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Nicht von dieser Welt

Himmlische Klänge auf der CD "Sphären"

Am Mikrofon: Ludwig Rink

Der Violinist Daniel Hope besaß schon als Achtjähriger ein Teleskop- (Harald Hoffmann)
Der Violinist Daniel Hope besaß schon als Achtjähriger ein Teleskop- (Harald Hoffmann)

Der in Südafrika geborene Geiger Daniel Hope versammelt auf der CD "Sphären" 18 Musikstücke, die zur aus dem Altertum überlieferten Idee der "Sphärenmusik" passen: jene geisterhaften Klänge, die angeblich bei der Begegnung einander passierender Planeten entstehen.

Eine beliebte Möglichkeit, jüngere Schüler an moderne Musik heranzuführen, sah in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts so aus, dass man im Musikunterricht ohne große Vorrede ein ganz bestimmtes Werk eines ungarischen Komponisten auflegte und die Schüler aufforderte, beim Hören aufzuschreiben, an was sie diese Klänge erinnerten. Dieser Einstieg funktionierte immer problemlos, egal ob es sich um Fünftklässler einer Haupt-, Real-, Gesamtschule oder eines Gymnasiums handelte. Nach Verstummen des letzten Klanges sprachen die Schüler angeregt vom Schweben, vom Fliegen, vom Himmel, dem Lauf der Planeten, von den Sternen, von Raumfahrt und Mondlandung.

Was hatte ihre Fantasie angeregt? Es war das Orchesterwerk "Atmosphères" von György Ligeti, eigentlich eine hochkomplexe, schon von der Anlage her äußerst dissonante Angelegenheit, in ihrer fantasieanregenden Wirkung aber höchst suggestiv.

Ähnlich leicht dürfte der Zugang zur heutigen Neuen Platte zu finden sein, auf der auch viel zeitgenössische Musik versammelt ist und die ganz ähnlich wie Ligetis Orchesterwerk betitelt ist, nämlich mit "Sphären".

Lera Auerbach
aus: 24 Präludien für Violine und Klavier:
Adagio sognando
Track 5
Dauer: 1‘35
Daniel Hope, Violine
Jacques Ammon, Klavier

Zusammengestellt hat das aus 18 Stücken bestehende Programm dieser Sphären-CD der in Südafrika geborene Geiger Daniel Hope. Seit mehr als zwei Jahrzehnten international erfolgreich, tritt er mit den wichtigsten Orchestern und Dirigenten auf und ist berühmt für seine Musikalität, seine Vielseitigkeit, seine auch über die Musik hinausgehende Kreativität und wirkungsvolle Medienpräsenz.

1985 lud Yehudi Menuhin den damals gerade einmal elf Jahre alten Geiger ein, mit ihm die Bartók-Duos für das deutsche Fernsehen aufzuführen. Es war der Beginn einer langjährigen musikalischen Partnerschaft, während der die beiden Geiger mehr als 60 gemeinsame Konzerte gaben. Daniel Hope erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine Aufnahmen.

Neben dem Geigespielen betreut er auch noch als musikalischer Leiter das amerikanische Savannah Music Festival sowie die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Ab 2015 sollte er zudem zusammen mit Thomas Hengelbrock die Intendanz der Ludwigsburger Schlossfestspiele übernehmen, ein Projekt, das sich aber, wie in der letzten Woche gemeldet wurde, nun doch wieder zerschlug.

Schon als Achtjähriger besaß Daniel Hope ein Teleskop, mit dem er stundenlang Mond und Sterne betrachtete. Später kam er mit der aus dem Altertum überlieferten Idee einer "Sphärenmusik" in Berührung, jenen geisterhaften Klängen, die angeblich bei der Begegnung einander passierender Planeten entstehen und eine ätherische Musik erzeugen, in ganz wörtlichem Sinne eine Musik nicht von dieser Welt. Wohl auch wegen mangelnder Luftübertragung nicht hör-, sondern allenfalls vorstellbar, gedacht als eine ewige astronomische Harmonie, die strengen mathematischen Formeln folgt.

