule Fische  (USGS)
Eine Schule Fische (USGS)

Nachhaltigkeit –an diesem Thema kommen Fischfang und Handel nicht mehr vorbei. In Deutschland ist der Verbrauch von Fisch und Meeresfrüchten im vergangenen Jahr erneut gestiegen, sagt Matthias Keller, Geschäftsführer des Fisch-Informationszentrums in Hamburg:

"Er steigt jedes Jahr. Wir sind jetzt bei einem Pro-Kopf-Verbrauch von 16 Kilogramm pro Jahr nach 15,5 zuvor. Das ist ein gutes Ergebnis und wir denken, auch in der Zukunft wird der Verbrauch an Fisch und Meeresfrüchten weiter steigen. Denn die Bundesbürger sind interessiert an einem interessanten Lebensmittel, das schmeckt und gesund ist."

Die Nachfrage nach Produkten aus nachhaltigem Fischfang hat sich dabei aber deutlich erhöht. Den Verbrauchern ist es nicht mehr egal, woher der Fisch stammt. Obwohl es inzwischen Siegel wie das MSC für nachhaltig gefangenen Fisch gibt, sind viele Kunden verunsichert. Sie wissen nicht, welche Sorten sie guten Gewissens kaufen können. Denn es gibt sogar von einer Sorte unterschiedliche Fischbestände, denen es unterschiedlich gut geht. Zum Beispiel beim Kabeljau. In der Nordsee ist er selten geworden, und jetzt hat die Umweltorganisation Greenpeace ihn in ihrem neuen Fisch-Führer auf die Rote Liste gesetzt. Für Christopher Zimmermann vom Institut für Ostseefischerei ist diese Darstellung übertrieben.

"Wenn wir weiter nach Norden gehen in das Barentsmeer vor der norwegischen Küste, treffen wir auf einen Kabeljaubestand, der größer ist, als alle anderen zwölf Bestände im Nordostatlantik zusammen, und mehr Ertrag liefert. Der ist wunderbar im grünen Bereich. Das bestreitet auch Greenpeace nicht."

Dennoch: Dass Bestände bedroht sind, steht auch für den Meeresbiologen Zimmermann fest. Ursachen dafür sieht er in einem falschen Management und fehlenden Kontrollen. Denn auch illegale Fischerei bedrohe die Bestände weltweit. Ein weiterer Grund für die Überfischung ist seiner Ansicht nach die hohe Zahl an Rückwürfen. Das heißt: Nur weil der Fischer seine Quote bereits ausgeschöpft hat oder die Fische zu klein sind, geht marktfähiger Fisch tot über Bord. Ein Verlust für Markt und Bestand. In Norwegen ist das verboten, und auch in Deutschland muss es verboten werden, fordert Zimmermann, wenn 2012 das EU-Fischereirecht reformiert wird. Aus seiner Sicht ist es aber generell legitim, Fischbestände als Ressource intensiv zu nutzen.

"Wir wollen Bestände auf hohem Niveau nutzen, das ist eine wertvolle Ressource. Wir wollen sie dem Menschen zur Verfügung stellen. Es spricht nichts dagegen, sie bis an die Grenze zu nutzen. Wir müssen nur vorsichtiger werden, je dichter wir an die Grenze herankommen."

Bedeutend skeptischer ist da die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Sie schätzt: Ein Viertel der weltweiten Fischbestände steht durch Überfischung vor dem Kollaps. Von den 600 Beständen, die die FAO weltweit überwacht, sind bereits 25 Prozent vom Aussterben bedroht. Es gibt zwar eine Menge von Vereinbarungen und Empfehlungen zum schonenden Umgang mit Fischbeständen. Das Problem ist aber: Viele dieser Richtlinien sind freiwillig. Gesetze gibt es nur auf nationaler Ebene. International fehlt es noch an verbindlichen Instrumenten, um die Meere zu schützen. Deshalb setzt Christopher Zimmermann vor allem auf ein Umdenken in Einzelhandel und der nationalen Gastronomie.

"Denn wenn ich ein Endkunde bin und ich möchte 400 Gramm Kabeljaufilet kaufen, dann kann ich mit meinem Händler schlecht anfangen zu handeln, ob der lieber aus der Nord- oder aus der Ostsee kommen sollte. Der Handel hat andere Möglichkeiten, kann von seinen Quellen verlangen, dass sie nachweisen, aus welchem Bestand oder Fanggebiete genau der Kabeljau kommt. Deswegen ist es aus meiner Sicht viel effektiver, den Handel in die Verantwortung zu nehmen und die eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln zu lassen."

Damit der Kunde an der Ladentheke erfährt, woher der Kabeljau kommt, den er gerade kaufen will, gibt es inzwischen neue Waagen, die computergesteuert Informationen zu Fanggebieten und Fischbeständen liefern. Vom Display aus kann der Verkäufer über Internet auf eine Datenbank des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zugreifen. Auf einem eigenen Fischerei-Portal im Internet sollen bis 2012 außerdem Daten zu 130 Fischbeständen vorliegen. Allerdings kann es noch dauern, bis die nationalen Daten mit denen der Welternährungsorganisation FAO koordiniert werden.

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