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New YorkAcht Tote bei Anschlag

Ermittler untersuchen den Wagen, mit dem der Anschlag in New York verübt wurde. (AFP/Don Emmert)
Ermittler untersuchen den Wagen, mit dem der Anschlag in New York verübt wurde. (AFP/Don Emmert)

Eine Deutsche ist unter den Verletzten, nach Angaben des Auswärtigen Amts ist aber kein deutscher Staatsbürger unter den Todesopfern. Ein Mann war mit einem Pickup im New Yorker Stadtteil Manhattan über einen breiten Radweg gefahren und hatte acht Menschen getötet. Die Behörden sprechen von einem Terroranschlag.

Unter den Toten waren nach Angaben der Behörden der jeweiligen Länder auch eine Belgierien sowie fünf Argentinier. Informationen zu deutschen Opfern lagen zunächst nicht vor. Elf Menschen wurden schwer aber nicht lebensgefährlich verletzt. Auch eine Deutsche ist bei dem Anschlag verletzt worden, erklärte das Auswärtige Amt in Berlin am Mittwochmorgen. Weiter hieß es, bei der mutmaßlich islamistischen Attacke mit acht Toten habe es aber kein deutsches Todesopfer gegeben.

Trauer und Entsetzen in den USA

"Das ist ein schmerzhafter Tag für unsere Stadt", sagte Bürgermeister Bill de Blasio. Es handele sich um einen Terrorakt der feigesten Art und Weise. Polizeichef James O'Neill sprach von eine "Tragödie größten Ausmaßes". Die Sicherheitsvorkehrungen wurden verstärkt, auch für die traditionell am Abend des 31. Oktober stattfindenden Halloween-Feierlichkeiten mit Paraden. Es gebe aber keine Hinweise auf eine andere akute Bedrohung in der Stadt, sagte Gouverneur Andrew Cuomo. Es werde nach niemandem mehr gefahndet, es habe sich um einen Einzeltäter gehandelt, teilten die Behörden mit. 

Notizen legen Verbindung zum IS nahe

Verortung des Anschlags in Manhattan am 31.10.2017 (picture-alliance/dpa-infografik) (picture-alliance/dpa-infografik)Im Südwesten Manhattans, auf Höhe der West Houston Street, fuhr der 29-Jährige mit einem von einem Heimwerkermarkt gemieteten weißen Klein-Lastwagen auf einen Fußgänger- und Fahrradweg auf und fuhr dort eine Strecke von etwa 1,6 Kilometer. Dabei erfasste er mit dem Auto mehrere Menschen. Auf Höhe der Chambers Street direkt vor einer High School in der Nähe des World Trade Centers kollidierte der Truck mit einem Schulbus und kam zum Stehen.

Der Fahrer stieg aus dem Auto aus und rief "Allahu Akbar", arabisch für "Gott ist groß", wie die Polizei bestätigte. Dann hielt er zwei Waffen hoch, die sich im Nachhinein als eine relativ ungefährliche Paintballpistole und ein Luftgewehr herausstellten.

In der Nähe des Fahrzeugs fanden Ermittler Notizen auf Arabisch, die eine Verbindung mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nahelegten, hieß es in Medienberichten. Das hat der Gouverneur des US-Staates, Andrew Cuomo, im CBS-Fernsehen bestätigt - allerdings ohne Einzelheiten zu nennen. Er verwies auf die laufenden Ermittlungen.

Täter liegt angeschossen im Krankenhaus

Ein Polizist schoss dem Mann in den Bauch. Er wurde festgenommen, in ein Krankenhaus gebracht und operiert. Der Mann stamme nicht aus New York, hieß es. Nähere Einzelheiten zu seiner Identität wurden jedoch zunächst aus ermittlungstechnischen Gründen nicht mitgeteilt. Medienberichten unter Bezugnahme auf Polizeiquellen zufolge stammt der Mann aus Usbekistan, kam 2010 in die USA und lebte legal mit einer Green Card in den USA. Shavkat Mirziyoyev, der Präsident Usbekistans, sprach sein Mitgefühl aus.

Der Straßenblock an der Chambers Street wurde abgesperrt, Polizei und Feuerwehr waren vor Ort, Hubschrauber kreisten über der Gegend. Dutzende Schüler der High School und Schaulustige standen an den Absperrungen. Auf den Straßen stauten sich Tausende von Fahrzeugen. Wegen des Halloween-Fests waren zudem deutlich mehr Menschen auf den Straßen unterwegs als sonst.