Paul Hindemith wollte den Gedanken von der "Harmonie der Welt" in den 50er-Jahren noch durch eine eigene musiktheoretische Konstruktion untermauern - viele der von Daniel Hope jetzt eingespielten Komponisten machen sich unbekümmerter ans Werk und schildern musikalisch, wie sie sich den Himmelsklang vorstellen. Dabei kommen oft repetitive Strukturen zum Einsatz wie hier beim amerikanischen Komponisten Philip Glass. Der beschäftigt sich, laut Daniel Hope, schön länger mit Rätseln wie dem, ob Musik an der Schwelle eines Schwarzen Lochs wohl höher oder tiefer klingt. Dieses Stück hier droht eher eine andere Schwelle zu überschreiten: nämlich die zwischen Kunst und Kitsch.

Philip Glass
Echorus
aus Track 3 Anfang, ab 3’00 langsam blenden, ab 3’08 unter Text
Dauer: 3‘08
Daniel Hope, Violine
Deutsches Kammerorchester Berlin
Mitglieder des Rundfunkchores Berlin
Leitung: Simon Halsey

Zwei Werke seiner neuen Himmels-CD gab Daniel Hope in Auftrag: beim Prokofjew-Enkel Gabriel Prokofjew das Stück "Sphären" und bei Alex Baranowski die folgende "Musica universalis" für zwei Violinen, Klavier und Streicher. Baranowski wurde 1983 geboren, absolvierte das von Paul McCartney gegründete Liverpooler Institut für Darstellende Kunst und ist bereits mit vielen Musiken für Film, Theater, Fernsehen und Tanzprojekte hervorgetreten.

Alex Baranowski
Musica universalis
Track 8
Dauer:2‘28
Daniel Hope, Violine
Deutsches Kammerorchester Berlin

Dass repetitive Minimalmusic nicht erst eine Erfindung unserer Zeit ist, beweist Daniel Hope mit einem Arrangement der Violin-Solosonate "Imitazione delle campane" von Johannes Paul von Westhoff, einem Geiger und Komponisten, der von 1656 bis 1705 lebte, unter anderem an den Höfen von Dresden und Weimar arbeitete und dessen Solosonaten möglicherweise auch Johann Sebastian Bach als Vorbild für Ähnliches dienten.

Johannes Paul von Westhoff
Sonate "Imitazione delle campane”
Track 1
Dauer:2‘20
Daniel Hope, Violine
Deutsches Kammerorchester Berlin

Diese Solosonate hätte Daniel Hope gut auch wirklich solo einspielen können. Die Einbettung in den Orchesterklang verstärkt den Eindruck, dass diese Produktion insgesamt fürs Zurücklehnen gedacht ist, für das ruhige Entspannen nach einem anstrengenden Arbeitstag etwa oder für die stimmungsvolle Untermalung eines kerzenbeleuchteten Abendessens zu zweit. Neue und ungewöhnliche ältere Musik soll hier nicht verstören, aufschrecken oder nachdenklich machen - sie ist einfach da und nimmt ihren Lauf wie seit ewigen Zeiten die Sterne und Planeten.

Von der Kälte des Weltalls, den ungeheuren Energien der Sonne, von Unwirtlichkeit und Gefahren ist nicht die Rede, das kann man in Haydns Schöpfung oder dem Orchesterwerk "Die Planeten" von Gustav Holst besser erleben. Es geht um Ruhe, und wenn sie zum Nachdenken über Gott und die Welt führt – umso besser. In diesem Sinne hier noch das Benedictus aus "The Armed Man – Eine Messe für den Frieden" des 1944 geborenen walisischen Keyboarders, Oboisten und Komponisten Karl Jenkins. Hier kommt neben Daniel Hope und dem Deutschen Kammerorchester Berlin noch der Rundfunkchor Berlin zum Einsatz.

Karl Jenkins
Benedictus aus "The Armed Man – Eine Messe für den Frieden”
aus Track 15 ab 1’58
Dauer: 3‘48
Daniel Hope, Violine
Deutsches Kammerorchester Berlin
Mitglieder des Rundfunkchores Berlin
Leitung: Simon Halsey

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