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StartseiteUmwelt und VerbraucherManchmal nur schöner Schein06.01.2015

NachhaltigkeitsberichteManchmal nur schöner Schein

Serie "Nachhaltig Wirtschaften"

Wir tun etwas für die Allgemeinheit und für die Umwelt - mit diesem Tenor verfassen viele Unternehmen Nachhaltigkeitsberichte. Darin stehen Einzelheiten zum ökologischen Fußabdruck der Firma, zu Ressourcenverbrauch und Luftverschmutzung. Vieles liest sich schön, doch was genau sagen die Berichte aus?

Von Silke Hahne

Für Nachhaltigkeitsberichte gibt es keine verbindlichen Standards (picture alliance / dpa / Ismo Pekkarinen)
Für Nachhaltigkeitsberichte gibt es keine verbindlichen Standards (picture alliance / dpa / Ismo Pekkarinen)

Berichte über Nachhaltigkeit fangen manchmal schon im Kleinen an: Knallgelb und plakativ - an der Bushaltestelle „Post Tower" direkt vor der Konzernzentrale stimmt die Deutsche Post ihre Besucher und andere Fahrgäste auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit ein: Elektrofahrzeuge, CO2-neutraler Paketversand, Klimaschutzprojekte sind die Stichworte auf den Plakaten und GoGreen - heißt es zusammengefasst im Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens. Die Vorhaben zum CO2-Ausstoß zum Beispiel fasst Christof Ehrhart, Leiter des Bereiches Unternehmensverantwortung, so zusammen:

"Wir haben ein CO2-Effizienzziel fürs Jahr 2020 formuliert. Wir wollen unsere CO2-Effizienz um 30 Prozent - basierend auf 2007 - reduzieren. Und jetzt gehen wir in eine Phase, wo es um andere Fragestellungen geht und wo man nicht nur den CO2-Ausstoß pro entsprechender, ich sag mal Serviceeinheit oder Logistikdienstleistung reduziert, sondern wo man sich über Investitionen in völlig neue Produkte und auch Infrastruktur unterhalten muss."

Kritisch auf Greenwashing überprüfen

Seit etwa einem Jahr testet die Post in Bonn eine Fahrzeugflotte mit alternativem Antrieb - entworfen in Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen. In solche Projekte zu investieren, ohne den künftigen ökonomischen Nutzen genau zu kennen - bei Nachhaltigkeitsberichten im Allgemeinen ein gutes Zeichen - so Georg Müller-Christ, an der Universität Bremen Professor für Nachhaltiges Management. Darauf kommt es an, wenn man Nachhaltigkeitsberichte kritisch unter die Lupe nimmt:

"Ich würde immer darauf achten, auf die Informationen, die verdeutlichen, dass Unternehmen über die Effizienzhürde springen und sagen: 'Wir investieren jetzt einmal - in Energieeinsparungen oder in die Mitarbeiter. Wir wissen aber nicht genau, ob es sich mittelfristig rechnen wird.' Dann sind Unternehmen auf dem richtigen Weg. Wenn Sie immer nur hören, dass sie dadurch Kosten gespart haben und dass sich das rechnet, dann machen sie nur das, was sie sowieso immer machen. Da brauchen sie keinen Nachhaltigkeitsbegriff für."

Denn Rationalisieren sei eine ur-unternehmerische Aufgabe - dem ein grünes Mäntelchen umzuhängen, Greenwashing. Die Post bewegt sich aus diesem Blickwinkel in einem Graubereich. Was die Investitionen in CO2-neutralen Transport und auch Bildungs- und andere soziale Projekte angeht, investiert sie rein wirtschaftlich gesehen ohne erkennbaren mittelfristigen Nutzen. Trotzdem verfolgt sie damit auch ökonomische Ziele, das Unternehmen hat dafür den Begriff "Shared Value" eingeführt. Zitat aus dem Nachhaltigkeitsbericht:

"Shared Value bedeutet, dass wir durch den Beitrag, den wir für die Gesellschaft und den Erhalt der Umwelt leisten, auch unseren unternehmerischen Erfolg vergrößern."

Denn auch Aktionäre lesen Nachhaltigkeitsberichte, und die interessiert eben vor allem, was im Jahresabschluss unterm Strich steht. Kein Unternehmen wird gezwungen, einen Nachhaltigkeitsbericht zu verfassen - und in der Freiwilligkeit liegt ein Problem. Die Unternehmen dürfen in die Berichte hineinschreiben, was sie wollen.

UNO gibt Standards vor

Viele halten sich trotzdem an Standards, wie sie zum Beispiel die "Global Reporting Initiative" - kurz GRI - herausgibt. Die Initiative wurde unter anderem vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen mitgegründet. Sie veröffentlicht sowohl Leitfäden für Anfänger als auch ausgefeilte Standards. Der zuletzt aktualisierte heißt G4, darauf stellen viele große Unternehmen derzeit um, auch die Post. Ein anspruchsvolles Vorhaben, unter anderem deshalb, weil auch die Nachhaltigkeit externer Dienstleister dokumentiert werden muss - und davon hat die Post Zehntausende:

"Viele sind wahrscheinlich gar nicht mal Unternehmen im westlichen Sinne, sondern das sind kleine Logistikpartner: Ein Fahrer, ein Fahrzeug - in Asien, im Nahen, Mittleren Osten. Da einfach mal anzurufen und zu fragen: 'Wie ist denn eigentlich dein CO2-Ausstoß?' - Dafür muss man Reporting-Systeme aufbauen. Man muss die Validität der Daten sicherstellen."

Vor dem Hintergrund solcher Datenmassen versteht auch der Professor Georg Müller-Christ, dass sich manche Unternehmen noch sträuben, Standards wie die der GRI zu erfüllen.

"Das ist so ein bisschen der Versuch: Legt alles offen! Wo sind die Quellen für Nebenwirkungen auf Mensch und Natur, wo habt ihr etwas versteckt, das einen Schaden für alle verursachen könnte? Aber mit den Daten selber kann man so wenig anfangen, weil es keine Sollgrößen gibt. Niemand sagt, was ist denn eine gute Größe - und was ist denn eine schlechte Größe?"

Aus dem Vergleich der Unternehmen ergebe sich das noch sehr selten.

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