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StartseiteSonntagsspaziergangDer wiederbelebte Tourismus 25.03.2018

NepalDer wiederbelebte Tourismus

Jahrelang war der Tourismus Nepals Standbein der Wirtschaft. Bis 2015 ein Erdbeben Tausende Wohnhäuser und etliche Tempel in Schutt und Asche legte und die Touristen ausblieben. So langsam ändert sich das und Nepal ist zurück auf der Reisebühne, ob mit Öko-Tourismus, Fahrradtouren oder Klosteraufenthalten.

Von Blanka Weber

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©Noemie Repetto / Le Pictorium/MAXPPP - Noemie Repetto / Le Pictorium - 13/02/2018 - Nepal / Katmandou - Le Shiva Ratri (ou Maha Shiavatri traduit par 'La Grande Nuit de Shiva') a normalement lieu le 13 fevrier. Cependant, les sadhus (mendiants) commencent a se rassembler des la veille, soit le 12 fevrier. Ces personnes se rendent au temple du Pashupatinath afin de celebrer ce qui consiste en l'anniversaire du Seigneur Shiva. Shiva est represente sous la forme de yogi ou bien de mendiant et autres formes, d'ou la presence d'autant de mendiants de Katmandou dans ce temple-la ce jour precis. Le nom 'Pashupati' est l'un des nombreux noms que porte le Seigneur Shiva. La coutume du Shiva Ratri est de jeuner et veiller toute na nuit en accomplissant un 'puja' toutes les 3 heures (4 fois durant la nuit). Lors de ces ablutions, du lait, du lait caille, du beurre et enfin du miel sont donnes en offrandes au Dieu, dans cette ordre. Chaque ablution est suivie d'une offrande de feuille de bilva, appreciee par Shiva. Il n'est pas anormal de voir des mendiants se partager une cigarette de marijuana, ou bien de fumer la pipe. / 13/02/2018 - Nepal / Kathmandu - The Shiva Ratri (or Maha Shiavatri translated as 'The Great Night of Shiva') is normally held on February 13th. However, the sadhus (beggars) begin to gather the day before, the 12th of February. These people go to the temple of Pashupatinath to celebrate the birthday of Lord Shiva. Shiva is represented in the form of yogi or beggar and many other forms, hence the presence of as many beggars from Kathmandu in this temple on this particular day. The name 'Pashupati' is one of the many names that Lord Shiva carries. The custom of Shiva Ratri is to fast and watch all night by performing a 'puja' every 3 hours (4 times during the night). During these ablutions, milk, curd, butter and finally honey are given as offerings to God, in this order. Each ablution is followed by a bilva leaf offering, appreciated by Shiva... | (dpa / Noemie Repetto / Le Pictorium/MAXPPP)
Shivaratri - einer der wichtigsten Feiertage im Hinduismus - am Pashupatinath Tempel in Nepal (dpa / Noemie Repetto / Le Pictorium/MAXPPP)
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"Also, hier oben sieht man den Himalaya, ganz da hinten - circa 60 km entfernt. Dort , ein Stück um die Ecke, wäre das Annapurna-Gebiet." 

Ingrid Schneider, eine gebürtige Schwäbin, lässt den Blick schweifen. Sie steht auf einer Anhöhe - etwa 1.800 Meter hoch, zwischen Obstbäumen und Salatbeeten und betrachtet Nepals schönste Seite.  

Schneebedeckt sind im Winter und Frühjahr die Berge. Iin Ingrid Schneiders Garten wachsen Palmen, Maulbeerbäume, Avocados und drei Büffel grasen friedlich nebenan auf der Wiese:

"Wir haben die hier für unsere Milch, die Einscreme, den Käse."

Denn Ingrid Schneider ist die vermutlich ungewöhnlichste und bescheidenste Tourismus-Unternehmerin des Landes. Vor 20 Jahren kam sie nach Nepal. Seit zehn Jahren widmet sie sich ausschließlich dem Tourismus: Einer kleinen Anlage mit nur wenigen traditionellen Häuschen, vegetarischer Kost und dem Versuch, so umweltverträglich und nachhaltig zu wirtschaften, wie es geht.  

Ein Mitarbeiter grüßt die Chefin. "Das ist unser Bäcker", schmunzelt die 63-Jährige. Denn auch das Brot kommt aus dem eigenen Holzofen.  

Noch ist Öko-Tourismus noch kein großes Thema in Nepal, aber eines, das jetzt beginnt. Zertifizierungen, Kontrollen oder Standards gibt es noch nicht im Land. Aber eben Gäste, die Tradition und Nachhaltigkeit verbinden wollen.  

