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StartseiteCorsoIm dunklen Herz der Geldmaschine22.02.2018

Neue deutsche Serie: "Bad Banks"Im dunklen Herz der Geldmaschine

Das öffentlich-rechtliche TV zieht nach: Die sechsteilige ZDF-Miniserie "Bad Banks" mit internationalem Cast will kritische Analyse und ambi­valente Figuren mit einem unterhaltenden Thriller verbinden. Auf der Berlinale hatte die Miniserie Premiere.

Von Marco Müller

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Bankerin Jana (Paula Beer) geht durch die vom Krawall gezeichneten Straßen Frankfurts (ZDF / Ricardo Vaz Palma)
Der Zusammenbruch des Finanzsystems ist Thema der Serie "Bad Banks" (ZDF / Ricardo Vaz Palma)
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Die Bankkarte ist wertlos, das deutsche Finanzsystem kollabiert, es herrscht Chaos: Die Mini-Serie "Bad Banks" beginnt mit einem Vorgriff auf die letzte Folge. Doch wie wird man eigentlich zum Reiter so einer modernen Apokalypse? Für die Antwort springt die Serie einige Monate zurück und beginnt mit dem eigentlichen Anfang der Ge­schich­te: Die junge Jana Liekam muss für die mächtige Luxemburger Bankerin­ Leblanc die Frank­furter "Glo­bal" aus­spionieren, wo Leblanc ihr einen Job als Strukturiererin ver­schafft hat.

"Liekam: Es gab in der Global ein Projekt namens Questus. Es war ein Mega-Flop, aber wurde trotzdem verkauft..."

"Leblanc: Okay. Ich prüf das. Weiter so."

Der Etat ist eine Kampfansage

Was folgt, ist ein vielschichtiges Netz aus Intrigen und Transaktionen. "Bad Banks" fordert den Zuschauer sofort mit komplexer Erzählung und Finanz­welt - und beein­druckt mit Schau­werten: Der Ehrgeiz, die Emotionen und Geldsummen - alles scheint hier größer zu sein als anders­wo. Das gilt auch für den Produktionsetat. Mit Ein­stellungen vom Hubschrau­ber oder dem inter­nationalen Cast wirkt sie wie eine Kampf­­­­­ansage für den Markt. Dabei hatte die Initiative dazu erst mal einen ande­ren An­lass. Wie oft bei Serien, kam sie von der Produk­tions­seite, der Produzentin Lisa Blumenberg:

"Also das war schon eine Spätfolge noch von der Finanzkrise 2008. Die Faszination eines Systems, das offensichtlich die Welt beherrscht, aber gleichzeitig unkontrollierbar ist, das hat mich interessiert. Gleichzeitig wollte ich natürlich wissen: Was passiert da eigentlich hinter diesen gläsernen Türmen in diesen Finanzzentren. Und vor allen Dingen: Wer macht diesen Beruf?"

"For fucks sake, why don't you listen: I am rolling fucking billions here, understand?! I don't need small money, I need big money from guys with big balls... Much, much better. Yeah, thanks for the deal, motherfucker."

"Ich brauch es"

Zu hören war hier kein Rapsong oder Ausschnitt aus der US-Banken-Serie "Billions", sondern einer der Banker, die Jana für ihre Karriere einspannt. Ein Büro wird in "Bad Banks" zur Arena, menschliche Schwächen und Obsessionen zur Währung, um Menschen zu manipulie­ren. Dahinter steht nicht immer Gier, sondern auch eine neuro­tische Suche nach Selbstwertgefühl. Um das zu verdeutlichen, schreckt die Serie nicht davor zurück, den sonst so prüden deutschen Film mit Figuren zu konter­karieren, die auch mal ihren animalischen Instinkten folgen - Sex- oder Gewalt-Szenen inklusive. Für die Macher kein Nach­ahmen von US-Vorbildern, sondern eine Frage von Glaubwürdigkeit.

"Dann werden ja Figuren erst interessant. Ich hab nie daran geglaubt, dass Figuren sympathisch sein müssen. Figuren müssen in erster Linie faszinieren. Und die Figuren in ihren Ambivalenzen und Widersprüchen zu zeigen, hat viel mehr mit dem eigenen Erleben und dem Menschsein zu tun."

Auch Sympathiefiguren haben in "Bad Banks" also dunkle Seiten - wie Jana. Im Laufe der Folgen lernt sie, ihre Spionage für sich zu nutzen - und zu erkennen, dass ihre Suche nach Anerkennung, die sie in ihrem Beruf auslebt, zu einer Sucht geworden ist

"Sie haben mich mal gefragt, warum ich Karriere machen will. Da hätte ich ein paar sehr kluge Antworten parat. Aber die Wahrheit ist viel einfacher: Ich weiß es nicht. Ich hab nicht die geringste Ahnung. Aber ich brauch es."

Wohlfühl-Fern­sehen hört sich anders an. Öffentlich-Rechtlich kann also Mini-Serie? Dass in "Bad Banks" manches für eine mögliche Fortsetzung unlogisch zurechtge­bogen, statt zu Ende erzählt wird, spricht dagegen. Dafür spricht ein über viele Folgen ebenso gut recherchier­ter wie spannend-unterhaltender Einblick in das flirrende, dunkle Herz des Geldsystems. Die Banken sind mit "Bad Banks" auch in Deutsch­land da an­gekom­men, wo sie vor Jahren keiner vermutet hätte: in der Popkultur.

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