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StartseiteVerbrauchertippPauken in den Ferien22.06.2017

NachhilfePauken in den Ferien

Endlich Sommerferien: In den ersten Bundesländer beginnt die unterrichtsfreie Zeit - außer für Kinder, die Nachhilfe bekommen. Die Lerninstitute werben dafür mit besonders günstigen Preisen. Doch viele Pädagogen sehen Ferienkurse kritisch.

Von Maike Strietholt

Ein Neunjähriger schreibt in ein Schulheft (Imago)
In den Ferien kann man Verpasstes nacharbeiten, sollte sich aber auch von der Schule erholen (Imago)
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Helge Pepperling, erster Vorsitzender des Lehrerverbands Hamburg, hat zu Nachhilfeunterricht in den Ferien eine grundkritische Haltung:

"Wo sowieso Lerndefizite sind oder Lernbehinderungen sind oder gerade eine Entwicklungsphase, in der Schüler nicht lernen wollen, ist Nachhilfe absolut nicht sinnvoll. Und gerade wenn es um Bezahlung geht, wollen Nachhilfelehrer ja auch Erfolge sehen, damit sie die Berechtigung nachweisen - das belastet Schüler häufig. Denn gehen sie in die Nachhilfestunde und stellen dort fest: Sie verstehen es unter Umständen auch nicht richtig."

Und dann baue das weiteren Druck auf, der im schlimmsten Fall zu einer totalen Verweigerungshaltung führen könne. Solche Schüler bräuchten eher eine kontinuierliche Begleitung in der Schule, betont Pepperling - oder aber im Zweifel eine Klassenwiederholung oder einen Schulwechsel.

In anderen Fällen könne Nachhilfe aber durchaus sinnvoll sein, etwa um "Schüler, die wegen Krankheit oder Umzug oder so etwas was versäumt haben, auch in den Ferien mit Nachhilfe zu versorgen", sagt Pepperling. "Da geht es um an sich lernfähige oder lernbereite Schülerinnen und Schüler, die dann gefördert werden können."

Zumindest, solange die Freizeit nicht zu kurz kommt - schließlich ist Ferienzeit auch als Erholungszeit wichtig. In welcher Form die Nachhilfe dann stattfinden sollte, hänge schlichtweg vom Lerntypus des Kindes oder Jugendlichen ab - sagt Fredrik Dehnerdt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Hamburg:

"Wenn es dann um die Frage geht, ob man das mit Privatleuten macht oder mit Instituten, einzeln oder gemeinsam - das sollte man auch durchaus mit dem Kind gemeinsam zu besprechen. Bildung ist ja auch ein individueller Prozess, da muss jedes Kind in seiner Entwicklung herausfinden: Wie lerne ich als Person am Besten?"

Kostenlose Probestunden nutzen

Ob Lernen gelingt, hängt außerdem stark von einem "guten Draht" zwischen Schüler und Nachhilfelehrer ab. Am besten lässt sich das in einer Probestunde herausfinden, die viele Institute kostenlos anbieten - Carolin Semmler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen:

"Bevor man sich festlegt, sollte man sich verschiedene Institute ansehen - da gewinnt man schon mal den Eindruck von den Räumlichkeiten, der Atmosphäre des Instituts. Ein gutes Institut zeichnet sich zum Beispiel dadurch aus, dass vorab das Leistungsniveau der Schüler abgefragt wird. Und dass die Gruppengröße nicht zu groß ist - wir sagen immer: So maximal fünf Schüler. Es ist auch gut, wenn das Institut darauf achtet, dass man ein halbwegs homogenes Leistungsniveau in so einer Gruppe besteht."

Seriöse Institute arbeiten zudem ausschließlich mit fachlich und pädagogisch ausgebildeten Kräften. Im Privatbereich können auch ältere Schüler oder Studierende gute Lehrer sein - hier ist der Vorteil, dass sie der Lebens- und Prüfungsrealität der Schüler meist näher sind.

Aufgepasst beim Kleingedruckten in Verträgen

Carolin Semmler von der Verbraucherzentrale rät außerdem, die bei kommerziellen Anbietern üblichen Verträge genau unter die Lupe zu nehmen - die enthalten nämlich häufig unzulässige Klauseln:

"Was oft vorkommt ist, dass Termine nur unter Vorbehalt vergeben werden - zum Beispiel nur dann, wenn Lehrer verfügbar sind. Oder dass Gruppen ohne weitere Ankündigungen oder Rücksprache umstrukturiert oder aufgelöst werden dürfen, wenn die Gruppengröße nicht erfüllt ist - solche Klauseln sind in der Regel unzulässig."

Kosten für Nachhilfe liegen im Privatbereich zwischen sieben und 25 Euro pro Unterrichtseinheit, Institute sind meist deutlich günstiger: Bei den großen Anbietern kostet ein Ferienkurs von zehn mal 45 Minuten im Komplettpreis gerade einmal 40 Euro.

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