Ein Haus aus Kuhdung

Ingrid Schneider läuft durch den Garten: "Das ist mein Haus, das ist immer noch Erdbeben-geschädigt. Das wollen wir demnächst angehen, wir bereiten schon den Putz vor."

Ein Putz - traditionell - aus Lehm, Reishülsen und Kuhdung , so wie man seit Jahrhunderten Häuser baut. Diesmal nur eben sicherer und stabiler. So langsam geht es wieder bergauf mit dem Tourismus, sagt die Deutsche mit dem Abenteuergeist und der unermüdlichen Energie, hier in Nepal etwas aufbauen und bewahren zu wollen:  

"Seit diesem Jahr wesentlich mehr. Nach dem Erdbeben ging gar nichts mehr, alles wurde storniert."

Ihre Gäste sind zunehmend Fahrradfahrer, Motorradfahrer, Trekkingtouristen, aber auch Familien, die ausgedehnte Reisen unternehmen und nicht im stickigen smogbelasteten Kathmandu übernachten wollen.

Die Landeshauptstadt Nepals gehört zu den schmutzigsten Städten weltweit, schrieb eine lokale Zeitung und setzte Kathmandu auf Platz 3 - andere Quellen berichten, die Stadt sei 20 Mal mehr mit Emissionen belastet wie es offiziell WHO-Standard sein dürfte. Andere Statistiken sehen die Hauptstadt im weltweiten Ranking der dreckigsten Städte eher weiter hinten.

Fest steht, die Menschen in den Städten wollen raus aufs Land und nutzen jede Gelegenheit. Wer von Kathmandu den Bus nimmt, braucht für die 40 Kilometer drei - vier Stunden auf staubigen Pisten, engen Straßen und genießt dennoch mit jedem Kilometer gen Norden eine atemberaubende Landschaft. 

Picknick mit Reistöpfen

Wer nicht in Ingrid Schneiders vegetarische, grüne Idylle - nahe des Namo Buddha Klosters - einkehrt, sucht einen Picknickplatz. Es ist eine neue Kultur im Land, große Familien machen sich - oft per Bus - mit Reistöpfen, Fleischspießen und Musikboxen auf den Weg, um einen Tag im Grünen, zwischen Pinien und mit frischer Luft zu verbringen.  

Es wird getanzt, getafelt und gelacht - wer Lust hat, macht einfach mit, auch mit Rucksack auf den Schultern und in schweren Trekkingschuhen sind Touristen willkommen. Die Gastfreundschaft und Offenheit der Nepalesen ist groß. Schnell kommt man miteinander ins Gespräch, Vorbehalte, Ressentiments gegenüber Fremden gibt es nicht.

Nepal mit dem Rad erkunden

Auch Chris Schnelli aus der Schweiz hat das erlebt. Er ist mit dem Fahrrad unterwegs, hat einen einheimischen langjährigen Freund und Radprofi dabei und erkundet neue Strecken quer durchs Land.  

"Die schönsten Eindrücke von heute waren die Begegnungen mit den Menschen hier, die extrem offen und freundlich sind. Wir durften zu ihren Häusern, sie haben uns willkommen geheißen und das ist eigentlich so das Eindrückliche hier - das sind die Menschen."

Der Schweizer ist extrem-Radfahrer, privat und beruflich. Eine seiner Touren - von Lhasa nach Kathmandu in 25 Etappen - auf 3.000 Metern Höhen - nur etwas für wirklich Geübte. Jetzt schaut er, ob es eine leichtere Strecke gibt hinein ins Kathmandu-Tal durch Nationalparks und historische Städte.

"Ich war hier das letzte Mal vor 28 Jahren und da war es natürlich ganz ursprünglich und ich hab eigentlich erwartet, dass mehr Straßen jetzt asphaltiert sind und im besseren Zustand, aber da sind wir noch weit davon weg. Es ist wirklich noch vieles im Aufbau."

Die Infrastruktur in Nepal ist noch nicht perfekt, vor allem wenn man Service und Sicherheit für Radfahrer mitdenken will. Chris Schnelli zögert einen Moment meint, es lohne sich dennoch, Nepal auch per Rad zu erkunden:

"Ja, das ist wahr, das ist wirklich so. Aber das ist vielleicht auch die Herausforderung. Wir schauen schon, es gibt ja einige schöne Unterkünfte. Unterwegs ist das Leben sehr einfach. Auch wir machen Picknicks oder essen auch mal in lokalen Küchen, wo das Essen sehr würzig ist, ja, aber man darf den großen Luxus hier nicht erwarten. Aber ich glaube das Potenzial ist riesig für Nepal."

