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StartseiteBüchermarkt"Nachtgedanken"15.01.2006

"Nachtgedanken"

Nachgelassene Prosatexte und Gedichte von Marlene Dietrich

Als die Nachricht kam Marlene Dietrich sei am 6. Mai 1992 gestorben, begannen gerade die Filmfestspielen von Cannes. Die französischen Zeitungen trugen kräftig Trauer und behandelten den Tod des einzigen deutschen Weltstars wie eine französische Staatsaffäre. Das Palais du Festival in Cannes blieb zwei Wochen lang geschmückt mit einer gigantischen Portraitaufnahme von Marlene Dietrich aus Josef von Sternbergs Film "Shanghai Express".

Von Josef Schnelle

Marlene Dietrich im Jahr 1933 (AP Archiv)
Marlene Dietrich im Jahr 1933 (AP Archiv)
<p>Sie hatte ja auch zwölf Jahre in Paris gelebt Jahre - zurückgezogen in ihrem Appartement - So war sie gewissermaßen "französisches Kulturgut" geworden. Vielen Verehrern gilt der konsequente Rückzug des Weltstars aus der Öffentlichkeit noch immer als Rätsel. Maria Riva, Marlene Dietrichs Tochter, heute 81 Jahre, hat eine ganz einfache Erklärung.<br /><br />&quot; Sie hatte genug von Dietrich. Dietrich war unser Produkt. Wie ne Schachtel Korn Flakes so hatten wir Dietrich. Sie hatte genug. Es war eine furchtbare Arbeit, eine lebende Legende zu sein.&quot;<br /><br /><strong> Samstag, den 25.8.84</strong><br /><em> Es ist ein einsamer /Nachmittag/Ich sehe/ Geranien blühen/ und es ist/kein einziger Mensch/ In Sicht/Und ich weiß/ Einen/Ort/ Wo es ruhig ist/Und /Wo nie jemand/Kommt vorbei/ Avenue Montaigne 12 Apartment Nummer 4 G Zwei </em><br /><br />Einer von Marlene Dietrichs "Nachtgedanken", nachgelassene Prosatext und Gedichte, verfasst im selbst gewählten "inneren Exil", die Maria Riva jetzt herausgegeben hat. <br /><br />Maria Riva: <br />&quot; Sie hatte immer so geschrieben. Die Zettel kamen an mit der Post. Oder sie hat mir vorgelesen. Sie hat mich angerufen um drei Uhr frühmorgens und hat gesagt: Ich hab eben an Ronald Reagan gedacht. Da hab ich gesagt ja. Und da sagt sie: Warum tu ich das? Vielleicht hast du ihn gesehen am Fernsehen oder irgendwas in der Zeitung gelesen. Und das war im Kopf.&quot;<br /><br />Marlene Dietrich litt in den Pariser Jahren an extremer Schlaflosigkeit. Die Erinnerungen ließen sie nicht zur Ruhe kommen. Dann gab sie oft die Nacht verloren, knipste ihre Nachttischlampe aus Alabaster an, nahm ein Blatt von einem bereitliegenden Stapel Papier und schrieb nieder, was sie gerade bewegte. Manches tippte sie auch auf der Hermes-Schreibmaschine, die der Dramatiker Noël Coward, einer der Männer ihres Lebens, ihr vermacht hatte.<br /> <br /><strong><em> Geh schlafen </strong>/Damit dein rastloser/Verstand/ Nicht wieder/Überstunden macht/ geh einfach Schlafen/Nimm Tabletten/Nimm Liebe/Wenn du welche kriegen kannst/ und schlaf/In Armen/ Oder einsam/Ohne jemand/ Der dich hält/Aber geh schlafen/Du wirst schon noch/Da sein am Morgen</em><br /><br />Die legendäre Stimme der Dietrich. Auch sie war verstummt nach Film- und anschließender Showkarriere, als sich Marlene Dietrich mit 75 Jahren in ihre Appartementgruft zurückzog. Keine Photos mehr. Nur manchmal glaubte ein Reporter, sie verschleiert beim Einkauf beobachtet zu haben. Sonst hörte man nichts von Ihr, während sie abhängig wurde von Schlaftabletten und vom Alkohol. Nur Maximilian Schell gelang es 1984, sie noch einmal zum Sprechen zu bringen. Für seinen Film "Marlene" erklärte sie sich zu Interviews bereit. Ohne Kamera. Nur ein Tonband sollte laufen. Doch der Film beginnt mit dem Wort "No" und ist das Dokument einer Verweigerung. <br /> <br />Ohne ersehbaren Grund, nicht einmal für mich, rebellierte ich, statt zu kooperieren. Ich hatte einen Vertrag unterschrieben, ich wusste was mir blühen konnte. Ich war fast ein Miststück. Er hat mir inzwischen verziehen.