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StartseiteWissenschaft im BrennpunktNahrung für neun Milliarden03.04.2012

Nahrung für neun Milliarden

Reihe in Wissenschaft im Brennpunkt

Es ist nicht einmal ein halbes Jahr her, da erlebte die Erde einen historischen Moment: 7.000.000.000 - so viele Menschen drängen sich seitdem auf unserem Planeten. Und die Weltbevölkerung wird weiter wachsen, bis zum Jahr 2050 vermutlich auf neun Milliarden. Eine Frage stellt sich drängender denn je: Wie sollen all die Menschen satt werden?

Westlicher Kühlschrank (picture alliance / dpa - Karl-Josef Hildenbrand)
Westlicher Kühlschrank (picture alliance / dpa - Karl-Josef Hildenbrand)

Schon jetzt schätzen Experten die Zahl der Hungernden und Unterernährten auf eine Milliarde. Das ungebremste Treiben von Spekulanten, der Klimawandel und die Konkurrenz durch Energiepflanzen verschärfen die Lage weiter. Es wird eng werden für die Menschheit. Gefragt ist in erster Linie die Politik. Nur wo keine marodierenden Banden durch die Dörfer ziehen, können Bauern ihre Felder bestellen und auch ernten, was sie gesät haben. Spekulanten müssen in ihre Schranken gewiesen, Nahrungsmittel gerecht verteilt werden.

Nahrung für neun Milliarden from Gerd Pasch on Vimeo.

(Quelle: FAO und eigen)

Doch auch die Forschung kann ihren Beitrag leisten. In aller Welt suchen Züchter und Biologen nach neuen Sorten. Sie sollen mehr Ertrag abwerfen, mit versalzenen oder trockenen Böden zurechtkommen, Schädlingen widerstehen. Ob die Gentechnik weiterhilft, ist umstritten. Die Welternährungsorganisation setzt zudem auf dem westlichen Konsumenten eher befremdliche Nahrungsmittel: Mehlwürmer, Grashüpfer, Mopanewürmer. Würde der Mensch seine Gewohnheiten ändern, wäre viel gewonnen, behaupten Experten. Doch schafft er das?

Lucian Haas, Volkart Wildermuth und Katrin Zöfel haben Versuchsfelder und Forschungsinstitute besucht, mit Experten der FAO und von Verbraucherverbänden gesprochen. Das Ergebnis ihrer Recherchen hören Sie in einer fünfteiligen Reihe, jeweils am zweiten Sonntag im Monat in Wissenschaft im Brennpunkt.


"08.04.; Teil 1:" Das Fleisch der Zukunft hat sechs Beine. Mit Insekten die Welt ernähren
Von Volkart Wildermuth
Oedaleus asiaticus bevorzugt proteinarme Nahrung, davon aber viel. (Science/Arianne Cease)Knusprige Heuschrecke (Science/Arianne Cease)Süße Termiten, knusprige Grashüpfer, nussige Mopanewürmer: In vielen Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und in Australien verzehren die Menschen Insekten. Nicht aus Not, sondern weil sie schmecken. Doch je weiter sich Fastfoodketten ausbreiten, desto mehr schwindet die sechsbeinige Vielfalt auf dem Teller. Diesen Trend möchte die Welternährungsorganisation mit dem Programm "Essbare Insekten" umkehren. Insekten bieten da eine Alternative: Sie vermehren sich schnell, brauchen vergleichsweise wenig Futter und produzieren deutlich weniger Treibhausgase. Viele Vorteile also, wenn da nur nicht der Ekelfaktor in der westlichen Welt wäre.

