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StartseiteKommentare und Themen der WocheTrumps Bruch mit außenpolitischen Traditionen19.12.2017

Neue Sicherheitsdoktrin der USATrumps Bruch mit außenpolitischen Traditionen

Donald Trumps Nationale Sicherheitsdoktrin geht von falschen Annahmen aus und führt deshalb fast zwangsläufig zu falschen Schlüssen, kommentiert Washington-Korrespondent Thilo Kößler. Trump katapultiere die Außenpolitik seines Landes in die Zeiten der Großmachtpolitik des 19. Jahrhunderts zurück - ein fataler strategischer Fehler.

Von Thilo Kößler

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US-Präsident Donald J. Trump bei der Vorstellung seiner nationalen Sicherheitsstrategie in Washington. (dpa / Jim Loscalzo / Consolidated)
US-Präsident Donald J. Trump bei der Vorstellung seiner Nationalen Sicherheitsstrategie in Washington. (dpa / Jim Loscalzo / Consolidated)
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KISS heißt ein amerikanisches Management-Prinzip, das es Entscheidungsträgern in einer komplexen Welt ermöglichen soll, die Peilung zu behalten. KISS steht für "Keep it simple, stupid". In etwa: Machen Sie es sich so einfach wie möglich.

Dieses Prinzip scheint bei dem Entwurf dieser neuen US-amerikanischen Sicherheitsdoktrin Pate gestanden zu haben. Doch was für den persönlichen Umgang mit schwierigen Verhältnissen ein guter Rat sein mag, dürfte sich für die Gestaltung der US-amerikanischen Außenpolitik noch als verhängnisvoll erweisen. America first – das ist die Formel, auf die Donald Trump seine Sicherheitsdoktrin bringt. Damit rüttelt er an den Grundfesten des bisherigen amerikanischen Selbstverständnisses in der Welt.

Trump legt Rückwärtsgang ein

Trumps Nationale Sicherheitsstrategie ist ein eklatanter Bruch mit den Traditionen von 70 Jahren US-amerikanischer Außenpolitik seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Sie beruhte auf der Überzeugung, dass ein Netz aus multilateralen Organisationen und Verträgen für Stabilität in der Welt und damit für Sicherheit zuhause sorgt. Abgestützt wurde diese Doktrin durch die Bemühungen um Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Einhaltung der Menschenrechte. Dass sich die USA selbst oft nicht an diese Prinzipien hielten, ist wahr. Doch das änderte nichts an der grundsätzlichen Attraktivität der amerikanischen "soft power".

Trumps Nationale Sicherheitsdoktrin geht von falschen Annahmen aus und führt deshalb fast zwangsläufig zu falschen Schlüssen. Trump geht davon aus, dass die multilaterale Weltordnung mit ihren vernetzten Organisationen und Verträgen stets und ständig zu Lasten und auf Kosten der Vereinigten Staaten von Amerika ging. Deshalb legt er den Rückwärtsgang ein und kündigt internationale Verträge wie das transpazifische Partnerschaftsabkommen TPP oder das Klimaschutzabkommen von Paris. Damit kündigt er indes auch den Konsens auf, dass nur einvernehmliche Verhandlungslösungen, die auf win-win-Konstellationen beruhen, dauerhafte Lösungen sind. Stattdessen – und das ist der falsche Schluss aus der falschen Annahme – setzt Donald Trump auf das Prinzip des nationalen Eigennutzes. In den Mittelpunkt seiner Sicherheitsdoktrin rückt er die Formel "America first".

Zurück in die Zeiten der Großmachtpolitik

Damit katapultiert er die Außenpolitik seines Landes in die finsteren Zeiten der Großmachtpolitik des 19. Jahrhunderts zurück, in der eigennützige Nationen um den größten nationalen Vorteil zum Schaden anderer konkurrierten und rivalisierten. Mit dem Ergebnis verheerender Weltkriege.

Donald Trumps "America-First"-Strategie zeigt jetzt schon erste Folgen. Etwa im pazifischen Raum, wo sich China anschickt, das amerikanische Vakuum nach der Kündigung des TPP-Abkommens zu füllen. Oder im Nahen Osten, wo Donald Trump mit dem Alleingang der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels ohne Not eine Lunte an das nahöstliche Pulverfass gelegt hat. Das Vakuum, das der ehemalige "ehrliche Makler" USA dort hinterlässt, würde gerne Russland füllen.

Doch Donald Trump scheint diese fatalen strategischen Fehler noch nicht einmal wahrzunehmen. Er hat sich entschieden. Statt auf die "soft power" und die Attraktivität, Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit der Vereinigten Staaten von Amerika in der Welt zu setzen, will er schlicht die "hard power" der Supermacht USA stärken und weiter aufrüsten. Und das ist – mit Verlaub - allzu simple, stupid.

Thilo Kößler, Korrespondent in Washington (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Thilo Kößler (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Thilo Kößler begann nach einem Geschichtsstudium seine Rundfunk-Laufbahn 1978 als Reporter im Studio Nürnberg des Bayerischen Rundfunks. 1987 wechselte er als Zeitfunk-Redakteur zum SDR nach Stuttgart und war von 1990 bis 1996 ARD-Hörfunk-Korrespondent für den Nahen Osten am Standort Kairo. Seit 1998 arbeitete er als Redakteur im Deutschlandfunk, zunächst im Zeitfunk, dann als Leiter der Europaredaktion. Ab 2007 war er Leiter der Abteilung "Hintergrund". Seit Juni 2016 ist er USA-Korrespondent von Deutschlandradio mit Sitz in Washington.

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