<br /><br />Marlene Dietrich&quot; Da kann man doch nicht dran glauben, dass die da oben rum fliegen. Dass ist doch nur um zu trösten. Stellen sie sich mal vor all die Toten aus den Kriegen. Da ist doch gar kein Platz. Kann man doch nicht glauben, so etwas.&quot;<br /><br />Maria Riva<br />&quot; Ich sage immer: die Geschichte von Marlene Dietrich ist eine Tragödie, eine griechische Tragödie. Um so schön zu sein und so berühmt zu sein und so intelligent und so klug. Sie war doch mehr als ein Movie-Star. Movie-Star war doch bloß ihre Arbeit. Das war doch nicht wirklich die Dietrich. Und dann das kaputt zu machen, ist eine große Tragödie./MD34 Ich hatte sehr viel Mitleid mit dieser Frau. Aber Alkoholiker sind meistens Aggressiv weil sie Wut haben über sich selbst. Sie sehen was sie verlieren und können es nicht mehr gut machen.&quot;<br /><br /><em> Wenn/Mein Herz/Nicht mehr /Schlägt/ Wird es in aller Welt/ Gehört/Und nach/ Zwei Tagen/ Ist es vergessen/Wie /Alle/Die/Verblassten/ Namen/ Die man/ Zuvor/ Verehrt/ Hat </em><br /><br />Viele von Marlene Dietrichs Nachtgedanken sind getränkt in Selbstmitleid und es sind größtenteils "Nach-Gedanken", Blicke zurück. So als habe sie mit dem Einzug in das Pariser Appartement, aufgehört ein authentisches Leben zu leben. Stattdessen ordnet sie die Erinnerungen an mehr als 40 Menschen, die in ihrem Leben eine Rolle gespielt haben. An <br />Ernest Hemingway, Noel Coward, Burt Bacharach, Erich Maria Remarque, Orson Welles und Billy Wilder zum Beispiel und an Jean Gabin:<br /><br /><strong><em> Jean Gabin </strong>- Wo bist du - / Atem, den/ ich liebte/Herzschlag/den meine/Liebe liebte/Und mit dem Schlagen/Deines Herzens/Atmete/Wo bist du,/Liebe meines Lebens/Die so lange währte</em><br /><br />Die leidenschaftliche Affäre mit dem bodenständigen französischen Schauspieler Jean Gabin währte zehn Jahre. Sie begann 1938 in Hollywood. Nur einen einzigen Film drehten die so gegensätzlichen Superstars miteinander. Marlene Dietrich soll Gabin in ihrem gemeinsamen Haus in den Hügeln von Brentwood oft mit den Pantoffeln in der Hand sehnsüchtig erwartet haben. Er war die große Liebe ihres Lebens:<br /><br /><em> Ich kann nicht sagen, was all die Frauen, die er begehrte, wie betrunkene Schmetterlinge taumeln ließ. Sein Aussehen? Seine Augen? Seine Stimme? Ganz bestimmt nicht sein Aussehen! Was man sein Fluidum nennt. In anderen Sprachen kenne ich ein paar Ausdrücke - aber im Englischen fehlen mir die Worte. Im Französischen sagt eine Frau: "Je craque - Ich werde schwach."</em><br /><br />Maria Riva: <br />&quot; Dietrich hatte ein Talent. Das ist unglaublich. Wenn ein Mann sucht eine Frau, die wie eine Mutter ist, war sie Mutter. Wenn der Mann suchte eine schöne Frau, die intelligent ist, war sie das. Wenn er sucht eine Frau, die dasitzt und ihn anbetet, war sie das. Sie konnte sich wechseln in einer Sekunde. Nicht mit Gedanken, es war automatisch. Das ist warum ihre Stärke so unglaublich war.