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StartseiteSport am WochenendeInternationales Austauschprojekt im Frauenfußball13.09.2014

NachwuchsfußballInternationales Austauschprojekt im Frauenfußball

Jordanien gilt als Vorreiter in der arabischen Welt, wenn es um den Frauenfußball geht. Im Zuge eines Austauschprojektes waren die Mädchen der U-16 Nationalmannschaft Jordaniens beim Bayrischen Fußball-Verband zu Gast.

Susanne Lettenbauer

Szene eines Freundschaftsspiels der jordanischen Nationalmannschaft gegen FC Bayern München in Amman (aufgenommen am 3. April 2014) (Foto: Florian Schiessl/FC Bayern München/dpa)
Zu Gast in Bayern: Die Jordanischen U-16 Nationalmannschaft der Frauen (Foto: Florian Schiessl/FC Bayern München/dpa)

Arabische Sprachfetzen fliegen über den Fußballplatz. Mit lauten Worten treibt die Trainerin ihre Mädchen an. 25 Spielerinnen laufen über den Rasenplatz. Trainiert wird das Zuspiel über die Ecke. Grellorangene Hütchen stehen auf dem Rasen. Die Mädchen - mit und ohne Kopftuch - schießen sich die Bälle scharf zu. Sie sind erstaunlich treffsicher, jonglieren mit dem Rund wie Mädchen von einem deutschen Sportclub. In zwei Jahren sollen die 14 bis 16jährigen für Jordanien den World Cup im Frauenfußball holen. Da ist noch viel zu tun, sagt die Trainerin Manar al-Fraj:

"Wissen Sie unsere U14, U16-Mädchen brauchen sehr viel mehr Training wie bisher, mehr Grundlagen, noch mehr Kenntnisse, das wollen wir hier üben. Gerade in dem Alter müssen wir das Training intensivieren. Wir bräuchten eigentlich mehr Unterstützung vom Verband und von den Familien für die Spielerinnen, aber wir versuchen unser Bestmögliches, um gut zu werden für Jordanien."

Einige Mädchen haben zum Training ihre langen dunklen Haare zu Zöpfen hochgebunden, andere tragen ein weisses Kopftuch zu den lilafarbenen Nationaltrikots.

"Es ist schon sehr verschieden hier zu Jordanien, die Temperaturen, der Rasenplatz, alles ist anders, daran mussten wir uns erst gewöhnen."

Jeeda lächelt. Training im Regen, das kannte sie vorher gar nicht, auch das Grün und der weiche Rasen auf dem Oberhachinger Platz waren neu für sie. Täglich mussten die Spielerinnen zwei Einheiten auf dem Trainingsgelände in Oberhaching absolvieren. Dazu ein Mini-Turnier gegen die U14-Regionalauswahlen West und Ost. Auch ein Training mit den U17-Juniorinnen des FC Bayern München stand auf dem Programm:

"Ich spiele seit fünf, sechs Jahren Fußball in einem Club, dann bin ich zum Nationalteam gewechselt...Ich habe früher immer meinem Vater zugesehen und wollte einfach mal selbst spielen. Irgendwann bekam ich dann die Möglichkeit. Ich mag das einfach. Ich habe immer mit meinen Cousins Fußball gespielt und wollte irgendwann in einem Club dabei sein. Dort begann ich mit dem Training und wechselte dann zum Nationalteam. Ich mag Fußball sehr gern."

Meena trainiert mit einem weißen Kopftuch auf dem Oberhachinger Rasen. Bis vor einigen Jahren galt noch ein Kopftuchverbot der Fifa, die bekannte jordanische Nationaltorhüterin und Kapitänin der jordanischen Nationalmannschaft Reema Ramoniah hatte sich jahrelang für ein Ende des Verbotes eingesetzt, kürzlich beendete sie entnervt ihre Verbandstätigkeit und ging in die USA. Das Kopftuchverbot wurde mittlerweile auf Druck des Verbandes unter Vorsitz von Prinz Ali Bin Al-Hussein , dem Halbbruder des derzeitigen jordanischen Königs, aufgehoben. So haben auch Mädchen aus traditionellen Familien eine Chance in der Nationalmannschaft mitzuspielen. Im Frauenfußball nimmt Jordanien inzwischen eine Vorreiterrolle in der Arabischen Welt ein. Und das Potential ist sehr groß. 2005 gab es in Jordanien 30 Spielerinnen, heute schon über 2000, sagt Rana Husseini. Die frühere Torhüterin kämpft als Publizistin für die Rechte der arabischen Frauen und begleitet die Mädchenmannschaft auf ihrem Deutschlandbesuch:

"Die Familien in Jordanien sehen immer häufiger, dass es wichtig ist, auch die Mädchen zum Sport zu schicken und Fußball ist derzeit der beliebteste Sport bei uns. Die Eltern wissen mittlerweile, dass der Fußballverband und vor allem Prinz Ali gerade den Nachwuchs fördern will. Prinz Ali setzte sich auch dafür ein, dass Frauen mit Kopftuch spielen dürfen, denn es gibt Frauen, die möchten Fußball spielen, aber nicht ohne Kopftuch. Das ist jetzt erlaubt."

Für Rana Husseini ist die erst vor einigen Monaten unterzeichnete Zusammenarbeit mit dem bayerischen Frauenfußball eine wichtige Chance, um ihre jordanische Mannschaft an die Weltspitze zu bringen. Zuvor hatte im Rahmen der Kooperation zwischen dem Bayerischen Fußball-Verband (BFV) und dem Jordanischen Fußball-Verband (JFA) eine jordanische Schiedsrichterdelegation einen Einblick in die bayerische Schiedsrichterorganisation bekommen. Den Gästen aus Jordanien wurden die Strukturen und Arbeitsweisen des BFV vorgestellt. Künftig sollen regelmäßig Trainer und Trainerinnen in Bayern intensiv gecoacht werden.

Erst Ende April unterzeichneten BFV-Präsident Rainer Koch und Fadi Zureikat, Generalsekretär des jordanischen Verbandes, im Münchner "Haus des Fußballs" ein "Memorandum of Understanding" und legten darin die Eckpunkte der Zusammenarbeit fest. Dazu gehören ein Austausch von Juniorinnen-Auswahlmannschaften, Trainerkurse, ein Wissenstransfer im Bereich Administration und Organisation des Spielbetriebs, Schiedsrichterkurse und eine beratende Unterstützung bei der Ausrichtung der U17-Juniorinnen-WM 2016 in Jordanien Die Kooperation läuft zunächst bis zum 31. Dezember 2016, so Verbandspräsident Koch:

"Ich denke Jordanien ist innerhalb der arabischen Welt das Land, wo der Frauenfußball eine sehr interessante Entwicklung genommen hat. Prinz Ali ist da ein Vorreiter in der arabischen Welt, das macht Jordanien als Partner besonders interessant."

Im kommenden Jahr soll eine bayerische Mädchenmannschaft den Besuch in Amman erwidern, so lauten die Planung sagt Koch. Noch sei man am Anfang der Kooperation, aber die jetzt zu Ende gehende Trainingswoche mit den jordanischen Spielerinnen habe ein gutes Potential für die Zukunft aufgezeigt. Der bayerische Fußball wolle, so der Präsident, gerade in der derzeitigen angespannten politischen Situation im Nahen Osten viel zum gegenseitigen Verständnis beitragen:

"Im nächsten Schritt werden wir jetzt im November eine sechsköpfige Delegation nach Jordanien schicken, die dann dort die nächsten Schritte besprechen sollen und wir haben die feste Absicht, in der ersten Hälfte 2015 eine bayerische Mädchenmannschaft nach Jordanien zu schicken. Ich glaube es ist für uns unter sportlichen Aspekten sehr schön und es auch ein kleiner Beitrag dazu, dass Deutschland sich in der arabischen Welt zeigt und Angebote unterbreitet, wo wir mit Menschen zusammen kommen können und uns gut austauschen können."

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