Trump kündigt schärfere Kontrollen an

Der amerikanische Präsident Donald Trump meldete sich via Twitter zu Wort. Er drückte sein Mitgefühl mit den Opfern aus und schrieb: "Es sieht wie eine weitere Attacke einer sehr kranken und gestörten Person aus." Später kündigte er an: "Ich habe das Heimatschutzministerium gerade damit beauftragt, unser schon jetzt extremes Programm an Sicherheitsüberprüfungen zu intensivieren." Trump beklagte eine falsche "Politische Korrektheit".

Der Republikaner hat sich vehement für eine Verschärfung der Einwanderungspolitik in den USA stark gemacht und dies damit begründet, dass er die Terrorgefahr für die USA als sehr konkret einschätze. So wollte er ein Einreiseverbot für Menschen aus überwiegend muslimisch geprägten Ländern einführen, scheiterte damit aber vor Gerichten. Trump erklärte außerdem, er wolle das Zuwanderungssystem per "Green Card" abschaffen. In einer weiteren Twitter-Nachricht des Präsidenten heißt es, der Attentäter sei über eine Green-Card-Verlosung in die USA gekommen. Man müsse "diesen Wahnsinn stoppen". Er wolle ein anderes System, das auf den beruflichen Fähigkeiten der Bewerber basiere.

Mit der Green Card erhalten jährlich bis zu 50.000 Ausländer eine Arbeitserlaubnis in den USA. Bei der Bewerbung muss man umfangreiche Angaben machen, die streng überprüft werden.

Bestürzung in den USA und weltweit

Der Anschlag wird in den USA und weltweit mit Bestürzung aufgenommen. Steffen Seibert, Sprecher der Bundesregierung, schrieb bei Twitter vom Berliner Beistand für New York.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel sagte: "Wir stehen im Kampf gegen diese sinnlose Gewalt fest an der Seite der USA." Bei dem Attentat wurde auch eine Deutsche verletzt. "Auch ihr gilt mein ausdrückliches Mitgefühl. Ich wünsche ihr, dass sie bald wieder gesund wird", so der Minister. Er betonte: "Die freie und offene Lebensweise der New Yorker wird diese Tat nicht zerstören können."

Die Regierungschefs aus Spanien, Großbritannien, Kanada und Frankreich versicherten ebenfalls ihre Anteilnahme. "Ich drücke das Mitgefühl und die Solidarität Frankreichs für New York und die Vereinigten Staaten aus", twitterte der französische Präsident Emmanuel Macron. "Unser Kampf für die Freiheit eint uns mehr denn je." UNO-Generalsekretär António Guterres schrieb: "Wir denken an die Menschen unserer großartigen Gastgeberstadt; heute sind wir alle im UNO-Hauptquartier New Yorker." 

New York sei als weltweites Symbol der Freiheit getroffen worden, sagte New Yorks Gouverneur Cuomo. "Seien Sie New Yorker! Leben Sie ihr Leben, lassen Sie ihr Leben nicht von anderen bestimmen." Auch der frühere Präsident Barack Obama meldete sich bei Twitter zu Wort. "Michelle und ich denken an die Opfer des heutigen Anschlags in New York City und an alle, die für unsere Sicherheit sorgen. New Yorker sind so widerstandsfähig wie sie können", schrieb er.

"New Yorks Widerstandskraft ist stärker als ein feiger Terrorakt. Ich denke an die Opfer, ihre Familien und die Ersthelfer, die Leben gerettet haben", schrieb die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton bei Twitter.

Auch der Iran verurteilt den Anschlag

Der Iran, zu dem die USA in schwieriger Beziehung stehen, verurteilte den Terroranschlag in New York scharf und sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. "Unschuldige und hilflose Menschen auf Straßen und an öffentlichen Plätzen zu ermorden, zeigt die Brutalität von Terrorgruppen wie Daesch", sagte Außenamtssprecher Bahram Ghassemi unter Verwendung der abwertenden Bezeichnung für die Terrormiliz IS. Gleichzeitig jedoch kritisierte er die Politik der USA und ihrer Verbündeten im Kampf gegen den IS. Terrorismus müsse konsequent bekämpft und dürfe nicht für politische Interessen instrumentalisiert werden, sagte Ghassemi.

Aus der arabischen Welt sprachen Katar, Saudi-Arabien, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain den USA ihr Mitgefühl aus.

(nch/tf/tep)

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