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StartseiteEuropa heuteVon den Feinheiten der französischen Küche und den Untiefen der Politik29.03.2017

Nationalstraße 7 - Etappe 3Von den Feinheiten der französischen Küche und den Untiefen der Politik

Auffallend viele Sterneköche finden sich entlang der Nationalstraße 7. Zum Beispiel Michel Chabran, Sternekoch mit einem Restaurant in Pont de l'Isère an der Rhône. Auch Politiker speisen regelmäßig bei ihm: "Ich habe alle kennengelernt und mit ihnen gegessen", sagt er.

Von Anne Raith und Andreas Noll

Sternekoch Michel Chabran vor seinem Restaurant in Pont de l'Isère an der Nationalstraße 7. (Deutschlandradio / Andreas Noll)
Sternekoch Michel Chabran vor seinem Restaurant in Pont de l'Isère an der Nationalstraße 7. (Deutschlandradio / Andreas Noll)
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"Meine Großeltern hatten ein Bistro, ein kleines Café hier im Dorf. Das, was sie zubereitet haben, war einfach, aber gut: eine Suppe, ein Tomatensalat, eine Tarte. Einfach, aber gut."

Michel Chabran steht in dem kleinen Gastraum und deutet auf ein schwarz-weiß Foto an der Wand. Aus dem Bistro ist inzwischen ein Sternerestaurant mit Garten und angeschlossenem Hotel geworden.

Wenn Michel Chabran von seinem Aufstieg vom einfachen Lehrling zum Sternekoch erzählt, dann hat die Nationalstraße 7 darin einen festen Platz. Ob der Sänger Yves Montant oder die Schauspielerin Simone Signoret: Die "Sieben" lieferte ihm prominente Gäste auf dem Weg von der Hauptstadt in den Süden frei Haus.

Den alten Kilometerstein hat Michel Chabran in seinen Garten verpflanzt. (Deutschlandradio / Andreas Noll)Den alten Kilometerstein hat Michel Chabran in seinen Garten verpflanzt. (Deutschlandradio / Andreas Noll)

Kein Wunder, dass er der alten Landstraße in seinem Restaurant-Garten ein besonderes Andenken gewidmet hat. Stolz zeigt Chabran auf einen wuchtigen Kilometerstein. "Schön, oder?" Wie eine Trophäe steht das weiß-rote Erkennungszeichen am Rande des sorgsam gepflegten Rasens. In einem günstigen Moment hat ihn sich Chabran von der Strecke geholt, die direkt vor seinem Restaurant vorbeiführt.

Menschen mit einem Lächeln auf dem Gesicht

"Als ich klein war, habe ich hier all die Autos vorbeifahren sehen auf dem Weg in den Süden. Das hat mir Lust gemacht, Koch zu werden und hier zu bleiben. Der Ort ist schön, die Nationalstraße 7 ist ein mythischer Ort, der die Menschen träumen lässt. Alle, die die Sonne suchen, haben ein Lächeln im Gesicht."

Für das Geschäft heute spielt die Nationalstraße 7 allerdings keine so große Rolle mehr. Zu bekannt ist die Küche des Sternekochs, als dass die verkehrsgünstige Lage an der alten Nord-Süd-Achse noch von entscheidender Bedeutung wäre.

Praktisch ist es natürlich trotzdem, wenn die Straße das nur gut 3.000 Einwohner große Pont de l’Isère in wenigen Minuten mit dem Regionalzentrum Valence an der Rhône verbindet. Genauso wie mit dem Restaurant seiner Tochter, die sich auch an der N7 niedergelassen hat. Auf sieben Millionen Euro Umsatz und 90 Angestellte kommen die fünf Restaurants des Chabran-Clans zusammen. Ein kleines Familienimperium, mit einfacher Philosophie:

"Es geht darum, Lust zu haben, etwas vorzubereiten und es für Freunde und Familie auf den Tisch zu bringen und zu teilen. Das ist heute ein Problem in Frankreich, dass man nicht mehr bei den Mahlzeiten zusammensitzt und sich unterhält."

Chabran hingegen unterhält sich gerne, auch wenn wir für ihn völlig überraschend in seinem Restaurant aufgetaucht sind. Mit großer Geste führt er durch den edlen Saal, in der die Sterneküche serviert wird, erläutert das Menü und die Herkunft der regionalen Zutaten, um eine Anekdote nie verlegen. Auch an den Tischen der Gäste taucht er regelmäßig auf.

"Mit Macron wird man rechnen müssen"

Mit seinen über 70 Jahren könnte sich Michel Chabran eigentlich zur Ruhe setzen, doch einer wie er, hält nicht viel von Ruhestand. Chabran liebt die Bewegung, er fährt sogar Rallye. Als wir uns verabschieden wollen, wird Sternekoch Chabran plötzlich ganz vertraulich. Auch über Politik kann mit Michel Chabran reden – sogar über Politiker:

"Ich habe alle kennengelernt und mit ihnen gegessen: Chirac, Giscard, Sarkozy. Mittérand nicht. Hollande war auch neulich hier. Er hat Trüffel gegessen, er liebt meine Trüffel. Aber wissen sie, ich bin Geschäftsmann, ich liebe alle. Und ich habe einen guten Freund, der vielleicht bald der nächste Präsident wird."

Chabran zieht sein Handy hervor und sucht ein Foto raus: Macron.

Auch Emmanuel Macron hat im Restaurant an der Nationalstraße 7 neulich Station gemacht. Ein brillanter Mensch, lobt ihn der Koch. Mit dem wird man rechnen müssen.

Den schmutzigen Wahlkampf aber verfolgt Michel Chabran mit Widerwillen. Unwürdig sei das und kein Vorbild für die jungen Franzosen. "Diese Kampagne muss bald zu Ende sein. Je eher desto besser", sagt er zum Abschied.

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