"13.05.; Teil 2:" Schwarze Revolution. Die Rückeroberung der Ackerkrume
Von Lucian Haas.
Alltag in der Sahelzone: Hirten in Mali (picture alliance / dpa  / Nic Bothma)Bodenerosion ist größter Gegner (picture alliance / dpa / Nic Bothma)Wer Milliarden von Menschen ernähren will, muss der wichtigsten Produktionsgrundlage wieder mehr Wert beimessen: dem Boden. Derzeit gehen jährlich weltweit rund 25 Milliarden Tonnen fruchtbare Ackerkrume verloren – durch Erosion und den Abbau von Humus. Schuld daran ist vor allem die intensive Landwirtschaft. Es gibt verschiedene Modelle, um diesem Trend gegenzusteuern. Forscher entwickeln Techniken, um mit minimaler Bodenbearbeitung Felder zu bestellen. Große Hoffnungen liegen auch auf einer wiederentdeckten Kulturtechnik von Amazonasindios. Wenn Kompost milchsauer vergoren und mit Holzkohle versetzt wird, bildet sich Terra Preta. Mit diesem extrem stabilen Humus lassen sich selbst völlig ausgelaugte Standorte wieder in fruchtbarste Böden verwandeln.


"10.06.; Teil 3:" Mehr Vitamin im Mais. Neue Pflanzen gegen den Mangel
Von Katrin Zöfel
Torbert Rocheford, Professor an der Purdue-Universität, und Kollegen schauen sich Vitamin-A-Mais im Feld an (Katrin Zöfel)Torbert Rocheford, Professor an der Purdue-Universität, und Kollegen schauen sich Vitamin-A-Mais im Feld an (Katrin Zöfel)Die meisten denken, wenn sie das Stichwort Welthunger hören , an Kalorien. Doch geschätzte zwei Milliarden Menschen auf der Erde leiden an verstecktem Hunger. Sie werden fast jeden Tag satt, dennoch fehlen ihnen wichtige Nährstoffe: Eisen, Zink oder Vitamin A. Nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO ist der Mangel an diesen drei Mikronährstoffen weltweit am größten. Forscher aus Mexiko, Kolumbien, Indien und den USA haben sich deshalb vorgenommen , das, was die Menschen sowieso jeden Tag essen, nahrhafter  zu machen . Sie züchten Mais mit mehr Vitamin A, Bohnen mit mehr Eisen und Reis und Weizen mit mehr Zink. Kritiker fragen, ob mehr Gemüse auf dem Speiseplan und mehr Aufklärung über Ernährung am Ende nicht nachhaltiger wirken würden.

"15.07.; Teil 4:"Ackern unter Bäumen. Das Konzept der Agroforstwirtschaft
Von Volkart Wildermuth
Giraffe am Berghang mit dem Kilimandscharo als Kulisse. (Holger Kroker)Gestaffelter Wald in Tansania. (Holger Kroker)Mehrstöckige Landwirtschaft - in den Tropen ist sie weit verbreitet. Große Bäume liefern Holz und spenden Schatten, eine Ebene tiefer gedeihen Bananen, darunter Kaffeesträucher und am Boden wachsen noch Bohnen. Die Fläche wird optimal genutzt und liefert hohe Erträge. Auf nährstoffarmen Böden können "Düngerbäume" zusätzlichen Stickstoff binden und so die Ernte der umliegenden Felder deutlich steigern. Aber auch in Brandenburg wachsen Alleen nicht nur entlang der Straßen sondern auch auf Äckern. Sie verbessern das Mikroklima, bremsen die Bodenerosion und sollen so die sandigen Böden fit machen für den Klimawandel. Welches Potential bietet die Kombination von Baum und Getreide wirklich, hierzulande und in den Tropen?

"12.08.; Teil 5:" Das Gute im Reis. Getreide für das nächste Jahrhundert
Von Lucian Haas
Reisfelder in der Nähe von Ubud auf Bali (AP)Reisfelder in der Nähe von Ubud auf Bali (AP) Reis ist das wichtigste Grundnahrungsmittel, vor allem in Asien. Doch für die Zukunft sehen Reiszüchter Probleme voraus. Bodendegradation, Wassermangel, Klimawandel – solche Entwicklungen setzen vor den Reisanbau stets negative Vorzeichen. Forscher am Internationalen Reisforschungsinstitut IRRI auf den Philippinen versuchen diesem Trend entgegenzuwirken. Erste Erfolge gibt es schon: neue Sorten tolerieren Salz und liefern höhere Erträge. Doch wird das reichen? Ein visionäres Projekt soll den Befreiungsschlag bringen: Gentechniker wollen der Reispflanze einen neuen Photosynthese-Apparat verpassen und so die Erträge um 50 Prozent steigern.

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