• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 21:05 Uhr Musik-Panorama
StartseiteUmwelt und VerbraucherNeu kaufen ist billiger als reparieren21.03.2013

Neu kaufen ist billiger als reparieren

Studie zur Haltbarkeit von Produkten

Kurze Garantiezeiten und hoher Verschleiß: Das ist das Ergebnis einer Studie, die im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion die Haltbarkeit von Produkten überprüft hat. Verbraucherschützer fordern nun schärfere Regelungen für Garantiefristen auf EU-Ebene.

Von Verena Kemna

Neu kaufen ist billiger als reparieren. (picture alliance / dpa / Marijan Murat)
Neu kaufen ist billiger als reparieren. (picture alliance / dpa / Marijan Murat)

Das Gutachten im Auftrag der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat ergeben, was die meisten Verbraucher längst ahnen. Viele Produkte halten nicht besonders lang. Das Problem sind oft minderwertige Einbauteile, die sich nicht so einfach ersetzen lassen.

Billige Kunststoffzahnräder in Handmixern sind spätestens nach drei Jahren zerfräst. Akkus in Handys, Elektrozahnbürsten oder Laptops sind bei einigen Herstellern fest verklebt und können nicht ausgewechselt werden. Wegschmeißen und neu kaufen ist dann die einzige Alternative. Stefan Schridde ist einer der Autoren der Studie. Er spricht von "geplanter Obsoleszenz" und meint vorzeitigen Verschleiß, den allzu viele Hersteller billigend in Kauf nehmen.

"Elektrolytkondensatoren, die wir heute in Produkten finden wie Fernseher, Verstärker etc. sind so platziert, dass sie Wärme ausgesetzt sind, das vertragen die nicht, das verkürzt die Lebensdauer. Das Erschreckende dabei ist, dass der Kondensator, der länger halten würde nicht mal einen Cent mehr kostet. Also Kostengründe, wie sie von Herstellern angeführt werden, der Kunde sei nicht bereit die Qualität zu zahlen, ziehen hier nicht."

Ein anderes Beispiel sind Tintenstrahldrucker. Viele haben eingebaute Zähler, die so programmiert sind, dass nach einigen Tausend Seiten die Warnleuchte blinkt. Ein Zurückdrehen des Zählers würde genügen und das Gerät würde ohne Probleme weiter drucken. Doch wer weiß das schon und so enden viele Geräte auf dem Müll, die gar nicht kaputt sind.

"Wenn Waschmaschinenhersteller ihre Laugenpumpe für drei Euro einkaufen und als Ersatzteil für 60 Euro verkaufen, dann haben wir es hier mit einem Ersatzteilwucher zu tun, dass sie so teuer werden, dass sie zu einem wirtschaftlichen Totalschaden selbst im kleinen Reparaturfall führen."

Mit minderwertigen Einbauteilen sparen die Hersteller Kosten, weil die Geräte schneller kaputt gehen, steigen die Umsätze. Ein Vorwurf, den der Zentralverband der Elektrotechnik und Elektronikindustrie zurückweist. Dort heißt es, dass beinahe die Hälfte der Haushaltsgeräte in Deutschland zehn Jahre und älter seien. Nicole Maisch, verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, fordert unter anderem schärfere Regelungen zu Garantie- und Gewährleistungsfristen auf EU-Ebene.

"Hin zu Reparierbarkeit zu Austauschbarkeit, Regeln, dass man Ersatzteile vorhalten muss, eben solche Dinge, um wegzukommen von dieser Wegwerfmentalität, die im Moment vorherrscht"

Wegwerfmentalität, die die Müllberge wachsen lässt und viel Geld kostet. Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass Verbraucher in Deutschland einhundert Milliarden Euro pro Jahr einsparen könnten. Verbraucher können sich schon jetzt an Ökozeichen wie dem Blauen Engel orientieren, erklärt Hans-Hermann Eggers vom Umweltbundesamt.

"Verbraucherinnen und Verbraucher sollten erst einmal schauen, dass sie wirklich hochwertigere Geräte kaufen, die sind sicher etwas teurer aber die halten auch länger."

Noch mehr Ökosiegel hält er nicht für notwendig. Ähnlich wie die Verbraucherzentralen fordert auch das Umweltbundesamt eine bessere Aufklärung der Verbraucher.

"Also ich denke, wir müssen erst einmal sehen, ob dieser Vorwurf, dass also bewusst Schwachstellen eingebaut werden, richtig ist."

Ob Hersteller bewusst den Verschleiß ihrer Produkte kalkulieren, dazu plant das Umweltbundesamt noch in diesem Sommer eine eigene Studie.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk