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StartseiteComputer und KommunikationNetze nach Bedarf21.09.2013

Netze nach Bedarf

Software Defined Networks sollen den Hunger nach flexibler Bandbreite stillen

Beim Konzept der Software Defined Networks soll Netzwerkhardware vereinfacht und zum Teil durch virtuelle Elemente ersetzt werden. Dr. Andreas Gladisch von den Telekom Innovation Labs in Berlin erläutert im Interview die Weiterentwicklung dieser Technik und ihre Vorteile für private Internetnutzer.

Noch ist die SDN-Technik unter Wissenschaftlern und Praktikern umstritten. (dpa / Jens Büttner)
Noch ist die SDN-Technik unter Wissenschaftlern und Praktikern umstritten. (dpa / Jens Büttner)

"Software Defined Networks bieten große Möglichkeiten für die Netzbetreiber, weil die Steuerung der Netzte im Moment sehr komplex geworden ist. Und diese Software Defined Networks bieten die Möglichkeit, einen Sprung zu machen wie man früher vielleicht Mainframe-Computern gegangen ist zur heutigen PC-Welt, wo man mehr Flexibilität hat. Und das ist also ein Grundprinzip der Software Defined Networks – diesen einfachen Datentransport von der Intelligenz der Steuerung zu trennen: hat dadurch sehr einfache Elemente bei dem Datentransport und praktisch nur eine Stelle, wo man Intelligenz hat oder wo auch die Fehlerquellen sind, wo man drauf achten muss, dass alles richtig funktioniert."

Manfred Kloiber: Das war Professor Ralf Tönjes von der Hochschule Osnabrück über Software Defined Networks. SDN und virtuelle Netzwerkelemente waren gestern auch in Osnabrück Schwerpunkt der Tagung "Zukunft der Netze" der Informationstechnischen Gesellschaft. Es geht um einen Paradigmenwechsel in der Netzwerktechnologie: Statt teurer, proprietärer und dezentral arbeitender Router oder Switches, soll die Netzwerkintelligenz zentralisiert und die Netzwerkhardware vereinfacht, zum Teil auch durch virtuelle Netzwerkelemente in der Cloud ersetzt werden. Noch ist SDN unter Wissenschaftlern und Praktikern umstritten. Aber welche Vorteile sich Netzbetreiber davon versprechen, das habe ich Dr. Andreas Gladisch gefragt. Er ist bei den Telekom Innovation Labs in Berlin für konvergente Netze und Infrastruktur zuständig.

Andreas Gladisch: SDN selber wurde vor einigen Jahren im Wesentlichen für den Einsatz in großen Data-Centern entwickelt. Und es ist mittlerweile so weit, dass wir in den Datencentern der T-Systems erste Tests laufenlassen, um zu lernen, wie das verwendet werden kann. Zudem gibt es in Kroatien ein field trial mit dem Namen TeraStream. Und TeraStream folgt zwei elementaren Paradigmen. Einmal geht es darum, sehr einfache Netzstrukturen zu realisieren, indem man ausschließlich auf ipv6 setzt, und zum zweiten werden dort netznahe Data-Center aufgebaut, in denen alle komplexen Funktionen, die wir üblicher Weise sonst verteilt im Netz haben, konzentriert werden. Der field trial hat im letzten Jahr begonnen. Und Ziel ist es, verstehen zu lernen: Was kann man mit SDN erreichen?, um dann auch im großen Stil diese Techniken anwenden zu können.

Kloiber: Das betrifft ja vor allen Dingen das sogenannte Backbone, als das, was bei Ihnen in den Rechenzentren oder zwischen den großen Knotenpunkten an Netzwerktechnologie vorhanden ist, oder?

Gladisch: Die SDN-Technik wurde zuallererst für Datencenter entwickelt. Es ging darum, die Virtualisierung von Hardware, also von Servern in dem Fall zu kombinieren mit virtuellen Netzen und dann nahtlos diese Ressourcen konfigurieren zu können. Jetzt sehen wir, dass die Technik langsam aus den Datencentern hinauswächst in die klassischen Carrier-Netze, man muss die Datencenter verbinden. Deswegen ist da ein erster Schritt zu sehen. Und natürlich gibt es auch
neue, flexible Funktionen dann in den Access- und Aggregationsnetzen, wie wir sagen, bis hin zum Heimnetz. Auch da sehen wir erste SDN-Paradigmen.

Kloiber: Und wie das in den sogenannten Access-Networks aus, wo dann der Kunde angeschlossen wird?

Gladisch: Die Heimrouter sind die letzte Komponente, die das Netz abschließen. Und die sind essenziell, um flexibel oder überhaupt Funktionen kreieren zu können. Und wir würden gerne in diesem Bereich Software-Defined-Networking-Prinzipien nutzen, um schneller und flexibler neue Netzdienste zum Kunden zu bringen. Beispielsweise Möglichkeiten, das Heimnetz besser konfigurieren und monitoren, also beobachten zu können, um den Kunden zu helfen, die richtigen Konfigurationen zu finden. Heute ist es ja oft so, dass man im Grunde schon studiert haben muss, um überhaupt noch die gesamten Geräte in so einem Heimnetz zu konfigurieren.

Kloiber: Kommen wir nochmal zurück, Herr Gladisch, auf das Thema SDN an sich. Das findet ja als Entwicklungsthema vor allen Dingen in offenen Industrieforen und Konsortien statt, die nach diesem Prinzip der Open Source agieren, also das, was wir eigentlich von dieser Linux-Entwicklung her kennen. Warum ist eigentlich dieser Open-Source-Gedanke so wichtig für die Entwicklung dieser neuen Netzwerktechnologie und wie bewerten Sie diesen Open-Source-Gedanken als Telekom?

Gladisch: Also Open Source ist eine wichtige Komponente des Software-Defined-Networking-Eco-Systems. Ich hatte bereits darauf verwiesen, dass die standardisierten Software-Interfaces zwischen Controller und Network-Applikation sehr wichtig sind, dass wir da einen hohen Standardisierungsgrad haben. Aber mit dieser Standardisierung kommt zuallererst einmal die Möglichkeit, dass auch neue Firmen, kleine Firmen die Möglichkeit bekommen, entsprechende Network-Applikationen zu schreiben und auch in den Markt zu bringen. Und wir bekommen die Möglichkeit, Open-Source-Software zu verwenden. Und hoffentlich entsteht auch eine Open-Source-Community, die sich dann dadurch auszeichnet, dass in der Regel die Qualität des Codes besser ist – das weiß man aus den Erfahrungen mit Linux. Und dass dann im Grunde eine sehr schnelle und kleine, muntere Industrie von eben auch kleinen Firmen entsteht. Da hat ein Umdenken bei den Netzbetreibern stattgefunden. Vor einigen Jahren war es noch nicht Teil der technischen Einführungen bei den Netzbetreibern, dass man Open-Source-Software verwendet hat. Heute haben wir insbesondere mit dem Erfolg von Linux gelernt, dass das durchaus kommerziell von Interesse und auch technisch von Interesse ist. Vor einigen Tagen ist die Deutsche Telekom Mitglied der Open Source Business Alliance geworden. Und ich denke, das ist Hinweis genug, wie der Stellenwert jetzt auch bei großen Netzbetreibern gesehen wird.


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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