Wirtschaft und Gesellschaft / Archiv /

Negative Ausblicke

Standard & Poor´s hat die deutschen Versicherungskonzerne unter die Lupe genommen

Von Brigitte Scholtes

Vor allem Lebensversicherer leiden unter dem derzeitigen Niedrigzinsumfeld.
Vor allem Lebensversicherer leiden unter dem derzeitigen Niedrigzinsumfeld. (picture alliance / dpa / Jörg Schmitt)

Wie steht es um die Finanzkraft der deutschen Versicherer – in Zeiten großer Unruhe auf den Finanzmärkten? Die Rating-Agentur Standard & Poor´s hat sich die Geschäftszahlen genauer angeschaut. Das Urteil fällt durchwachsen aus.

Das Niedrigzinsumfeld erschwert den deutschen Versicherungen das Geschäft. Vor allem Lebensversicherungen leiden darunter, sagt die Ratingagentur Standard & Poor’s. Bisher habe sich der deutsche Lebensversicherungsmarkt zwar als widerstandsfähig erwiesen, sagt Christian Badorff, Analyst bei Standard & Poor’s, er gibt den deutschen Lebensversicherern im Schnitt weiter die Note A. Aber der Ausblick sei negativ:

"Niedrigzinsen sind eine größere Herausforderung aus unserer Sicht, die sich so langsam auch in den Beständen da niederschlagen wird. Das ist angesichts eines relativ wenig variablen Garantiezinses eigentlich aus unserer Sicht die größte Herausforderung. Als positive Faktoren sehen wir relativ große Stabilität auf der Kapitalanlageseite nach wie vor, glauben aber, dass mittelfristig eben doch der niedrige Zins sich auch in den Kapitalanlageergebnissen zeigen wird."

Zwischen 2,6 und 3,2 Prozent Zinsen erzielen die Versicherer im laufenden Jahr nur noch mit Neuanlagen, im vergangenen Jahr waren es im Schnitt noch 3,5 Prozent. Die Garantieverzinsung, die die Lebensversicherungen ihren Kunden zugesagt haben, liege schätzungsweise bei durchschnittlich 3,1 Prozent. Die Gesellschaften können nun versuchen, in Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten zu investieren oder in Anlagen mit höherem Risiko. Kurzfristig wirksam aber ist die Senkung der Gewinnbeteiligung. Das aber gefällt den Kunden nicht, weil dann das Produkt Lebensversicherung weiter an Attraktivität verliert, weiß auch Analyst Badorff:

"Wir gehen schon davon aus, dass Lebensversicherer im laufenden Jahr die Gewinnbeteiligung für das folgende Jahr werden senken müssen. Mit sinkender Gewinnbeteiligung wird sicher auch die Wahrnehmung der Attraktivität etwas sinken. Wir glauben aber nach wie vor, dass die Gewinnbeteiligung im Vergleich zu dem derzeitigen Kapitalmarktbedingungen noch eine Höhe hat, die man nicht als unattraktiv ansehen kann."

Daneben beginnen viele Versicherungen aber auch, ihre Produktbedingungen zu ändern, sagt der Analyst:

"Wir beobachten, dass Lebensversicherungsunternehmen zunehmend mehr versuchen, alternative Garantiekonzepte darzustellen, die dem Kunden eben auch eine Garantie letztlich geben bezogen auf die gesamte Laufzeit des Vertrages, die aber eben auf eine andere Art und Weise dargestellt wird. Es gibt sicher auch Überlegungen, teilweise Garantien kürzer zu gestalten, das heißt nicht mehr für die gesamte Lebensdauer des Vertrages, sondern nur für gewisse Zeiträume, was gerade auch in der Modellierung von Kapitalanlageforderungen für diese Produkte sich positiv niederschlagen kann."

Von dem Umfeld niedriger Zinsen sind zwar alle Versicherer betroffen, auch die in der Sachversicherung. Aber vor allem im Schadens- und Unfallbereich haben die Gesellschaften darauf reagiert. So haben die KFZ-Versicherungen, die Verlustbringer der letzten Jahre, 2011 ihre Prämien erhöht, und die Kunden werden sich daran wohl gewöhnen müssen, sagt der Standard&Poor’s-Fachmann:

"Wir gehen davon aus, dass dieser Trend fortbestehen wird im laufenden Jahr, gehen also davon aus, dass Prämien weiter ansteigen werden, gehen also davon aus, dass Schadenkostenquoten, die ein Maß für die Profitabilität von Schaden-Unfallversicherern ist, sich leicht verbessern wird gegenüber dem Vorjahr."

Die Unternehmen mögen profitabler werden – die Kunden aber, vor allem im Lebensversicherungsbereich, sind ihnen gegenüber kritischer geworden.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Wirtschaft und Gesellschaft

BulgarienDer große Bruder Russland

Blick auf die Alexander-Newski-Kathedrale in Sofia, eines der Wahrzeichen der bulgarischen Hauptstadt

Bulgarien hängt vollständig am russischen Energietropf. Eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland wären deshalb für das ärmste EU-Mitglied fatal. Die Annexion der Krim bringt für das Land noch andere Nachteile.

Nach der AnnexionDie Krim hängt noch immer von der Ukraine ab

Ein Hochspannungsmast von unten fotografiert

Strom und Trinkwasser - beides bezieht die Krim vom Nachbarn Ukraine. Nach dem faktischen Anschluss an Russland herrscht nun auf der Halbinsel die Sorge, dass die ukrainischen Versorgungsunternehmen den Hahn abdrehen - als Vergeltung für die Abspaltung.

SendereiheAm russischen Faden?

Der Kreml in Moskau

Viele waren Teil der Sowjetunion. Dem Ostblock gehörten sie alle an: die Länder Osteuropas von Estland bis Bulgarien, von Ungarn bis Moldau. Die historische und wirtschaftliche Verbindung zu Russland ist geblieben. Und stellt diese Länder in Zeiten der diplomatischen Probleme mit Russland vor Herausforderungen.