&quot;<br /><br /><strong><em> Maurice Chevalier </strong> - Ein passender Name! Er war mehr als galant. Ein um so größerer Vorzug, weil selbst erworben. Ein trauriger Mann mit gelegentlichen Anflügen von Humor. Wie einmal, als wir alle von den Studiobühnen rannten, weil die Erde bebte. Er stand vor seiner Garderobe, zog mich in seine Arme und sang: "Let's die together - mon amour."</em><br /><br />Die Zahl der Liebhaber, die Marlene zugerechnet werden ist Legion. Manche wurden ihr zugedichtet, wie Ernest Hemingway, mit dem sie nur eine tiefe Freundschaft verband oder Maurice Chevalier, der Anfang der 30er Jahre in Hollywood ebenso fremd war wie die junge deutsche Schauspielerin. Die Garderoben der beiden Stars der "Paramount" lagen jedenfalls nebeneinander und ein trauriges Abschiedsmemento ist auch ihm gewidmet. <br /><br /><strong><em> Maurice Chevalier </strong> - Hast du/nicht bemerkt/ Dass ich wie erschlagen war?/Dass ich nicht/ Schlafen/Konnte/Hast du es/ nicht bemerkt?/ Wo ist dein Gespür geblieben/ Vor eine Weile noch hast du es bemerkt</em><br /><br />Marlene Dietrichs Nachtgedanken entführen mit kurzen Prosaskizzen, Starportraits im Bild und Gedichten in die große Zeit Hollywoods von den 30ern bis in die 50er Jahre, als dort die Stars herrschten und nicht die Spezialeffekte. Von der Leichtigkeit des Star-Seins in Las Vegas kündet der Song von Dietrich-Freund Frank Sinatra.<br /><br /><strong><em> Frank Sinatra </strong> - Einer der sanftesten Männer, die ich kannte. Selbst in seiner Jugend war er weise wie ein Orakel. Im Privatleben konnte er mit persönlichem Charme alle Objekte seiner flüchtigen Begierde erobern. Er mühte sich nie vergeblich - wenn von Mühe überhaupt die Rede sein kann. Mühe gaben sich die anderen. Er ist zu intelligent, um bescheiden zu sein. Aber diese grässlichen Frauen.</em><br /><br />Nicht alle Männer kommen gut weg in Marlene Dietrichs Poesiealbum. Auch hatten längst nicht alle Erfolg bei ihr. Meist schweigt sie gnädig. Aber manchmal setzt sie zur bösen Bemerkung an. Die mit Abstand schlechtesten Noten bekommt jedenfalls Charly Chaplin.<br /><br /><strong><em> Charlie Chaplin </strong> - Im richtigen Leben war er überhaupt nicht komisch. Ziemlich langweilig mit all seinen Geschichten über sexuelle Eroberungen. Zwecklos, ihm ein gutes neues Buch zu bringen. Er würde sich wegdrehen wie ein beleidigtes Kind. Er liebte seinen Ruhm auf fast kindliche Weise.</em><br /><br />Maria Riva<br />&quot; Die wollten immer sie heiraten. Es war richtige Liebe. Es war nicht bloß über Nacht oder für einen Monat oder ein Weekend. Die haben ihr immer einen Ehering gegeben. Sie hatte da eine Schachtel. (es war meine Arbeit als Kind die zu ordnen) und sie hat sie nie getragen.&quot;<br /><br /><em> Der Unterschied/Zwischen/ den schlecht Geküssten/ und den/Gut Geküssten/ Zeigt sich/Immer/in/ Den Stunden/Den Tagen/Ohne Liebe/ Und die schlecht Geküssten/ Irren stets/ Umher</em><br /><br />Dass Marlene Dietrich den Hosenanzug in Hollywood einführte und auch Frauen liebte, ist allgemein bekannt. In den "Nachtgedanken" bekundet sie tiefen Respekt und Bewunderung für ihre selbstbewusste Kollegin Mae West und erweist auch Simone Signoret die Ehre. Die bewegendste Geschichte aber erzählt von Edith Piaf.