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StartseiteVerbrauchertippWie der Einstieg ins Nähen klappt03.04.2018

Nähmaschinen und KurseWie der Einstieg ins Nähen klappt

Bunte Hosen für den Neffen, endlich ein perfekt sitzender Pullover oder gar das eigene Hochzeitskleid? Wer nähen kann, schafft Unikate. Aber das geht nicht ohne das nötige Zubehör. Anfänger allerdings können auf eine teure Ausrüstung vorerst verzichten.

Von Friederike Müller-Jung

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Ein Nähmaschine mit Tisch von Quelle aus dem Jahr 1966. (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)
Gibt es noch in vielen Kellern und auf vielen Dachböden: Nähmaschine mit Tisch aus dem Jahr 1966 (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)
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Vier Frauen sitzen an den beiden großen Holztischen im Atelier von Anastasiya Yablonsky. Sie arbeitet als Schneiderin und Modedesignerin in Siegburg bei Bonn. Zweimal pro Woche lädt sie zum Nähcafé: Hobbyschneider können in Gesellschaft nähen und erhalten professionelle Unterstützung.

Nelli Steinle will aus dem rosa Stoff ein Kleid für ihre Tochter nähen, mit einem grau-karierten Unterrock. Schon eher was für Fortgeschrittene. Anfängern rät Anastasiya Yablonsky zu einfachen Schnitten und Stoffen. Ihr Tipp:

"Nicht sofort mit einem Abendkleid anfangen. Oder die Stoffe, die kompliziert sind, zum Beispiel dehnbare Stoffe, würde ich nicht sofort nehmen. Ich würde nicht Seide oder ganz dicken Strick nehmen. Sondern so eine feste Baumwolle, wie zum Beispiel diese karierte."

Die Schneiderin empfiehlt: Im Stoffladen sagen, dass man Anfänger ist, und sich beraten lassen. Aus einer großen Kiste holt sie Modelle für Einsteiger: einfache Hosen, Röcke mit Gummizug an der Taille und verschiedene Taschen.

Schon innerhalb von fünf Stunden

"Solche Beuteltaschen mit Reißverschluss, mit Knöpfen. Und die Taschen generell sind perfekt für Anfänger. Das sind alles feste Stoffe, die liegen sehr schön, die rutschen nicht beim Zuschneiden oder beim Nähen." 

In fünf Stunden könne eine Anfängerin so eine Tasche nähen – oder natürlich ein Anfänger. Denn ab und zu kommen auch Männer ins Nähcafé. 

Was sie zum Nähen noch brauchen: Eine Stoffschere – wirklich nur für Stoff, denn dann bleibt sie lange scharf. Außerdem Stecknadeln und hochwertiges Garn, das nicht so schnell zerfasert. Und natürlich sie: die Nähmaschine. 

Welche Nähmaschine die richtige ist, hängt davon ab, was man damit nähen will. Attila Dallos arbeitet in Bonn als Nähmaschinenmechaniker. 300 Euro sollte man für eine gute Einsteiger-Maschine schon ausgeben, sagt er. Und sich gut beraten lassen. Denn es könnte eine Investition fürs Leben sein.

"Sie hängen dran. Und Sie kennen sich gegenseitig. Die Maschine kennt die Näherin, und die Näherin kennt ihre Maschine. Und es entsteht eine Beziehung. Deswegen, wenn jemand sowas kauft, soll er nicht so kaufen wie ein saisonales Paar Schuhe zum Beispiel, sondern dann muss er sagen: Ok, ich kauf mir eine Maschine, und ich bin mit ihr zusammen, 20, 25, 30 Jahre."

Keine eigene Maschine notwendig

Besonders wichtig sei deshalb auch, dass der Hersteller lange Garantie auf Ersatzteile gibt.

Wer zum ersten Mal näht, braucht noch keine eigene Maschine. Schneiderin Anastasiya Yablonsky rät: Erst mal ausprobieren – im Nähkurs, bei Freunden oder Verwandten. So hat es Ute Arenholz gemacht. Die Chemieingenieurin kommt regelmäßig ins Nähcafé in Siegburg. Sie erinnert sich noch gut an ihr erstes Nähprojekt:

"Es ist so, ich bin ziemlich groß und habe mich immer geärgert, dass ich keine Pullover bekomme, die halt die Ärmel lang genug haben. Und dann bin ich beim ersten Termin hier hingekommen mit einem Fleecestoff und hab daraus einen Pullover genäht."

Heute hat sie fast nur noch selbstgenähte Pullis im Schrank. Darauf ist sie stolz. 

"Das hab ich dann geschafft, das hab ich mit meinen eigenen Händen hergestellt. Und ich kann es halt auch jeden Tag zeigen. Das ist eigentlich eine schöne Sache." 

Dieses Gefühl gibt es beim Nähen ganz umsonst dazu. 

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