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StartseiteKultur heuteNicht immer ganz freiwillig03.03.2012

Nicht immer ganz freiwillig

Russische Kulturelite unterstützt Wladimir Putin

Russlands Kulturelite ist vor der Präsidentschaftswahl gespalten. Die einen engagieren sich in der Protestbewegung. Die anderen werben für Wladimir Putin: Zum Beispiel mit kleinen Videobotschaften unterstützten sie den mächtigen Mann - offenbar nicht immer ganz freiwillig.

Von Gesine Dornblüth

Wladimir Putin  (dpa / picture alliance / Alexey Kudenko)
Wladimir Putin (dpa / picture alliance / Alexey Kudenko)

Die junge Frau sitzt in weißer Bluse auf einem Hocker und sieht angestrengt aus.

"In unserem Leben gibt es nichts Wichtigeres als die Gesundheit der Kinder. Wladimir Putin war nicht einmal gleichgültig gegenüber den Bitten der Stiftung Schenke Leben und der Ärzte, die den Fond unterstützen. Alle Versprechen, die Wladimir Putin der Stiftung Schenke Leben gemacht hat, wurden immer erfüllt. Deshalb werde ich ihn wählen."

Die Stiftung "Schenke Leben" hilft krebskranken Kindern. Die Frau, die den Wahlwerbespot für Wladimir Putin spricht, heißt Tschulpan Chamatowa, 36 Jahre, Film- und Theaterschauspielerin. Dass ausgerechnet sie ihr Gesicht für Putin hergibt, hat in Russland für Verwunderung gesorgt. Denn im Dezember war die Schauspielerin noch mit anderen Oppositionellen gegen Wahlfälschungen auf die Straße gegangen. Russische Journalisten fanden heraus: Chamatowa sei zu dem Spot genötigt worden. Ihr sei angedroht worden, wenn sie nicht mitmache, bekomme die Stiftung Probleme. Sie beriefen sich auf anonyme Quellen in der Stiftung. Die Schauspielerin selbst will die Sache nicht kommentieren. Stattdessen äußerte sich Putins Pressesprecher, Dmitrij Peskow. Er meinte, wenn Chamatowa sich zugunsten Putins äußere, tue sie dies "mit ganzem Herzen."

Wer sich mit Sicherheit mit ganzem Herzen für Putin einsetzt, ist der Regisseur Nikita Michalkow. Er ist lange als Putin-Fan bekannt. Im Wahlkampf durfte er den Kandidaten sogar bei einem Fernsehduell vertreten.

"Jeder, der gegen Putin stimmt, stimmt gegen die Einheit und die Zukunft Russlands. Ich bin davon zutiefst überzeugt. Jede andere Variante führt in die Katastrophe."

In Russland sind die Abhängigkeiten der Kultur von der Regierung sehr groß. Die Kulturförderung ist – wie der gesamte Staat – streng von oben, vertikal organisiert. Putin steht als Premierminister gleichzeitig der Kommission vor, die über Filmförderung entscheidet. Der Vorsitzende des Moskauer Filmverbandes, der Regisseur Gennadij Poloka, räumt ein:

"Die großen Fördertöpfe sind alle in der Hand der Regierung. Putin versucht, bei jeder Gelegenheit zu unterstreichen, dass er künftig den Etat für Kulturförderung erhöhen wird. Ob er das dann auch macht, ist eine andere Frage. Aber alle hoffen darauf."

Das mag sich auch der Schauspieler Jewgenij Mironow gedacht haben. Er leitet das "Theater der Nation" in Moskau. Er steht in seinem Werbefilm in einem prächtigen Theatersaal.

"Ich werde jemanden wählen, der nicht nur mir geholfen hat, sondern vielen Menschen in der Kultur. Ich bin Wladimir Putin natürlich dankbar, dass er das neue Konzept eines Theaters der Nation unterstützt hat."

Es gibt aber auch Künstler, die sich für andere Kandidaten engagieren. Alla Pugatschowa zum Beispiel, die vor langer Zeit mit Udo Lindenberg "Wozu sind Kriege da" sang, nahm gemeinsam mit der Rockikone Andrej Makarewitsch ein Liedchen für den Kandidaten Michail Prochorow auf. Der ist nicht nur der drittreichste Mann Russlands, sondern ragt mit seinen 2.04 Meter auch körperlich über die meisten hinaus.

"Wenn du als der Größte geboren bist, dann blickst du einfach weiter als andere", singen die beiden. Der Regisseur Poloka vom Filmverband:

"Den Leuten wird etwas versprochen. Deshalb machen sie im Wahlkampf mit. Warum sonst sollten sich Alla Pugatschowa und Andrej Makarewitsch für Prochorow engagieren. Das machen die doch nicht einfach so."

Poloka sagt, die Kulturelite sei gespalten. In den Filmklubs in Moskau würden sich Putin-Fans und Putin-Kritiker anschreien, niemand höre dem anderen zu. Er ist froh, wenn die Wahl vorbei ist.

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