<br /><br /><strong><em> Edith Piaf </strong> - An einem sonnigen Morgen musste ich ihr die Nachricht überbringen, dass ihr Geliebter Marcel Cerdan bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist. Ich zitterte vor Angst - sie starrte nur in den klaren Himmel. Am Abend sollte sie in einem berühmten New Yorker Nachtklub singen und ich wartete auf die Anweisung von ihr, den Auftritt abzusagen. Sie wollte nichts davon wissen. Auf der Fahrt in den Klub flehte ich die Piaf an, ihr berühmtes Lied "Hymne a l'amour" mit der Zeile "Wenn du stirbst - sterbe auch ich" an diesem Abend wegzulassen. Sie schüttelte nur den Kopf. Ich stand in den Seitenkulissen. Im Dunklen liefen mir die Tränen. Ihr nicht.</em><br /><br /><strong><em> Vollmond </strong> - Ich hab's mir immer/Schon gedacht/der Vollmond/ Macht/ Mädchen/Schwach/Der Vollmond/ macht Frauen/Verrückt!/ zumindest/ ist das ihre Entschuldigung/Wenn sie etwas/Merkwürdig/Ungewöhnliches/Tun/ Männer sind /Gegen Vollmond/Immun/Hab ich zumindest gehört!/ Ein Vöglein hat/mir zugezwitschert/Hab Acht!/ Auf das/Sonderbare/ Verhalten von Frauen</em><br /><br />"Nachtgedanken" ist nicht nur eine Sammlung von Portraits, in denen Marlene Dietrich die wichtigsten Menschen ihres Lebens Revue passieren lässt. Manchmal kommt sie auf allgemeine Themen zu sprechen. Zum Beispiel auf den Oskar. Sie war nur einmal nominiert für "Morocco" von Josef von Sternberg. Bekommen hat sie ihn nie. Daher das folgende ironische Gedicht. <br /><br /> Hollywood Academy Awards - Komm und hol ihn!/ Kommst du nicht/Kriegst du ihn nicht!/ Du kannst kriechen/Krabbeln/ Rollstuhlfahren/Bist du nicht/da/Kriegst du ihn nicht!/Bei Henry Fonda/ Nimmt es mich Wunder/Wie ihr/Durchgekommen seid/ Mit der makabren Peinlichkeit/ Sagt es bitte!/Oscar braucht/Immer einen Star/Der geht/Und spricht - hier bitte/Soviel ist klar/ Selbst auf Krücken wirst du entzücken/Drum/Komm und hol ihn!/Oscar/ Braucht noch immer einen Star/ Myrna Loy/Was your joy/ Jetzt stochert ihr Kopflos/Im Leeren herum/Und sucht einen Namen/der längst vergessen/aber noch willig,/Euer Locken erhört/"Komm und hol ihn1/ Und während ihr mauschelt/ Noch miteinander/Ruft's laut und vernehmlich/Im Durcheinander/"Nota Bene/ nehmt doch Marlene."<br /><br />Marlene Dietrich: <br />&quot; Quatsch die Garbo hat's auch nie bekommen. Dann gibt's noch den Todesoskar. &quot;<br /><br />Als Marlene Dietrich 1960 noch einmal nach Berlin kam, wurde sie von Willy Brandt empfangen. Aber vor dem Titania-Palast paradierten Demonstranten mit Schildern wie "Marlene go home" oder "Hau ab". Viele unverbesserliche Deutsche wollten ihr immer noch vorwerfen, dass sie in amerikanischer Uniform, Truppenbetreuung betrieben hatte. Als überzeugte Gegnerin des Nazi-Regimes. <br /><br /><em> Wegen Hitler änderte ich meine Meinung über die Nichtexistenz von Himmel und Hölle - aber natürlich in Bezug auf das Letztere. Die Hölle war die einzige angemessene Strafe für die abscheulichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die großen Philosophen, Dichter, Schriftsteller und Schöpfer des magischen, die das seltene Glück hatten seinem Hass zu entkommen - die ewigen Juden ziehen nun anderswohin. Auch die neue Generation wird niemals ganz zur Ruhe kommen. Schatten sind lang.