Ein Aufenthalt im Kloster 

Das denkt auch Lama Pokha. Vom Wetter gegerbt, mit traditionell gelb-rotem Gewand der Tibeter, läuft er über das Gelände des Namo Buddha Klosters. Ein riesiges Areal mit Internat, Räumen für die buddhistische Lehre, das Beten und einer Meditationshalle. Etwa 130 Mönche leben und lernen hier, der Jüngste ist fünf Jahre alt.

Zwei Mal am Tag gibt aus ausgiebige Zeremonien aus Texten, Gesang und Gebeten, den tibetischen Trompeten und - viel Ruhe.

Das ist es, was Lama Pokha auch den Gästen an diesem Ort wünscht. Nicht ohne Humor erzählt er, was ihm an den ausländischen Touristen manchmal auffällt:

"Alle Ausländer, die hierher kommen, sind ganz schön gestresst, immer aktiv, immer Pläne, Termine und keine Zeit für sich selbst. Wobei doch diese 'Zeit für sich selbst' - das Wichtigste ist. Und dann sage ich immer: "Das müsst ihr ändern!" - sie haben alles, eben nur keinen Plan für sich selbst, um zur Ruhe zu kommen, achtzugeben auf sich selbst."

Er lacht etwas verschmitzt, erzählt von seinen Reisen nach Europa und erklärt, manche Gäste hier würden einfach nur Bilder machen und doch nichts verstehen von der Tiefe der Religion und der inneren Ruhe dieses Ortes.  

Kurse über Religion und Philosophie

Nepal ist ein Land mit großer buddhistischer und hinduistischer Tradition. 80 Prozent der Menschen gehören dem Hinduismus an, 10 Prozent dem Buddhismus - 4 Prozent dem Islam. Und es gibt auch Minderheiten, etwa Christen. Es ist - größtenteils - ein friedliches Mit- und Nebeneinander, wenngleich die Rolle der Frauen im Land, unabhängig von der Religion, aus europäischer Perspektive mehr als Zweifel aufwirft. Oft sind sie es, die schwere Lasten auf ihrem Rücken zu tragen haben und merkwürdigen Alltagsregeln folgen.

Hakbar Dotsche interessiert all’ das nicht. Er ist 20 Jahre jung und lebt - wie Lama Pokha - im Kloster Nomo Buddha. Auch er ist Mönch und hat mit 11 Jahren den Entschluss gefasst, hier zu leben und sich der Lehre der Tibeter zu widmen. Wenn ausländische Gäste im Kloster sind, führt er durch das Areal:

"Manche sind sehr interessiert an unserer Religion. Sie wollen mehr wissen und dann erklären wir, was wir machen - prinzipiell gilt: Wir freuen uns, dass Sie hier sind!"  

Und Hakbar Dotsche meint das ernst. Gäste sind hier willkommen. Wer mag, kann sogar Kurse belegen: über Religion, Philosophie, die tibetische Sprache oder Meditation - völlig unabhängig von der eigenen Religion. Frauen sind ebenso willkommen wie Männer. Hakbar Dotsche ist das Sinnbild von Toleranz und Weltoffenheit:  

"Meine Religion ist ok, aber ich sage nicht, dass die anderen schlecht sind. Die sind auch gut, wenn sie über Liebe, das Miteinander und Frieden reden, das ist ok. Denn unser Ziel ist ja das gleiche. Wir haben viele Wege und welchen man geht, das ist immer deine Entscheidung. Ich habe nicht das Recht zu sagen: Du musst jetzt in meine Religion kommen, die ist am besten. Sei einfach eine gute Person mit einem freundlichen, offener Geist, schau, dass dein Leben friedlich verläuft, glücklich und mit Bedeutung - das ist unser Ziel."

Viel Armut und eine meist schlechte Infrastruktur

Auch die Tempel des Klosters sind beim Erdbeben 2015 zum Teil schwer zerstört worden. Jetzt strahlen sie wieder in frischem Weiß, leuchten gold- rot in der Sonne. Es ist ein beeindruckendes, friedliches und stilles Panorama auf knapp 2.000 Metern Höhe, zwischen Pinien und Sandpisten gelegen in den Weiten des Kathmandu-Tals - 20 Kilometer von der Stadt Dhulikhel entfernt.

Das 20-Millionen-Land Nepal, ein Mischung aus großartiger Landschaft, geduldigen und herzlichen Menschen - aber auch viel Armut und einer meist noch schlechten Infrastruktur. Ob man die tiefe, traditionelle Kultur des Landes jemals versteht? Ingrid Schneider, die gebürtige Schwäbin und Investorin in Nepal, wippt mit dem Kopf - ganz nepalesische Körpersprache und überlegt einen Moment:  

"Ich würde sagen, es bleibt uns immer noch fremd. Du versuchst zu verstehen, aber es hört nie auf. Aber das ist ja auch das Spannende."

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