• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 14:00 Uhr Nachrichten
StartseiteCampus & KarriereBikini-Schichten zerstören Familienleben06.02.2016

Neues Arbeitszeit-ModellBikini-Schichten zerstören Familienleben

Durch immer neue Arbeitszeitmodelle ließen sich Familie und Beruf für viele Menschen schlechter vereinbaren, klagen die Gewerkschaften in Hamburg. Besonders problematisch: sogenannte Bikini-Schichten.

Von Axel Schröder

Der amerikanische Stummfilmstar Harold Lloyd - hier in der berühmten Szene an einem Uhrzeiger hängend in dem Film "Safety Last" (picture-alliance / dpa)
Wer hat an der Uhr gedreht? - Veränderte Schicht-Systeme machen es schwieriger, Familie und Beruf zu vereinbaren. (picture-alliance / dpa)
Mehr zum Thema

Arbeitswelt 4.0 - zur digitalen Zukunft der Arbeit (3/3) Die App als Arbeitgeber

Arbeitswelt 4.0 - zur digitalen Zukunft der Arbeit (1/3) Die Informatikerin Constanze Kurz

Arbeitnehmerrechte Kündigung im Krankheitsfall nicht vorschnell akzeptieren

Gibt es genügend KiTa-Plätze, lassen sich Beruf und Familie perfekt vereinbaren. Diese Gleichung geht allerdings für diejenigen auf, deren Arbeitszeiten noch im traditionellen Rahmen liegen. Mit einem Arbeitsbeginn um acht Uhr morgens und einem Feierabend am Nachmittag. Aber immer öfter, so die Hamburger Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes Katja Karger, müssen die Angestellten ihren Alltag auch neuen Schichtsystemen in der Arbeitswelt unterordnen:

"Wir haben Probleme auf der einen Seite mit den Bikini-Schichten, den sogenannten. Das heißt: geteilte Dienste wie sie in der Gastro häufiger vorkommen. Aber wie sie auch immer häufiger im Einzelhandel vorkommen. Das heißt, gerade Frauen werden gerne dann für ein paar Stunden vormittags und für ein paar Stunden nachmittags eingeteilt. Und dazwischen gibt es die Nicht-Beschäftigung. Das sind diese Bikini-Schichten."

Und zusätzlich öffnen viele Geschäfte einfach auch länger, bis 22 oder 23 Uhr oder gleich bis Mitternacht. Die KiTas sind dann schon lange zu. Die einzige Möglichkeit, die dann noch bleibt: sich mit dem Partner die Kindesbetreuung teilen oder die Großeltern als Babysitter engagieren. Ohne Großeltern und ohne Partner sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt dagegen immer noch düster, erklärt Knut Böhrnsen, Sprecher der Hamburger Arbeitsagentur:

"Wenn wir jetzt noch die Herausforderungen der alleinerziehenden – in Hamburg haben wir etwa 50.000 – dann können die das natürlich gar nicht realisieren. Wenn da kein Partner, kein Ehemann, keine Ehefrau in der Hinterhand ist, die dann auch mal ganz spontan Betreuungszeiten übernehmen können, dann ist das eigentlich zum Scheitern verurteilt und eine Bewerbung dann auch aussichtslos."

Gewerkschaften: Demographischer Wandel muss in Arbeitswelt berücksichtigt werden

Nicht nur beim Thema Kinderbetreuung, auch bei der altersgerechten Anpassung der Arbeitswelt besteht in den meisten Branchen noch Nachholbedarf. In immer neuen Kampagnen werden Arbeitgeber zwar darüber aufgeklärt, welche Chancen auch ergraute Angestellte bieten, wie sich ihre Zuverlässigkeit und ihr jahrzehntelang angehäuftes Wissen auch für den eigenen Betrieb nutzen lassen. Trotzdem halten sich die Vorbehalte gegenüber älteren Arbeitnehmern hartnäckig und die Kreativität, wie diese Gruppe effektiv eingesetzt werden kann, ist noch sehr beschränkt, so Katja Karger vom DGB:

"Das beginnt in einzelnen Betrieben. Bei Airbus gibt es gute Regelungen oder bei Aurubis, bei der Aluminiumhütte. Da gibt es auch erste Demografie-Tarifverträge. Aber es sind wirklich ganz kleine erste Anfänge und wirklich durchgesetzt hat sich das noch nicht."

Ältere Arbeitnehmer müssten sich viel zu oft noch in die alten starren Schichtsysteme einpassen, ihr Potenzial würde dadurch eher begrenzt als gefördert werden. Die Ressourcen für den altersgemäßen Umbau der Arbeitswelt haben aber vor allem große Unternehmen mit professionellen Personalabteilungen. In kleinen, auch in mittelständischen Betrieben sehe das oft anders aus, erklärt Knut Böhrnsen:

"Die können sich das vielleicht gar nicht leisten, haben auch nicht die Personalressourcen, um das auf den Weg zu bringen, um das in die Mitarbeiterschaft einzupreisen. Der Handwerksbetrieb mit fünf, sechs, zehn, zwölf Mitarbeitern, der wird sich sicherlich dreimal überlegen, ob er jemanden, der gesundheitliche Probleme hat, auch noch bis zum Rentenalter zu beschäftigen."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk