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StartseiteVerbrauchertippFallstricke beim Zweitjob22.03.2017

Nebentätigkeiten Fallstricke beim Zweitjob

Über zweieinhalb Millionen Menschen in Deutschland haben neben ihrem Haupt-Arbeitsverhältnis einen Zweitjob. Obwohl kein Arbeitgeber ohne triftigen Grund einen Nebenjob verweigern kann, gibt es juristisch einiges zu beachten. Denn schlimmstenfalls droht die Kündigung.

Von Karin Lamsfuß

Das Bild aus dem Jahr 2006 zeigt einen Mann, der den Inhalt seiner Lohntüte prüft. (picture alliance / dpa / Jens Büttner)
Nebenbei ein paar Euro dazu verdienen, ist grundsätzlich in Ordnung - doch es lauern rechtliche Tücken (picture alliance / dpa / Jens Büttner)
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Während ihrer Ehe war Pia Christ finanziell gut versorgt. Der kleine Online-Shop, den sie nebenbei betrieb, warf ein paar hundert Euro ab. Das reichte. Dann kam die Trennung und sie bewarb sich gezwungenermaßen auf eine Festanstellung. Musste sie ihr kleines Gewerbe nun an den Nagel hängen?

",Ich hatte natürlich Angst, dass der neue Arbeitgeber davon nicht so begeistert ist, aber letztendlich war das in Ordnung, er hat sich sogar dafür bedankt, dass ich ihm das so gesagt hab, und so hab ich das dann ganz offiziell weiterführen können und kann mir jetzt noch ein bisschen was dazu verdienen."

Die meisten Nebenjobs müssen nicht genehmigt werden

In der Regel kann ein festangestellter Arbeitnehmer darauf vertrauen, dass er sich nach Feierabend ein paar Euro dazuverdienen darf, erklärt Thomas Klaes, Fachanwalt für Arbeitsrecht:

"Also grundsätzlich gilt, dass der Arbeitgeber eine Nebentätigkeit des Arbeitnehmers nicht genehmigen muss, dieser Grundsatz gilt, so lange im Arbeitsvertrag nichts anderes geregelt ist; oft finden sich in Standardarbeitsverträgen vorformulierte Nebentätigkeitsverbote, aber der Grundsatz ist, dass die Nebentätigkeit keiner Genehmigung des Arbeitgebers bedarf."

Vorsicht bei Konkurrenzverhältnis

Selbst wenn im Arbeitsvertrag nicht weiter dazu geregelt ist, darf der Arbeitgeber bestimmte Nebentätigkeiten untersagen. So darf der Nebenjob nicht in Konkurrenz zum Hauptarbeitsverhältnis stehen. Genau um diesen Punkt ging es im Gespräch bei Pia Christ und ihrem neuen Chef:

"Das Einzige, worauf es meinem Arbeitgeber angekommen ist, ist dass ich natürlich nicht die Artikel verkaufe, die ich als Angestellte auch vertreibe, sodass wir uns da nicht irgendwie in die Quere kommen oder zu Konkurrenten werden."

Elf Stunden Ruhezeiten sind Pflicht

Ebenso darf sich der Mitarbeiter im Nebenjob nicht so auspowern, dass er nicht mehr die volle Leistung bringt und am Ende Erschöpfung und Burn-out drohen. Deshalb verlangt der Gesetzgeber mindestens elf Stunden Ruhezeit vor Arbeitsbeginn.

Ob einer dieser Gründe vorliegt, sollte er vor Antritt des Nebenjobs mit seinem Chef klären. Der kann gerade bei längerfristigen Problemen hart reagieren.

"Das kann die Abmahnung sein, zum Beispiel, weil er an sich eine genehmigungspflichtige Nebentätigkeit ausübt, es kann eine Abmahnung erfolgen, weil er aufgrund der Nebentätigkeit seine Pflichten im Hauptarbeitsverhältnis vernachlässigt, zum Beispiel Übermüdung, das kann irgendwann auch zu dem Ausspruch einer verhaltensbedingten Kündigung führen."

Wird jedoch keiner dieser kritischen Punkte berührt und ist eine Nebentätigkeit auch im Arbeitsvertrag nicht ausdrücklich verboten, bedarf es vielfach auch gar keiner Genehmigung. 

" Der Arbeitnehmer darf es dann still und heimlich machen, wenn seine Nebentätigkeit in keinem sachlichen Zusammenhang zum Hauptarbeitsverhältnis steht. Wenn man sich so Beispiele anschaut: Der Übungsleiter, der die Jungen-Fußballmannschaft trainiert, der muss es sich nicht genehmigen lassen, er muss es noch nicht mal anzeigen."

An Steuern und Sozialabgaben denken!

Auch wichtig: Bis auf wenige Ausnahmen ist der Nebenjob steuerpflichtig, in manchen Fällen fallen auch Sozialabgaben an. Ein letzter Tipp des Arbeitsrechtlers: Lieber mit offenen Karten spielen. Und verbietet der Chef ohne erkennbaren Grund die Nebentätigkeit, hilft nur noch der Gang vors Arbeitsgericht. Dort, so hat es Thomas Klaes einige Male erlebt, wird dann die Nebentätigkeit hochrichterlich gestattet. Doch wie sich dann das Verhältnis zum Chef entwickelt, steht dann auf einem ganz anderen Blatt.

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