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Seit 02:05 Uhr Kommentar
StartseiteKultur heuteAuswärtiger Kulturpolitiker und Kunstfreund 18.03.2016

NachrufAuswärtiger Kulturpolitiker und Kunstfreund

Unter Guido Westerwelle wurde die Außenkulturpolitik keinen Doktrinen untergeordnet. Sie blieb unabhängig und eigenständig. Zum 50. Jahrestag des Elysée-Vertrags 2012 sagte Westerwelle in Paris: "Wir sollten auch auswärtige Kulturpolitik stärker als europäische Gestaltungsaufgabe begreifen."

Von Michael Köhler

Ein Foto von Guido Westerwelle steht am 18.03.2016 auf einem Tisch neben einem Kondolenzbuch im Eingangsbereich des Thomas-Dehler-Haus in Berlin.  (dpa / picture alliance / Gregor Fischer)
Ein Foto von Guido Westerwelle steht am 18.03.2016 auf einem Tisch neben einem Kondolenzbuch im Eingangsbereich des Thomas-Dehler-Haus in Berlin. (dpa / picture alliance / Gregor Fischer)
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Ein Fototermin mit Regisseur Volker Schlöndorff im wiedereröffneten Goethe-Institut Tansania gehört zu den schönen Pflichtterminen eines Außenministers, der auch für Auswärtige Kulturpolitik zuständig ist. Immerhin macht die seit Willy Brandt sogenannte dritte Säule der Außenpolitik ein Viertel des Etats des Auswärtigen Amtes aus.  Doch Staat lässt sich kaum damit machen. Die "taz" warf  Außenminister Guido Westerwelle noch 2010 mangelnde "kreative Energien" vor. Dabei  hat er unter erschwerten Bedingungen, wie Haushaltskürzungen, die Struktur der Mittlerorganisationen aufrecht erhalten. Er hat Programme des Goethe-Instituts ermöglicht, wie "Deutschlandwochen", "Afrika - Initiative" und "PASCH", ein Programm, das Partnerschulen im Ausland beim Deutschunterricht unterstützt.  Aber auch das Auswärtige Amt musste sparen. Entsprechend auch die Kultur des Ressort, sie konnte nicht ausgenommen werden. Im Zuge der Haushaltskürzungen wurde dem Berliner Haus der Kulturen eine Viertelmillion gestrichen. Filialschließungen des Goethe-Instituts gab es unter Westerwelle nicht. 

Er konnte außen-kulturpolitisch nicht brillieren, aber stabilisieren. Er übernahm von Frank-Walter Steinmeier das Ressort, der aus der Auswärtigen Kulturpolitik wieder was machte, nachdem Joschka Fischer ihr nur die kalte Schulter gezeigt hatte, um es höflich zu sagen. Unter Westerwelle wurde die Außenkulturpolitik keinen Doktrinen untergeordnet. Sie blieb unabhängig  und eigenständig. Kurz, der rheinische Kulturbürger Westerwelle erhielt - soweit es ging - die Strukturen, hatte aber als Kultur-Managerin die farblose Staatsministerin Cornelia Pieper im Auswärtigen Amt. Seine Initiative zur Förderung der deutschen Sprache war auch nicht sonderlich innovativ, so dass der Vorwurf mangelnder Kreativität nicht unbegründet erscheint. 

Aber andersherum wird ein Schuh draus. Der Kunstfreund Guido Westerwelle hat die Auswärtige Kulturpolitik vor zumutungsreichen Eingriffen  bewahrt und die Schwächung des Bundestags-Unterausschusses verhindert.  Deutschtümelei kann man ihm nicht vorwerfen, nur weil er gern Sprachprogramme förderte.

Er ist mit seiner Liebe zur Bildenden Kunst nie hausieren gegangen. Es war bekannt, dass er sammelte und etwa den deutschen Maler Neo Rauch sehr schätzt. Er hat nicht wie Gerhard Schröder den Maler Jörg Immendorff auf eine  Reise mit nach China genommen, weil das prima ankommt. 

Er hat seine passionierte Nähe zur Kunst nie im Amt überbetont. Auf Ausstellungseröffnungen in Köln, Duisburg, Berlin und Leipzig war er regelmäßig zu sehen. Mit Markus Lüpertz verband ihn eine Duz-Freundschaft.  Man mag die Illustration des Grundgesetzes durch den Bildhauer und ehemaligen Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie für kitschig halten. Aber Außenminister Westerwelle besuchte den Maler, Dichter und Bildhauer regelmäßig im Atelier. Über wie viele Außenminister lässt sich das sagen?  

Zum fünfzigsten Jahrestag des Elysée-Vertrags 2012 sagte Westerwelle in Paris: "Wir sollten auch auswärtige Kulturpolitik stärker als europäische Gestaltungsaufgabe begreifen."  Das mag papiern nach Politikersprech klingen.  Aber der Liberale Guido Westerwelle hat Kunst und Kultur als ein europäisches Verständigungsmedium, als Ausdruck begrüßenswerter Vielfalt verstanden.  Wer miterlebt hat, wie oft, ernsthaft und leidenschaftlich er seine Zeit den Künsten gewidmet hat, darf das glauben.

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