</em><br /><br />Die Rückkehr nach Deutschland für ein paar Shows war für die Dietrich eine widersprüchliche Erfahrung. Die Liebe zu Berlin war geblieben und so singt sie für Maximilian Schnell in dessen Interviewfilm "Marlene" noch einmal alle Berlinlieder hintereinanderweg. <br /><br /> "Faule Eier oder Rosen für Marlene Dietrich?" fragte im März 1960 bei der Deutschlandtournee die Hamburger Morgenpost. Die Hamburger entschieden sich.<br /><br />Maria Riva:<br />&quot; Da hat sie mich angerufen. Was denkst du? Die haben mir ein Ei ins Gesicht geworfen. Und in die Perücke. In das Haar. Jetzt muss ich das Haar waschen. Du wirst es waschen. Ich schicke dir die Perücke.&quot;<br /><br />Ohne Josef von Sternberg keine Marlene Dietrich und natürlich auch kein Marlene-Dietrich-Buch. Von Sternberg hatte die junge Schauspielerin 1929 entdeckt und sie in seinem Film "Der blaue Engel" als kapriziöse Lola besetzt. Sieben weitere Filme drehte er mit ihr, schuf bis hin zu Kleidung, Gestik und Sprachmanierismen die Marke "Marlene Dietrich" und verhalf ihr zur märchenhaften Hollywoodkarriere. Er schrieb Postkarten auf denen stand "Für Marlene - was bin ich schon ohne dich." Aber er ließ sie immer spüren, dass er sie als sein Geschöpf betrachtete. "Ich wünschte ich könnte all die Geheimtaschen deiner Seele ausräumen." schreibt Marlene Dietrich in einem traurigen Gedicht und urteilt über ihren Entdecker so:<br /><br />Der Mann, dem ich am meisten gefallen wollte. Ich liebte und achtete ihn. Ich beugte mich seinem ungewöhnlich dominanten verhalten, und ich bewunderte und verehrte sein Wissen und seine Klugheit. Sie waren der Grund für sein schwieriges Leben. Ja, ich weinte viel. Er sagte dann immer: "Räumt das Set. Geht alle zu Tisch. Miss Dietrich weint wieder."<br /><br />Am Ende muss die Rede noch auf Maria Riva kommen. Dietrich-Tochter und Herausgeberin dieses Buches. Sie hat ihre Last mit dem Leben als Tochter der berühmten Hollywooddiva schon vor einigen Jahren in einer Autobiografie abgearbeitet. Auf dem Photo, das sie für das Kapitel "Maria" ausgewählt hat, steht sie als freches, aufgewecktes Mädchen von etwa 10 Jahren im Badeanzug vor ihrer Mutter, erzählt ihr irgendetwas. Fühlte sie sich jemals geliebt in dieser Kunstwelt am Pool in Hollywood. Oder war sie das Geschöpf der Kunstfigur Dietrich?<br /><br />Maria Riva:<br />&quot; Sie hat immer gesagt: Ich hab dich gemacht. Das Haar ist ein bisschen zu dünn, verzeih mir. Deine Knochen sind auch nicht schön genug. Ein Rennpferd hat sehr kleine Knochen. Deine Knochen sind zu groß.&quot;<br /><br /><strong><em> Maria Riva </strong> - Maria/ ich wünschte/ ich wäre Heine/ Um Dir/ Zu sagen/ Du bist/ Die Eine/Die mir/ Am Herzen liegt/Die Zeit verfliegt/Aber Du/Bleibst/ Die Eine/Die mir /Am Herzen liegt.</em><br /><br />Mit einer Hand voll gefühlsseliger Liebesgedichte an die Tochter endet die Sammlung der "Nachtgedanken" aus den Zettelkästen der Marlene Dietrich. Ein schon gestaltetes Buch zum Schmökern und Staunen mit mancher Nachdenklichkeit und vielen Rätseln. Eine Göttin und sei es nur eine der Leinwand - ganz verstehen zu wollen. Das wäre ja auch ein zu verwegener Plan. <br /><br /><em> Marlene Dietrich: Nachtgedanken, hrsg. von Maria Riva. Aus dem Englischen von Reiner Pleiderer, 192 Seiten C. Bertelsmann 20 Euro - Rezensent: Josef Schnelle </em></p>

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